Wer lange genug durch Facebook scrollt, kennt das Spiel inzwischen fast auswendig. Ein angeblicher Sohn arbeitet plötzlich bei Aldi oder irgendeiner anderen Firma. Dann verrät er „etwas, das fast niemand weiß“. Und wie durch ein Wunder bekommen Menschen über 40 oder 60 plötzlich Fleischpakete, Motorräder oder Werkzeugschränke fast geschenkt.
Der Statusbeitrag als Wortlaut:
ENGLISH: My son works at Aldi and told me about something almost nobody knows. To be honest, I thought he was joking at first. If you’re over 60, you can get a meat box from Aldi for under $10. Sounds crazy, but it actually worked. They’re clearing out excess stock and, instead of throwing it away, they’re basically letting people have it for next to nothing. All I did was fill out a short form , I left the link in the comments in case it’s useful to anyone. I signed up for my husband (he’s 64 and loves a good steak), and when the box arrived, he opened it like it was his birthday. Everything looked fresh, neatly packed, and honestly there was more inside than we expected. It took me about a minute to fill out the form. If you’re over 60, definitely give it a go , worst case you lose a minute, best case you get a great box of meat almost for free
DEUTSCH: Mein Sohn arbeitet beim Aldi und hat mir von etwas erzählt, das fast niemand weiß. Um ehrlich zu sein, dachte ich zuerst, er macht Witze. Wenn du über 60 bist, kannst du für unter 10 $ eine Fleischbox vom Aldi bekommen. Klingt verrückt, aber es hat tatsächlich geklappt. Sie räumen überschüssige Lagerbestände aus und anstatt sie wegzuwerfen, lassen sie den Leuten im Grunde fast nichts. Alles, was ich getan habe, war ein kurzes Formular auszufüllen, ich habe den Link in den Kommentaren hinterlassen, falls es für jemanden nützlich ist. Ich habe mich für meinen Mann angemeldet (er ist 64 und liebt ein gutes Steak), und als die Box kam, öffnete er sie, als wäre es sein Geburtstag. Alles sah frisch aus, ordentlich verpackt und ehrlich gesagt war mehr drin als erwartet. Ich habe ungefähr eine Minute gebraucht, um das Formular auszufüllen. Wenn du über 60 bist, probier es unbedingt aus, im schlimmsten Fall verlierst du eine Minute, im besten Fall bekommst du eine tolle Kiste Fleisch fast gratis
Praktisch. Offenbar lösen Unternehmen ihre Lagerprobleme neuerdings bevorzugt über Facebook-Kommentare von Profilen mit KI-Gesichtern und Texten aus der Kategorie „Quelle: Vertrau mir“.
Die Antwort ist allerdings deutlich weniger spektakulär.
Die Beiträge sind Teil einer bekannten Social-Media-Masche. Aktuell macht diese Variante vor allem im englischsprachigen Raum die Runde. Aus Erfahrung seit 2011 wissen wir bei Mimikama allerdings: Solche Köder brauchen selten lange, bis sie übersetzt, angepasst und auch im deutschsprachigen Raum ausgespielt werden.
Sie nutzen emotionale Geschichten, angebliche Insiderinformationen und erfundene Sonderaktionen, um Nutzer auf externe Webseiten zu locken. Dort geht es häufig um Datensammlung, Affiliate-Links oder dubiose Gewinnspielseiten.
Die Masche wandert weiter
Noch wirken viele Beispiele englischsprachig. Das ist aber kein Entwarnungsschild, sondern eher die Vorankündigung mit Untertiteln. Solche Beiträge werden kopiert, maschinell übersetzt und mit bekannten Markennamen neu zusammengesetzt.
Genau so entstehen dann deutschsprachige Varianten: aus „my son works at Aldi“ wird „mein Sohn arbeitet bei Aldi“. Aus einem fragwürdigen Link wird ein neuer Kurzlink. Und aus einer alten Masche wird plötzlich ein angeblich frischer Geheimtipp.
Wenn eine Betrugsmasche erst noch übersetzt werden muss, macht sie das nicht harmlos. Sie ist nur kurz im Sprachkurs.
Die Texte sind fast identisch
Auffällig ist zunächst der immer gleiche Aufbau.
„Mein Sohn arbeitet bei …“ „Ich dachte zuerst, er macht Witze …“ „Wenn du über 40 oder 60 bist …“ „Link in den Kommentaren …“
Nur Firma und Produkt wechseln. Mal ist es eine Aldi-Fleischpaket, dann ein KTM-Motorrad für 9,95 Dollar, danach ein Werkzeugwagen oder eine Keksbox.
