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Gewerbespeicher: „Mit Lastspitzenkappung kann ein Betrieb 50 Prozent der Stromkosten einsparen“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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Kampf gegen die teure Lastspitze„Mit Batteriespeicher können Betriebe 50 Prozent ihrer Stromkosten sparen“

25.05.2026, 07:05 Uhr Interview: Christian Herrmann und Clara Pfeffer
Blick-auf-einen-Batteriespeicher-der-Firma-EDF-Renewables-Deutschland-GmbH-mit-der-Aufschrift-15000-V-und-Hochspannung-Der-2024-installierte-Batteriespeicher-wird-in-Kooperation-mit-der-Hassender-Brauerei-GmbH-betrieben
Batteriespeicher sind werden günstiger und damit für viele Betriebe lukrativ. (Foto: picture alliance/dpa)

Für viele Unternehmen ist die finanzielle Schmerzgrenze nach zwei Energiekrisen erreicht. Ein bisheriges Nischenprodukt kann jedoch Abhilfe schaffen: Ein Batteriespeicher kann die Stromkosten um bis zu 50 Prozent im Jahr senken, sagt Lena Voss.. Die Münchnerin ist Mitgründerin des Speicher-Unternehmens Furo. Ihr zufolge ist für viele Betriebe die Lastspitze ein teures Problem. Das ist der Moment, in dem der Stromverbrauch sein Maximum erreicht. In diesen Momenten können Betriebe 1000 oder sogar 2000 Kilowatt zusätzlich verbrauchen. „In Baden-Württemberg werden für ein Kilowatt Strom teils mehr als 200 Euro fällig“, sagt Voss im Podcast „Das Klima-Labor von ntv“. Wird die Lastspitze gekappt, fällt die Stromrechnung. Voss ist überzeugt, dass künftig jedes größere Unternehmen einen Batteriespeicher benötigen wird. Sie warnt allerdings davor, die Wirtschaftlichkeit falsch zu berechnen. 

ntv.de: Warum haben Sie Ihr Unternehmen für Gewerbespeicher in Deutschland und nicht in den USA gegründet? In den USA soll Gründen doch viel einfacher sein.

Lena Voss: Wir haben alle an der TU München studiert und sind für Arbeit und Forschung in die USA gegangen. Gründen ist aber eine längerfristige Entscheidung. Wir sind Deutschland verbunden. Außerdem hat Europa einen der volatilsten Energiemärkte. Gerade in den Bereichen Gewerbe und Industrie bietet das Potenzial.

Volatil?

Anfang Mai gab es viele negative Strompreise, weil mehr Strom erzeugt als benötigt wurde. Der Norden erzeugt außerdem viel Windenergie, der Süden viel Solarenergie. Deshalb wird Strom durchs halbe Land geschickt.

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Lena Voss ist Mitgründerin des Münchner Startups Furo Energy. Das Unternehmen entwickelt Software für industrielle Batteriespeicher. (Foto: Furo Energy)

Das ist in den USA kein Problem?

Europa hat sich den erneuerbaren Energien viel mehr verpflichtet. Deutschland ist aus der Atomkraft ausgestiegen und will aus der Kohle raus. Im Strommix ist deutlich mehr grüner Strom drin. Deswegen ist die Stromerzeugung volatiler. Die Strompreise sind tendenziell auch höher als in den USA.

Dort können Sie weniger Geld verdienen?

Unternehmen in Texas müssen ihren Energieverbrauch bisher weniger optimieren und sich Gedanken machen, ob es effizienter geht. Die Strompreise sind so niedrig, manchmal wird nicht einmal das Licht ausgemacht. Das ist hierzulande anders. Speziell die deutsche Industrie leidet seit einigen Jahren unter hohen Strompreisen. Der muss man nicht erklären, warum Batteriespeicher die Energiekosten senken können.

Die Energiekrise ist Ihr Geschäftsmodell?

Uns hilft die Energiekrise nicht. Die Unternehmen halten sich seit Beginn des Iran-Kriegs mit Investitionen zurück, weil sie nicht genau wissen, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickeln wird.

Es gibt keine steigende Nachfrage wie in anderen Branchen?

Im Industriebereich ist es jedenfalls nicht so, dass plötzlich wie im privaten Bereich alle über eine eigene Solaranlage sprechen. Davon unabhängig steigt die Nachfrage aber seit Monaten konstant an. Wie erwähnt: Das Thema ist im Bewusstsein.

