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Startseite»Nachrichten»So tickt Trump wirklich: Will Merz die Versöhnung, muss er Wrestler werden
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So tickt Trump wirklich: Will Merz die Versöhnung, muss er Wrestler werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 17, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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So tickt Trump wirklichWill Merz die Versöhnung, muss er Wrestler werden

17.05.2026, 11:23 Uhr Von Volker Petersen
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„Battle of the Billionaires“ – beim Wrestling holte Trump 2007 den Rasierer raus.

US-Präsident Trump ist sauer auf Kanzler Merz, seit der gesagt hat, die USA würden vom Iran gedemütigt. Dabei folgt Trump nicht den Regeln der Politik, sondern des Wrestlings. Ja, es gibt tatsächlich Parallelen.

Donald Trump steht neben dem Ring, ruft „Was ist hier los?“, tigert um den Ring herum, sieht einen anderen Mann im Anzug, plötzlich springt er ihn an, reißt ihn zu Boden, verpasst ihm mit der Faust theatralisch ein paar Schläge auf den Kopf. Kurz darauf hält ein muskelbepackter Typ den Geschlagenen auf einem Stuhl fest, Trump greift zum Elektrorasierer, schert dem Mann die Haare ab.

Der wehrt sich, schreit, fleht um Gnade. Aber Trump zeigt kein Erbarmen, im Gegenteil. Er verteilt Rasierschaum auf dem Kopf seines Opfers und fängt an, auch noch die verbliebenen Stoppeln abzuschaben. Gedemütigt blickt der Mann in die Kamera. Trump lacht. Das Publikum auch.

Eine Szene aus dem „Battle of the Billionaires“, dem Kampf der Milliardäre, vom 1. April 2007. Trump, damals Ende 50 und ein gefeierte TV-Star und Immobilienhai, ist einer der Milliardäre, die sich in dieser Inszenierung einer Wrestling-Show bekämpfen. Der andere ist Vince McMahon, der Chef des Wrestling-Verbandes WWE. Aber das tut hier nichts weiter zur Sache.

Merz trägt das Haar glücklicherweise kurz

Friedrich Merz saß 2007 noch im Bundestag und schloss sich dort unter anderem einem überfraktionellen Antrag an, das Flugverkehrskonzept über Berlin zu überprüfen. Inwiefern er damals Trumps Nebenjob im Wrestling verfolgte – unbekannt. Das Haar trägt Merz seit seiner Jugend ohnehin kurz, insofern muss er Trump in dieser Beziehung nicht fürchten. Aber auch er wurde kürzlich von Trump rasiert, im übertragenen Sinne.

Vor einer Schulklasse im Sauerland hatte Merz gesagt, der Iran demütige gerade ein ganzes Land, die USA. Die Äußerung in einem Ort namens Marsberg entzündeten eine Lunte, deren Ende im Weißen Haus lag. Merz schaffte es mit seiner Äußerung auf die Titelseite der „New York Times“. Seitdem ist er bei Trump unten durch.

Bis dahin war „Chancellor Friedrick“ sein Freund, oder das, was Trump darunter versteht, aber nun schlug er zurück. So wie damals beim Battle of the Billionaires. Nur mit den Mitteln, die er heute hat. Er kündigte neue Zölle sowie den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland an und sagte die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern ab. Seitdem gab es keine Meldungen mehr über Telefonate oder andere Gespräche. Es herrscht Funkstille. Bis es am Freitag wieder eine zaghafte Annäherung gab. Man telefoniert wieder!

Trumps Wrestling-Methode

Vielleicht ist das die Chance für eine Versöhnung. Damit sie nachhaltig ist, sollte Merz sich Trumps Wrestling-Vergangenheit zuwenden. Denn Wrestling hat sehr viel mit dem zu tun, wie Trump tickt, funktioniert und vorgeht. Sein ganzes Weltbild, seine Kommunikation und auch die Anziehungskraft, die er auf seine Fans ausübt, erscheinen wie aus der Wrestling-Welt entsprungen. Kein Wunder, schließlich mischte Trump selbst über Jahre in der Szene mit. Was ihm einen Platz in der Wrestling-Hall-of-Fame einbrachte (ja, so etwas gibt es).

Beim Wrestling geht es um starke Männer, die kämpfen. Es geht um Show, es geht um die Aufführung großer Gefühle und Geschichten. Es geht darum, den Gegner erst mit Worten, dann mit Fäusten und „Moves“ fertigzumachen. Worum es nicht geht: Wahrheit, Ehrlichkeit, Fairness. Noch ein Gebot der Szene: niemals, wirklich niemals, langweilen. Wenn das nicht Trumps Modus Operandi beschreibt, was dann?

Es gibt nur einen Unterschied: Beim Wrestling wissen mittlerweile alle, auch die Fans, dass das eine große Show ist. Trump schafft es dagegen in seiner eigenen Blase immer noch, die große Illusion aufrecht zu erhalten. So wie in der Frühphase des Wrestlings, als sich die Macher alle Mühe gaben, den Menschen weiszumachen, dass alles echt sei. Athleten zeigten sich auch abseits des Rings in ihrer Rolle. Mit dem Internet stieß diese Strategie, „Kayfabe“ genannt, an ihre Grenzen.

