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Startseite»Nachrichten»„Krieg der Sterne“ ist eröffnet: Das „Mäuschen“ zeigt Zähne: Wie Kimi Antonelli sein Mercedes-Revier markiert
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„Krieg der Sterne“ ist eröffnet: Das „Mäuschen“ zeigt Zähne: Wie Kimi Antonelli sein Mercedes-Revier markiert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 26, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Krieg der Sterne“ ist eröffnetDas „Mäuschen“ zeigt Zähne: Wie Kimi Antonelli sein Mercedes-Revier markiert

26.05.2026, 19:03 Uhr

Von Martin Armbruster
Die-erfolgreichsten-Formel-1-Piloten-im-Feld-huldigen-dem-Teeanager
Auf den Schultern der Formel-1-Riesen Lewis Hamilton (l.) und Max Verstappen sitzt es sich gut: Kimi Antonelli ist im Begriff, selbst ein Großer zu werden.

Mit Kimi Antonelli hat zurzeit ein Teenager die Formel 1 im Griff, den im Fahrerlager eigentlich alle mögen. Doch das nette Gesicht sollte nicht täuschen. In Kanada zeigt die „Maus“ ihre Beißer und knabbert Mercedes-Boss Toto Wolff gehörig am Nervenkostüm.

Was Andrea Kimi Antonelli in der Formel 1 auch anstellt, wie viele Rennen, womöglich gar Titel der Junge aus Bologna gewinnt -, „er wird immer meine kleine Maus bleiben.“, hat Veronica Antonelli einmal in einem Interview gesagt. Na klar: Mütterliche Liebe ist ewig und die Beziehung italienischer Söhne zu ihrer Mamma vielleicht noch einen Tick spezieller als in anderen Ländern.

Wenn Kimi Antonelli im Formel-1-Cockpit eine Maus sein soll, dann ist er allerdings eine im Katzenfell. Beim Großen Preis von Kanada hat der 19-Jährige die Zähne gefletscht und zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere so richtig die Krallen ausgefahren. Im Mercedes-Duell mit seinem Stallrivalen George Russell zeigte er eine Eigenschaft, die als conditio sine qua non für einen großen Fahrer gilt: beinharter Egoismus. Schon im Sprintrennen am Samstag gab Antonelli im Zweikampf gegen den viel erfahreneren Russell keinen Zentimeter nach. Dass er bei dem 100-Kilometer-Quickie das Nachsehen hatte, darf in der Rückschau des Wochenendes als nebensächlich gelten. Antonelli hat bei den Silberpfeilen sein Revier markiert.

Als eine harte Attacke auf den Garagen-Nachbarn verpuffte – Antonelli musste über Kerbs und Graus ausweichen, um einen Crash zu verhindern – polterte der Teenager im Team-Radio los. „Das war sehr mies“, ätzte Antonelli und forderte vor aller Ohren Welt eine Strafe gegen Russell. Die Versuche seines Renningenieurs, Antonelli zu beruhigen, liefen ins Leere. „Mir egal“, erwiderte er. Teamchef Toto Wolff sah sich genötigt, ein Machtwort zu sprechen. „Kimi, konzentriere dich aufs Fahren, nicht auf das Jammern am Funk“, gab der Österreicher durch. Alles andere werde man „intern“ besprechen.

Antonelli sticht in Russells Selbstverständnis

Was die Silbernen besprochen haben, ist ihr Betriebsgeheimnis. Antonelli präsentierte sich am Rennsonntag jedenfalls keinen Deut angriffsunlustiger. 30 Runden lang lieferte er sich mit dem Briten ein Duell, das die Formel 1 im Jahr 2026 endlich mal positiv elektrisierte. Batterie-Management ja, aber eben auch packendes Wheel-to-Wheel-Racing. Trotz freier Fahrt gelang es Russell nicht, den störrischen Antonelli abzuhängen. Der Jungspund hetzte seinen arrivierten Teamrivalen gnadenlos über den Circuit Gilles Villeneuve – „und das so unerbittlich, bis das Auto des Briten zur Rennhalbzeit schließlich den Geist aufgab“, wie die spanische Zeitung „Sport“ kommentierte. Das ist sicher etwas zu dick aufgetragen sein, schließlich zeigte Russell ebenfalls eine tadellose Leistung, der „brutale Rückschlag“ (so „The Telegraph“) war rein technischer Natur. Klar ist aber: Das Wochenende von Montreal ist für den Engländer ein Stich ins Selbstverständnis.

Spätestens jetzt ist offensichtlich, dass Russell in Antonelli nicht nur ein blitzschneller Gegner erwachsen ist, sondern auch ein bissiger. Einer, der tut, was Champions genauso tun wie Mäuse: zubeißen, wenn ein Stück Speck vor der Nase baumelt und nicht in die Falle tappen. Im Sprint verlor Antonelli trotz seiner erfolglosen Attacken nicht die Nerven. Im Rennen war er voll auf der Höhe und sagte Grazie als das Schicksal Russell traf. Mit dem vierten Grand-Prix-Sieg in Serie baute Antonelli seine WM-Führung auf 43 Punkte vor Russell auf. Er verlor in Montreal zwar die Sprint-Schlacht, aber er gewann den „Krieg“ der Mercedes-Sterne.

