Weltweit feiern Muslime heute Eid al-Adha – das islamische Opferfest. In Marokko kann die Tradition – anders als im vergangenen Jahr – wieder begangen werden. Dank Millionen von Schafen.
Dicht gedrängt im Schatten eines Hauses hinter einer kleinen Hecke aus Zweigen stehen die Schafe von Mustafa. Sie kauen ganz ruhig an Grashalmen und warten auf ihre Käufer. 100 Tiere hat der Viehzüchter mit einem kleinen Laster aus den marokkanischen Bergen im Landesinneren hierher an die Küste gebracht. Er packt eines der Tiere an den Hörnern und hält es fest. „Dieses hier, das kostet circa 2.500 Dirham“, sagt Mustafa. Das entspricht etwa 250 Euro.
Bis zum islamischen Opferfest Eid al-Adha hat er alle verkauft, ist er sich sicher. Die Leute hier an der Küste liebten sein qualitativ hochwertiges Fleisch aus den Bergen, meint der 41-Jährige. Wenn Eid al-Adha bevorstehe, „dann rufen unsere Kunden schon an, wann wir kommen. Und dann lassen wir sie nicht im Stich.“
Und die Fahrt lohnt sich: Der Verkauf der Schafe für das Opferfest macht quasi sein Jahresgehalt aus. Davon muss er wieder Futter und Medizin für die Tiere und seinen Lebensunterhalt bezahlen.
Zu geringer Tierbestand im vergangenen Jahr
In ganz Marokko sind die Menschen froh, dass dieses Jahr nicht auf das Opferfest verzichtet werden muss. So wie im vergangenen Jahr, als der König es wegen der Trockenheit verboten hatte.
Auch Zara freut sich darüber. Sie sucht auf einem Schafmarkt in der Wüstenstadt Jorf nach einem passenden Tier. „Wir sind zu dritt in der Familie. Gott sei Dank ist es besser als im letzten Jahr. Es gibt reichlich Futter für das Vieh“, sagt sie.
Der Tierbestand hat sich erholt. Für die marokkanische Regierung ist das eine Staatsangelegenheit. So verkündete der Regierungschef Aziz Akhannouch persönlich, es gebe einen Bestand von etwa 33 Millionen Tieren. „Es können sogar 40 Millionen Schafe werden. Ein Rekord, den es so vorher in Marokko noch nie gab. Wir haben eine hohe Produktion“, so der Regierungschef.
Im vergangenen Jahr mussten Muslime in Marokko auf das Opfer verzichten. Aufgrund von Trockenheit gab es zu wenig Tiere.
Ein Fest des Teilens mit religiösem Hintergrund
Das Schächten eines Tieres anlässlich des Opferfestes hat für das islamische Land eine große Bedeutung und einen religiösen Hintergrund. So ist im Islam nur wirklich ein Muslim, wer diese Tradition befolgt. „Demnach sollte Ibrahim seinen Sohn opfern – und gläubige Muslime glauben, dass laut Koran Gott ihm stattdessen ein Schaf vom Himmel schickte. Dann opferte er das Schaf. Und seither ist es zur Tradition geworden“, erklärt der Soziologe Rachid Touhtou.
Es ist aber auch ein Fest des Teilens und der Familie. Viele fahren auf’s Land. Die Städte sind wie leergefegt. Alle Geschäfte, Restaurants, Banken haben geschlossen.
Weltweit ein Höhepunkt für Muslime
An den Zauber dieser Tage erinnert sich auch Side Muh Quadiri noch sehr gut. Als die ganze Familie im Süden Marokkos zusammenkam. Er ist vor mehr als 30 Jahren von Marokko nach Deutschland ausgewandert. „Es war ganz besonders schön, wenn es im Sommer stattgefunden hat. Wir waren auf Dächern, mit Petroleumlampen und das sind Erinnerungen, die für mich ganz besonders schön sind. Das war ein Highlight für uns“, erzählt er.
Ein Highlight ist es heute für viele Millionen muslimische Menschen auf der ganzen Welt. Ob für Sidi Quadiri in Wuppertal, für Rachid in Rabat, Zara in Jorf oder Mustafa aus den Bergen Marokkos. Für sie alle heißt es heute Eid Mubarak – der traditionelle Gruß zum Opferfest.
