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Erneutes Debakel für Initiatoren: Hamburger stimmen gegen Olympia-Bewerbung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Erneutes Debakel für InitiatorenHamburger stimmen gegen Olympia-Bewerbung

Das Nein übertrumpft das Ja. (Foto: picture alliance/dpa)

Schon vor Ende der Auszählung steht fest: Hamburg wird die Olympischen Spiele nicht ausrichten. Die Bevölkerung wehrt sich gegen das globale Sportfest. Für die Initiatoren ist es nach 2015 die nächste Klatsche.

Als die Olympia-Gegner im Hamburger Rathaus über ihren überraschend deutlichen Sieg beim Referendum jubelten, musste der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher das abermalige Scheitern einer Bewerbung für die Ausrichtung des größten Sportfests der Welt einräumen.

„Ich habe dem Präsidenten des DOSB, Thomas Weikert, sowie dem Vertreter Deutschlands beim IOC, Michael Mronz, soeben mitgeteilt, dass Hamburg seine Olympia-Bewerbung zurückzieht“, sagte der SPD-Politiker.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Otto Fricke, bedauerte den Wahlausgang. „Für uns ist das so ein bisschen frustrierend nach 19 positiven Ergebnissen – in München, in den Städten in NRW, in Kiel, nachdem der Rat in Rostock positiv sich entschieden hat, es überall Zweidrittelmehrheiten, zuletzt auch in Berlin, gegeben hat“, sagte er im NDR.

Noch deutlicheres Ergebnis als 2015

Schon früh hatte sich bei der Auszählung abgezeichnet, dass Hamburg nach dem Bürgerwillen aus dem Rennen um die deutsche Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Spiele ausscheidet, noch bevor es richtig angefangen hat. Die Initiatoren einer Bewerbung scheiterten damit wie 2015 mit ihrem Referendum.

Diesmal fiel das Ergebnis noch deutlicher aus. Am Ende der Auszählung lagen die Olympia-Gegner mit 54,9 Prozent der Stimmen klar vorn. 45,1 Prozent sprachen sich für die Pläne aus, das Ringe-Spektakel 2036, 2040 oder 2044 an Alster und Elbe zu holen. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 Prozent. Rund 1,3 Millionen Menschen ab 16 Jahren waren stimmberechtigt. Bemerkenswert: In keinem der sieben Bezirke der Stadt gab es eine Mehrheit für die Befürworter.

Vor elf Jahren hatten die Bürgerinnen und Bürger gegen eine Bewerbung Hamburgs für die Spiele 2024 entschieden. Damals stimmten 51,6 Prozent dagegen, nur 48,4 Prozent dafür. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,2 Prozent.

Bürgerwille wird vom DOSB berücksichtigt

„Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburger und Hamburgerinnen lieben ihre Stadt und lassen sich nicht von einer Million Euro teuren Werbekampagne hinter die Fichte führen“, sagte Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative „NOlympia“. Mit dem zweiten Nein habe Hamburg ein Zeichen für Fair Play und Teamgeist bei den Spielregeln der Olympischen Spiele gestimmt.

Die Versprechungen des Senats seien zu unglaubwürdig gewesen. Ebenso das Finanzkonzept, bei dem die milliardenschweren Kosten für Sicherheit und den Bau eines Leichtathletikstadions einfach weggelassen worden seien. „Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein: Die Menschen in der Stadt wollen kein weiteres Leuchtturmprojekt“, sagte er.

Nach dem Votum kann die Stadt nicht mehr in den nationalen Wettstreit mit München, der Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin eintreten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September, mit welchem Kandidaten er ins internationale Bewerbungsverfahren geht. Der DOSB bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix, in die auch die Bürgerbefragungen berücksichtigt werden.

Nach dem Ausscheiden Hamburgs hat der DOSB nur noch drei Bewerber zur Auswahl. In München und der Rhein-Ruhr-Region hatten sich jeweils etwa 66 Prozent für die jeweilige Bewerbung ausgesprochen. Berlin verzichtet aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum. Stattdessen beschloss das Abgeordnetenhaus am 21. Mai mehrheitlich, sich um Olympia zu bewerben.

Kiel muss auf anderen Bewerber hoffen

Bei dem Bürgerentscheid von Hamburgs vorgesehenen Partner Kiel am 19. April hatten 63,5 Prozent dafür gestimmt, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelstandort empfiehlt. Kiel muss nun hoffen, auch bei den anderen Bewerbern zum Zuge zu kommen. „Auch wenn Hamburg für sich Nein gesagt hat, lebt der Traum von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland weiter“, sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). Es gelte jetzt, „im weiteren Prozess das Konzept mit den größten Erfolgschancen zu finden und international weiter zu überzeugen“. 

In Hamburg befürwortete ein breites Bündnis aus Politik, dem organisierten Sport, Wirtschaft und Kultur Olympia an Alster und Elbe. Dagegen sprachen sich unter anderem die Linke und die AfD, die Initiative „NOlympia“ und auch Umweltschutzverbände aus .In den Wochen vor dem Referendum hatte die Pro-Werbung das Stadtbild mit zahlreichen Prominenten auf den Plakaten dominiert. Die Gegner kamen bescheidener daher. Die Aufsteller der Initiative „NOlympia“ und der Linken gingen beinahe unter in der Farbenflut des Logos der Hamburger Olympia-Kampagne. Am Ende folgte die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger den Gegnern.

Quelle: ntv.de, Claas Hennig, Markus Klemm, Martin Fischer und Felix Schröder, dpa

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