Verstappen-Vergleich hinkt nicht mehr

RTL-Reporter Felix Görner adelte den 19-Jährigen in seiner sport.de-Kolumne sogleich zum „jungen Max Verstappen“, einem „Formel-1-Killer mit einem Kindergesicht“, der Dinge „instinktiv richtig macht“. Der Vergleich mit dem Superstar begleitet Antonelli seit seinem F1-Einstieg im Vorjahr – jetzt hinkt er erstmals nicht. Denn zunächst wurde Antonelli den Vorschusslorbeeren seines Förderers Wolff, ein „Jahrhunderttalent“ zu sein, nur bedingt gerecht. Gewiss: Er fuhr eine ordentliche Premierensaison, stand bei Mercedes aber überdeutlich in Russells Schatten. Der Brite fuhr dem Rookie 2025 in Qualifying und Rennen um die Ohren, hatte nach 24 Grands Prix 169 (!) Punkte mehr auf dem Konto. Wie Verstappen, der 2015 als 17-Jähriger debütiert hatte, schlug Antonelli in der Rennsport-Königsklasse nicht ein.

Als Russell den Saisonauftakt in Melbourne souverän gewann, schien eine selbsterfüllende Prophezeiung einzutreten. Viele F1-Größen, darunter Niki Lauda, hatten den beeindruckend effizienten Piloten stets als kommenden Champion geadelt, wenn er nur im richtigen Auto säße. Das ist dieses Jahr der Fall. Und neben Russell könne Antonelli ja weiter reifen und vielleicht doch noch eine Art Verstappen werden, hieß es. Dessen Kaltschnäuzigkeit und berüchtigte Rennhärte sprachen dem Italiener die meisten Beobachter noch ab. Doch dann fing Antonelli an zu gewinnen. China, Japan, Miami, Kanada. Der „Corriere della Sera“ hörte in Montreal gar eine „vierte Symphonie“, ein „Meisterwerk“ aus „Persönlichkeit, Aggressivität und Intelligenz“. Antonelli werde „immer stärker, schneller, unaufhaltsam“, jubilierte „La Stampa“. Der Sir-hafte Russell hat auf einmal einen Kontrahenten im Stall, der nett sein mag, den im Fahrerlager – anders als Verstappen – eigentlich jeder sympathisch findet -, der aber rasend schnell lernt und nicht lange gebraucht hat, um sein Ego-Gen zu offenbaren.

Toto Wolff muss wieder Star Wars gucken

Für Silberpfeil-Häuptling Toto Wolff heißt es dank Antonelli „Zurück in die Zukunft“. Jahrelang hatte er nach dem erbitterten Mercedes-Duell zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg (2013 bis 2016) seine Ruhe. Der chancenlose Rosberg-Nachfolger Valtteri Bottas spielte brav die Nummer zwei, auch zwischen dem absteigenden Hamilton und dem aufstrebenden Russell gab es nicht wirklich Stunk. Vielleicht rechnete Wolff damit, dass Antonelli noch Zeit braucht, ehe er dem zum Teamleader aufgestiegenen 28-jährigen Russell gefährlich wird. Es geht alles viel schneller. Antonelli kommt mit den Autos der neuen Ära blendend zurecht, beherrscht das Spiel aus Vollgas und Batterieladen wie ein alter Hase. Der „Krieg der Sterne“ ist eröffnet. Im Sprint von Montreal bekam Wolff einen ersten Eindruck, wie sein junger Padavan tickt.

„Antonelli ist der Sternenkrieger Nummer 1, der das Ziel hat, der jüngste Formel-1-Weltmeister in diesem Jahr zu werden. Und der sich auch von Toto Wolff wenig bis gar nichts in den entscheidenden Momenten sagen lässt. Antonelli ist der, der mit dem Wolff tanzt“, bilanzierte sport.de-Kolumnist Görner. „La Repubblica“ titelte: „Star Wars, zweite Episode: Kimi gegen George. Der Bruderkrieg im Hause Mercedes versetzt die gesamte Formel 1 in Aufruhr.“

Während Wolff sich wieder ein dickes Nervenfell wachsen lassen muss, sprießen in Italien Sehnsüchte in den Feldern der Fantasie. Seit Alberto Ascari 1953 (!) wartet die Motorsport-Großmacht auf einen Fahrer-Weltmeister. Antonelli hat die große Chance, diese unerhörte Durststrecke zu beenden. Und natürlich träumen die Tifosi längst davon, dass Mamma Veronicas „Topolino“ (das Mäuschen) eines Tages in Ferrari-Rot fährt.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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