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Politik

Kann der Inlandstourismus der deutschen Wirtschaft helfen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 31, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 31.05.2026 • 09:37 Uhr

Der Inlandstourismus boomt. Investoren setzen auf Ferienparks in Deutschland, wovon nicht nur Einzelhändler und Restaurants profitieren. Hilft das im Konjunkturtief?

Von Inga Thiede und Dirk Bitzer, WDR

Alleine im März 2026 stieg die Zahl der gebuchten Übernachtungen in Deutschland um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden durch den Tourismus Umsätze von über 390 Milliarden Euro im vergangenen Jahr generiert. Rekordzahlen – aber ist das eine tragfähige Zukunft für Deutschland?

Denn Jobs im Tourismussektor sind in der Regel schlechter bezahlt als Industriearbeitsplätze. Dennoch ist der Tourismus für viele Regionen mittlerweile die einzige Hoffnung auf eine tragfähige wirtschaftliche Entwicklung.

Dänisches Unternehmen baut Ferienpark am Niederrhein

Zum Beispiel in der Stadt Rees am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen): Hier baut ein dänisches Unternehmen einen großen Ferienpark am Reeser Meer, einem ehemaligen Kiessee. Insgesamt 3.500 Betten sollen entstehen. Die Hoffnung des Bürgermeisters Sebastian Hense: Die Übernachtungszahlen und damit die zahlenden Gäste sollen sprunghaft ansteigen, wenn das Resort erst einmal in ein paar Jahren in vollem Betrieb ist.

Damit soll die Gewerbesteuer deutlich steigen und der Einzelhandel in der Stadt profitieren – und die Bevölkerung ebenfalls, denn die neue Strandbar und das Schwimmbad werden auch den Einheimischen offen stehen.

Menschen machen mehr Nahurlaub

Sein Optimismus, dass der Ferienpark Gäste anziehen und die Region beleben wird, ist berechtigt, sagt Susanne Leder von der Fachhochschule Südwestfalen. Die Tourismusexpertin sieht den Inlandstourismus als einen wichtigen Wachstumsfaktor für die deutsche Wirtschaft. In Zeiten von Klimawandel, steigenden Energiekosten und internationalen Krisen würden sich mehr Menschen darauf besinnen, im Nahbereich Urlaub zu machen.

Davon profitieren nicht nur Einzelhandel und Restaurants, sondern auch Handwerksbetriebe wie der Holzbaubetrieb von Hendrik Lensing. Das Bocholter Unternehmen baut die Holzhäuser für den dänischen Investor – eines der größten Projekte, das das Unternehmen jemals hatte. Auch Zimmermann Marco Stief ist glücklich über den Auftrag: Es lasse ihn gut schlafen, dass er wisse, dass sein Arbeitsplatz für die kommenden Jahre gesichert sei.

Ferienpark am Dümmer See ist beispielhaft

Welche Wirkung solche Ferienparks haben können, sieht man bereits am Dümmer See in der Nähe von Osnabrück in Niedersachsen. Hier betreibt das dänische Unternehmen Marissa bereits seit ein paar Jahren so ein Resort. An Feiertagen wie Pfingsten ist es ausgebucht. Das Verhältnis von Touristen zu Einwohnern ist dadurch in der Gemeinde mittlerweile so hoch wie auf der Nordseeinsel Norderney, erzählt Samtgemeindebürgermeister Lars Mentrup voller Stolz.

Der Tourismus schafft hier Arbeitsplätze: So hat der in diesem Jahr neu aufgemachte Eisladen Ufergold mehr als zehn Festangestellte und rund 20 Minijobber eingestellt.

Und auch der Edeka im benachbarten Lemförde, wo sich viele der Urlauber mit Lebensmitteln eindecken, hat in den vergangenen Jahren 30 neue Mitarbeiter dazu gewinnen müssen, um dem Ansturm gerade in Ferienzeiten gewachsen zu sein. Allerdings, so Inhaber Michael Hartmann: Auch ihm ist bewusst, solche Gehälter wie in der Industrie werden im Einzelhandel nicht gezahlt.

Grundstückspreise sind gestiegen

Dafür, so Tourismusforscherin Leder, seien es sichere Arbeitsplätze. Denn Dienstleistungsjobs können nicht ins Ausland verlagert werden.

Neben den niedrigeren Gehältern gibt es allerdings noch weitere Schattenseiten: In der Gemeinde Lembruch sind seit dem Bestehen des Ferienparks die Grundstückspreise um 20 bis 25 Prozent gestiegen, so Samtgemeindebürgermeister Mentrup. Und die wachsende Zahl von Touristen sorge dafür, dass manche Einheimische sich am Wochenende schon nicht mehr an „ihren“ See trauen.

Ärger um Instagram-Foto

Noch ist der Dümmer See weit vom Overtourism wie in Venedig oder Barcelona entfernt, dass es aber zu viel werden kann mit den Touristen, hat die Gemeinde Berchtesgaden (Bayern) erfahren. Dort musste ein Waldabschnitt mit einem Wasserfall als Vegetationsschutzgebiet gesperrt werden.

Hintergrund: Ein von einer Influencerin gepostetes Foto sorgte dafür, dass in der Folge täglich rund 400 Menschen zum dem Wasserfall pilgerten – nur fürs Foto. Viele zertrampelten aber die Natur und hinterließen ihren Müll.

Ärgerlich vor allem: Viele der Instagram-Nutzer kamen nur für den Tag, übernachteten nicht dort und brachten somit vermutlich nicht einmal nennenswert Geld in die Region, erzählt Carolin Scheiter vom Nationalpark Berchtesgaden.

Tourismusjobs bieten gewisse Sicherheit

Die Herausforderung der Zukunft wird sein, solche Touristenströme zu steuern, so Expertin Leder – damit Natur und Menschen in den Urlaubsregionen nicht überfordert werden.

In Zeiten von wegfallenden Arbeitsplätzen in der Industrie bieten Jobs im Tourismus immerhin eine gewisse Sicherheit. Die derzeit in großem Stil wegfallenden Arbeitsplätze in der Industrie können sie aber bei Weitem nicht ersetzen, so Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

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Dr. Heinrich Krämer
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