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Startseite»Nachrichten»Türkei: Polizei stürmt CHP-Zentrale nach Absetzung von Özel
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Türkei: Polizei stürmt CHP-Zentrale nach Absetzung von Özel

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Machtkampf in der TürkeiPolizei stürmt Oppositionszentrale der CHP in Ankara

Mit Tränengas und Gummigeschossen: Nach der Absetzung des türkischen Oppositionsführers Özgür Özel kommt es zu tumultartigen Szenen in der Hauptstadt. Beamte dringen gewaltsam in das Hauptquartier der größten Regierungskritiker ein. Özel will das Gebäude dennoch nicht verlassen.

Nach der gerichtlichen Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP in der Türkei nehmen die Spannungen in der Hauptstadt Ankara zu. Die Polizei drang am Nachmittag unter dem Einsatz von Tränengas in die CHP-Zentrale ein, wo sich der abgesetzte Vorsitzende Özgür Özel mit Abgeordneten verschanzt hat. Sie durchbrach dabei Barrikaden, wie auf Bildern des Senders Halk TV zu sehen war.

Anhänger der CHP und der abgesetzte Parteichef Özel verbarrikadieren sich in der Zentrale in Ankara. (Foto: REUTERS)

Auch Gummigeschosse seien eingesetzt worden. Die Situation ist bislang unübersichtlich. Im Gebäude hingen dicke Rauchschwaden. Özel kündigte an, die Zentrale weiter nicht verlassen zu wollen. Das Gouverneursamt von Ankara hatte zuvor die Räumung angeordnet und erklärt, damit werde das Gerichtsurteil umgesetzt, das den früheren Parteichef Kemal Kilicdaroglu vorläufig als Parteichef reinstallierte.

Vorwurf der Bestechung bei Wahl

Ein Gericht in Ankara hatte am Donnerstag den Parteitag 2023, auf dem Özel zum CHP-Vorsitzenden gewählt worden war, rückwirkend für ungültig erklärt und Özel abgesetzt. Es geht dabei um die Frage, ob Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Das Verfahren hatte ein ehemaliges Parteimitglied angestrengt. Es war im Oktober zunächst abgewiesen worden und wurde dann neu aufgerollt.

Die CHP-Parteiführung weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Sie argumentiert zudem, dass eigentlich die Wahlbehörde und nicht ein Gericht darüber entscheiden müsste, ob Abstimmungen bei Parteitagen rechtmäßig waren. Als CHP-Parteichef setzte das Gericht vorläufig Özels umstrittenen Vorgänger Kilicdaroglu ein. Das löste Proteste in der Hauptstadt Ankara und weiteren Städten aus.

Kilicdaroglu unterlag Erdogan

Das Urteil wird als schwerer Schlag für die politischen Gegner von Präsident Erdogan gewertet und könnte am Ende die Zerschlagung der CHP – Gründungspartei des Landes – zur Folge haben. Beobachter halten die Entscheidung für verfassungswidrig und werten sie als politisch motiviert. Die Regierung hingegen betont die Unabhängigkeit der Justiz.

Der 77-jährige Kilicdaroglu war mehr als zehn Jahre lang Vorsitzender der säkular ausgerichteten CHP. Er unterlag Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Wahl vor drei Jahren – und danach Özel im Kampf um den Parteivorsitz.

Kilicdaroglu, einst Hoffnungsträger, verlor nach seiner Niederlage schnell an Unterstützung vor allem in der Bevölkerung. Auf Demonstrationen und in den sozialen Medien wurde er nach dem Gerichtsurteil teils als „Verräter“ beschimpft. Er gilt als schwacher Politiker und damit bevorzugter Gegner Erdogans. Der Präsident selbst hat sich bislang nicht zu den Geschehnissen geäußert, das Verfahren aber schon in der Vergangenheit als innerparteilichen Konflikt der CHP dargestellt.

Özel führte Partei zum Erfolg

Unter der Führung des 51-jährigen Özels fuhr die CHP bei der Kommunalwahl 2024 einen überraschenden Erfolg ein und gewann die meisten Bürgermeisterämter im Land. Seitdem wurden zahlreiche oppositionelle Bürgermeister im Zuge von Terror- und Korruptionsermittlungen verhaftet, darunter der ehemalige Istanbuler Bürgermeister und Erdogan-Rivale Ekrem Imamoglu. Das löste Massenproteste aus.

Die EU hatte die Gerichtsentscheidung und andere Maßnahmen gegen Oppositionspolitiker scharf kritisiert, der deutsche Außenminister Johann Wadephul äußerte sich besorgt, auch mit Blick auf die angestrebte EU-Mitgliedschaft des Landes.

Nach Einschätzung der Türkei-Expertin Gönül Tol nähert sich die Türkei immer weiter einem System nach russischem Vorbild an, in dem der Machthaber die Opposition bestimmt. Erdogan sei sich bewusst darüber, dass er unter freien und fairen Bedingungen keine Wahlen mehr gewinnen könne. Er profitiere dabei zudem von einem internationalen Umfeld, in dem die Türkei vor dem Hintergrund der Kriege im Iran und der Ukraine an strategischer Bedeutung gewonnen habe. Kritik, vor allem von einer US-Regierung unter Donald Trump, sei kaum zu fürchten.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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