Sie haben ihr Unternehmen im vergangenen Jahr gegründet. Warum nicht früher?

Der Speichermarkt für Gewerbe und Industrie ist erst zwei oder drei Jahre alt. Vorher waren die Hardwarepreise für Batteriespeicher zu hoch. Die sind in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent gefallen. Gleichzeitig sind die Energiepreise teils exorbitant gestiegen.

Zwei Kurven haben sich in die jeweils richtige Richtung entwickelt?

Ja. Es ist keine technische Herausforderung mehr, Batteriespeicher zu bauen. Die Lieferketten sind wahnsinnig effizient. Auf der regulatorischen Seite tut sich ebenfalls viel. Anfangs haben Unternehmen eine Photovoltaikanlage installiert und Geld mit Einspeisevergütung verdient, wenn sie Solarstrom ins Netz gespeist haben. Negative Strompreise gab es kaum. Das ist inzwischen anders. Wenn die Strompreise negativ sind, muss die Solaranlage abgeregelt werden. Wenn man doch einspeist, verdient man nichts oder muss sogar zahlen. Das kann man sich zunutze machen.

Mit einem Batteriespeicher?

Richtig. Der erste Anwendungsfall ist die Optimierung des Eigenverbrauchs: Eine PV-Anlage erzeugt speziell in den Mittagsstunden Strom. Wie kann ich möglichst viel selbst verbrauchen? Inzwischen fragt man sich: Kann ich mit einem Speicher Netzentgelte vermeiden? Strom dann speichern, wenn er gar nichts kostet? Ins Netz einspeisen, wenn die Preise hoch sind? Das können sie. Aber dafür muss ein Industrieunternehmen wissen, wie groß der Speicher sein soll und auch, wie man ihn betreibt. Nur dann kann gesagt werden, ob sich der Speicher lohnt. Wer ihn nur zum Eigenverbrauch verwendet, hat Amortisationszeiten von 10 bis 15 Jahren. Das ist für ein Unternehmen nicht interessant.

Nicht? Unternehmen planen doch viel länger in die Zukunft.

Je häufiger man einen Speicher lädt und entlädt, desto schneller altert er. Im besten Fall hat er eine Lebenszeit von 15 Jahren. Wir versuchen deshalb, mit unseren Kunden bei Amortisationszeiten von unter fünf Jahren anzukommen. Dann können wir sagen: Diese Investition lohnt sich.

Was genau macht der Speicher im Alltag?

Sobald eine PV-Anlage vorhanden ist, kann man den Eigenverbrauch erhöhen. Das macht häufig aber nur den kleinsten Teil aus. Der größte Hebel ist die sogenannte Lastspitzen-Kappung: Wenn ich Strom aus dem Netz beziehe, muss ich ein Netzentgelt zahlen. Das bemisst sich einmal an der Strommenge, die ich beziehe, aber auch an der Leistung oder Last. In Deutschland gibt es sehr hohe Leistungspreise.

Die Last ist der Strom, den man jetzt in diesem Moment bezieht?

Genau. Legt man den Stromverbrauch über eine Zeitachse, sieht man manchmal große Ausreißer. Das ist die Lastspitze. Die tritt etwa nach einem Stromausfall ein, wenn alle Maschinen gleichzeitig anspringen. In diesen Momenten wird enorm viel Energie aus dem Netz abgefragt. Dafür muss man einen Leistungspreis zahlen, auch wenn die Lastspitze nur ein einziges Mal im Jahr auftritt. Wenn man diese Lastspitze kappt, kann man 40 oder sogar 50 Prozent der Stromkosten einsparen.

40 bis 50 Prozent?

Ja. Gerade Baden-Württemberg hat hohe Leistungspreise. Dort werden teils mehr als 200 Euro pro Kilowatt fällig. Die Lastspitze kann bei Betrieben aber eine Höhe von 1000 oder sogar 2000 Kilowatt erreichen. Setzt man den Batteriespeicher also nur 15 Minuten im Jahr so ein, um diese Lastspitze zu kappen, spart man viel Geld.

Batteriespeicher sind eher für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch spannend?