Mehr als Selbst-Beweihräucherung

Für Trump ging es mit dem Netz erst richtig los. Er nahm das mit in die Politik, was er im Wrestling gelernt hatte. „Beim Wrestling gibt es eine klar geordnete Welt“, sagt der Marburger Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger ntv.de. „Auf der einen Seite steht das absolut Gute, auf der anderen das absolut Böse.“ So arbeitet auch Trump. Sein Kommunikationsstil gleicht der Art und Weise, wie Wrestler sprechen: „Bei Trump erkennt man das daran, dass er nur in Superlativen redet. Das eine ist absolut grauenvoll, das andere ist das Größte ever.“ Die Demokraten wollen die USA zerstören – behauptet Trump – während alles, was er selbst macht, einfach nur grandios ist.

Dahinter steckt mehr als Selbst-Beweihräucherung. Wie im Wrestling, so geht es Trump darum, Emotionen zu vermitteln, Geschichten zu erzählen vom Kampf David gegen Goliath, von den Guten gegen die Bösen, von Amerika gegen die Welt. Für die Wrestling-Strippenzieher war das einst ein Mittel, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Um sie dazu zu verleiten, hohe Pay-per-View-Gebühren zu bezahlen, wie Hallenberger erläutert.

Auch für Trump ist es das Mittel, seine Wähler zu fesseln. Das ist eine Herausforderung, wenn es um Politik geht, um Steuer, Rente oder Krankenversicherung. Trumps Kniff: „Er redet eigentlich nie über Politik“, sagt Hallenberger. „Sondern immer nur über Gefühle.“

Bei der Migration geht es bei ihm nicht um eine zu lösende Sachfrage, sondern um Angst. Seit Jahren erzählt er immer wieder von Horden von Mördern und Vergewaltigern, die andere Länder aus ihren Gefängnissen und „Irrenanstalten“ in die USA schicken würden – und die die bösen Demokraten noch willkommen heißen, damit sie helfen, Amerika zu zerstören. Aber es geht auch um Stolz, bei Trumps großem Versprechen: Make America Great Again.

Die Realität bricht durch

Doch mittlerweile stößt Trump mit seinem „Kayfabe“, mit seiner Geschichte, dass alles zu Gold wird, was er anfasst, an Grenzen. Er versprach keine „dummen Kriege“ mehr anzuzetteln. Und verstrickte sich in einem unnötigen Konflikt mit dem Iran, der den USA schadet. Er versprach sinkende Lebenshaltungskosten, ach was, alle Amerikaner reich zu machen. Stattdessen steigen die Benzinpreise in ungeahnte Höhen.

Trump hält an seiner Erzählung fest, er habe alles im Griff. Aber er schafft es nicht mehr, seine Geschichte der Realität überzustülpen. „Ich sage es mal so“, sagt Hallenberger: „Man kann Menschen für dumm verkaufen, aber nicht immer und überall.“ Trumps Kommunikation stößt an die Grenzen. Schon x-Mal hat er den Sieg über das Mullah-Regime erklärt, doch es ist immer noch da. Die Straße von Hormus ist noch immer geschlossen und alle wissen, dass sie vor dem Krieg offen war.

Womit wir wieder bei Merz wären. Als der sagte, die USA würden vom Iran gedemütigt, hat er das Kayfabe gebrochen. Er hat die Illusion zerstört, den Vorhang für Trump weggerissen. Wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Und Kaiser Trump sah plötzlich nackt aus. Ein No-Go im Wrestling. Und natürlich in der Trump-World. Eine Demütigung? Das kann kein Wrestler so stehen lassen. Selbst wenn Trump persönliche Kritik aushalten könnte, er müsste darauf reagieren. Sonst sähe er schwach aus in seinem Polit-Ring.

Vielleicht ein Jumbo-Jet? Ein Flugzeugträger?

Kann Merz die Strohhalm-Chance auf eine Versöhnung per Telefon ergreifen? Immerhin gibt es so etwas im Wrestling immer wieder: große Friedensschlüsse, tränenrührende Umarmungen, sich umarmende Männer. Hallenberger ist allerdings skeptisch. „Merz ist kein Gegner für ihn. Der ist einfach zu klein. Eine Wrestling-Versöhnung, das geht mit Xi, mit Putin. Aber doch nicht mit Merz, einem kleinem europäischen Würstchen.“

Versöhnung, das gehe nur auf Augenhöhe. Alles andere wird teuer. „Merz könnte ihm einen Jumbo-Jet mit seinem Namen drauf schenken“, witzelt Hallenberger in Anspielung auf eine entsprechende Geste des Golfstaats Katar. „Oder lieber gleich einen Flugzeugträger.“ Denn die Größe des Geschenks zeige für Trump die Größe der Freundschaft an. Dafür wäre jedoch das nächste Sondervermögen fällig. Oder Merz macht, was Wrestler tun würden: Widerstand leisten. Kämpfen. Hauptsache nicht langweilen. Vielleicht hätte Trump sogar Spaß daran.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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