Das ist kein Zufall. Solche Beiträge werden massenhaft kopiert, übersetzt und mit neuen Bildern versehen. Oft stammen die Fotos aus echten Produktaufnahmen, Werbebildern oder KI-generierten Bildern.
Wenn ein angeblicher Geheimtipp gleichzeitig bei Aldi, Costco, Harbor Freight und Crumbl Cookies auftaucht, ist das kein exklusiver Insiderhandel mehr. Dann ist eher die Copy-Paste-Taste im Dauereinsatz.
Die Links führen zu fragwürdigen Seiten
Der eigentliche Zweck solcher Beiträge steckt meist im Link.
Nutzer sollen klicken, persönliche Daten eingeben oder an fragwürdigen Umfragen teilnehmen. Teilweise landen sie auf Webseiten voller Werbung, Affiliate-Links oder Gewinnspielmasken.
Manche Seiten verlangen später Versandkosten, Kreditkartendaten oder Registrierungen für angebliche Testprogramme. Andere sammeln schlicht Daten für Werbung oder weitere Spamkampagnen.
Die eigentliche Ware ist hier oft nicht das Fleischpaket. Sondern der Klick des Nutzers.
Die Bilder wirken absichtlich glaubwürdig
Die Beiträge arbeiten gezielt mit vertrauten Motiven. Kartons mit Logos. Kassenbons. Produktfotos. Menschen mittleren oder höheren Alters.
Dadurch soll Authentizität erzeugt werden. Viele Bilder wirken allerdings auffällig künstlich oder unlogisch. Manche Quittungen passen nicht zu den Produkten. Andere Fotos zeigen unrealistische Preise oder merkwürdige Details.
Vor allem die immer gleiche Dramaturgie fällt auf: überraschte Person, sensationeller Preis, geheimnisvoller Link.
Zusätzlich zeigen manche Bilder deutliche Hinweise auf KI-Erstellung. Bei einzelnen Motiven schlagen KI-Erkennungstools wie Hive Detection mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf künstlich generierte Bilder an. Das beweist zwar nicht automatisch jeden Betrugsversuch, passt aber auffällig gut zum Muster dieser Beiträge.
Wenn der angebliche Insiderbericht aussieht wie ein KI-generiertes Werbefoto, wird die Beweislage nicht gerade stabiler. Das Internet hat offenbar beschlossen, dass jede Verschwörung mit einem unscharfen Kassenzettel glaubwürdiger aussieht.
Fazit
Die Facebook-Beiträge über angebliche Aldi-Fleischpakete, Billig-Motorräder oder geheime Sonderaktionen sind nicht glaubwürdig. Sie nutzen immer gleiche Textvorlagen und emotionale Geschichten, um Nutzer zum Klicken zu bringen.
Die Masche lebt davon, seriös auszusehen, ohne seriöse Belege zu liefern. Ein Karton mit Firmenlogo ersetzt keine Quelle. Und ein Facebook-Post mit „Mein Sohn arbeitet dort“ ist noch lange keine Unternehmensmeldung.
Manchmal ist die langweilige Erklärung leider auch die richtige: Es handelt sich schlicht um Engagement-Farming und Klickköder.
FAQ zum Thema: Aldi-Fleischpaket auf Facebook
Gibt es wirklich kostenlose Aldi-Fleischpaketen für Senioren?
Nein. Für solche Aktionen gibt es keine offiziellen Nachweise von Aldi. Die Behauptungen stammen aus Facebook-Posts mit typischen Merkmalen von Klickfallen.
Warum tauchen dieselben Texte bei verschiedenen Firmen auf?
Weil die Beiträge nach einem festen Muster kopiert werden. Nur Firmenname, Alter oder Produkt werden ausgetauscht.
Sind die Bilder in den Posts echt?
Teilweise stammen sie aus echten Produktfotos, teilweise wirken sie bearbeitet oder KI-generiert. Die Bilder allein beweisen keine echte Aktion.
Was passiert nach dem Klick auf den Link?
Oft landen Nutzer auf fragwürdigen Webseiten, Gewinnspielen oder Datensammlungen. Manche Seiten versuchen zusätzlich, Registrierungen oder Zahlungen auszulösen.
Woran erkennt man solche Facebook-Maschen?
Warnsignale sind emotionale Geschichten, angebliche Geheimtipps, unrealistische Preise und fehlende offizielle Quellen. Auch Formulierungen wie „fast niemand weiß das“ oder „Link in den Kommentaren“ sind typisch.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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