Wir meinen mit „Gewerbe und Industrie“ Unternehmen, die mehr als 100.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchen. Zu unseren Kunden gehören Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Metallverarbeitung, aber auch Supermärkte und Autohäuser. Wir arbeiten auch mit einem Recyclingunternehmen zusammen, das mehrere kleinere Standorte hat. Die Spannbreite ist weit – auch bei den Speichergrößen, die eingesetzt werden können. Wir glauben, dass in Zukunft jedes Unternehmen einen Speicher benötigen wird.

Und diese Unternehmen kommen auf Sie zu und sagen: Ich möchte einen Batteriespeicher haben.

Zum Teil. Dann machen wir Potenzialanalysen und schauen, wie hoch der Stromverbrauch und die Stromkosten sind und wie viel Strom am Standort erzeugt wird. Daraus können wir ableiten, wie wirtschaftlich ein Batteriespeicher wäre.

Und dabei werden die Lastspitzen entdeckt?

Oder dass der Verbrauch vor allem am Morgen und in den Abendstunden stattfindet. Dann kann man den Batteriespeicher in den Mittagsstunden, wenn der Strompreis durch die Solaranlage niedrig ist, vollladen. In den Abendstunden wird dieser Strom für den Betrieb genutzt. In der Regel arbeiten wir aber mit Installateuren, Projektentwicklern, Speicherherstellern oder auch Stadtwerken zusammen. Das sind oft die ersten Ansprechpartner von Industrieunternehmen. Einfach, weil man sich kennt. Die nutzen unsere Softwarelösungen, um den Batteriespeicher zu planen und ihn anschließend zu betreiben.

Der Installateur kann ohne Ihre Software nicht einschätzen, ob dieses oder jenes Unternehmen einen Batteriespeicher braucht?

Das haben einige in der Vergangenheit mit Modellen in Excel-Dateien versucht und schnell gemerkt, dass sie an ihre Grenzen kommen. Excel kann die Komplexität von Energiemärkten schlicht nicht modellieren. Unsere Software ist darauf programmiert, mathematische Optimierungsprobleme zu lösen. Die schaut sich für jeden Zeitpunkt an, was der Speicher je in diesem Moment machen müsste, um den Eigenverbrauch zu optimieren oder die Lastspitze zu kappen. Das schafft kein Excel-Modell. Und das gilt nicht nur für die Planung, sondern auch für den laufenden Betrieb: Der Stromverbrauch schwankt, das Wetter ändert sich und damit auch die Strompreise. Unsere Software berechnet 24 bis 48 Stunden im Voraus, wie der Speicher fahren muss, damit unsere Kunden am Ende das sparen, was ihnen versprochen wurde.

Wie groß ist der Handlungsbedarf?

Viele Unternehmen haben den Betrieb ihrer Maschinen bereits mit der Stromerzeugung der eigenen PV-Anlage abgestimmt, sodass sie möglichst geringe Kosten verursachen. Der Speicher ist häufig das letzte Instrument, um das Maximum herauszuholen oder um kurzfristige Entwicklungen wie Lastspitzen oder Strompreisspitzen anzugehen. Einen Schmelzofen kann man eben nicht so schnell ein- und ausschalten, wie sich die Preise am Markt ändern. Das kann ein Batteriespeicher abfedern.

Wie offen stehen Unternehmen diesen Angeboten gegenüber?

Es beschäftigen sich wirklich sehr viele Unternehmen mit Batteriespeichern. Das merken wir an den Anfragen. Es werden mehr. Den Nutzen von Eigenverbrauchsoptimierung und Lastspitzen-Kappung kann man auch gut erklären. Das ist klar kalkulierbar. Dem Arbitragegeschäft stehen Unternehmen skeptischer gegenüber: Mit Speicher und dynamischem Stromtarif kann man Strom handeln und mit der Differenz von besonders niedrigen oder sogar negativen und hohen Strompreisen Geld verdienen, wenn man in den richtigen Momenten einspeist und ausspeist.

Haben die Unternehmen Angst, dass der Speicher im realen Betrieb nicht anspringt und sie plötzlich Strom für 80 Cent je Kilowattstunde beziehen?

Und vor der Frage: Lädt der Speicher wirklich, wenn die Strompreise negativ sind? In dem Bereich müssen wir noch viel erklären. Aber auch dort gibt es bereits einige Unternehmen, die sehr fit sind.

Mit Lena Voss sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespräch wurde zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet. Das komplette Gespräch können Sie sich im Podcast „Das Klima-Labor von ntv“ anhören.

Quelle: ntv.de

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