Nach dem schweren Zusammenstoß zwischen einem Schulbus und einem Zug in Belgien haben die Untersuchungen begonnen. Offenbar hat der Bus die Schranke am Bahnübergang durchbrochen.
Die belgische Bahngesellschaft SNCB spricht vom schwersten Unfall an einem Bahnübergang in der Geschichte. Und es ist einer, der viele Fragen aufwirft.
„Das menschliche Leid ist besonders groß nach diesem Unfall“, sagt Staatsanwaltschaftssprecherin Lisa De Wilde. Vier Menschen seien gestorben: der 49-jährige Busfahrer, ein 27-jähriger Begleiter und zwei Kinder im Alter von zwölf und 15 Jahren. Ein Verfahren zur Untersuchung des Unfalls sei eingeleitet worden.
Heftiger Aufprall trotz Notbremsung
Denn wie es dazu kommen konnte, dass am Morgen um kurz nach acht der Schulbus in der ostflämischen Stadt Buggenhout von einem Zug erfasst wurde, ist unklar.
Der Zug sei aus Brügge gekommen und mit rund 120 Kilometern pro Stunde bereits in der Anfahrt auf den Bahnhof von Buggenhout, sagte Thomas Baeken vom Eisenbahnnetzbetreiber INFRABEL. „Der Zug bremste zuvor schon, doch trotz einer Notbremsung des Zugführers war der Aufprall äußerst heftig.“
Insgesamt neun Menschen saßen in dem weißen Bus, der eher so groß wie ein Van war und durch die Kollision mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde.
Bundespolizei: Bus hat Bahnschranke durchbrochen
„Die genauen Umstände des Unfalls werden noch untersucht“, kündigte Baeken an. Dem Bahnnetzbetreiber lägen Bilder einer technischen Kamera am Übergang vor. „Darauf sieht man, dass die Schlagbäume herabgelassen waren und die Lichter auf Rot standen.“
Baeken versichert im Namen von INFRABEL, dass der Bahnübergang ordnungsgemäß funktioniert habe. Laut belgischer Bundespolizei hat der Busfahrer die Bahnschranke durchbrochen. Eine Überwachungskamera zeige, dass der Bus noch fuhr, als der Zug ihn traf.
Fünf Kinder im Krankenhaus
Die Ermittlungen dazu laufen also. Zuallererst gehe es nun aber um die Gesundheit der fünf weiteren Kinder, die im Schulbus saßen. Sie wurden teils schwer verletzt in Krankenhäuser in der Umgebung gebracht, sagte der Bürgermeister von Buggenhout, Geert Hermans.
„Wir als Gemeinde sind tief getroffen“, betonte er. „Unsere ersten Sorgen richten sich auf die Unfallopfer, die ihnen Nahestehenden und die Familienmitglieder.“ Das habe absolute Priorität.
Die rund 100 Fahrgäste im Zug blieben weitgehend unverletzt, mussten aber auch vor Ort versorgt werden. Eine Person stehe unter Schock, heißt es.
„Heute trauert ganz Europa“
Beileidsbekundungen und Anteilnahme kommen nun von allerorten – aus Politik und Gesellschaft – in Belgien und inzwischen auch weit darüber hinaus.
Die Sprecherin von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, Paula Pinho, erklärte: „Heute trauert ganz Europa mit Belgien.“ Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke spricht von einem „schrecklichen Drama“. Sein Ministerium sei dabei, ein Zentrum zur psychosozialen Unterstützung für die Opfer, ihre Familien, Hilfskräfte sowie andere Betroffene anzubieten.

