„Fragten ihn, was er getan habe“Zeitung enthüllt gescheitertes Interview mit Ulmen
Fünf Stunden Gespräch, zahlreiche Antworten – und am Ende kein einziges veröffentlichtes Zitat. Im Fall von Christian Ulmen und Collien Fernandes sorgt nun ein Bericht für neue Aufmerksamkeit.
Während die Ermittlungen im Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen weiterlaufen, wird nun ein bislang unbekanntes Detail öffentlich. Wie die „Zeit“ berichtet, soll Ulmen bereits Ende März ausführlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung genommen haben – veröffentlicht wurde davon allerdings nichts.
Unter der Überschrift „Herr Ulmen möchte nun doch nicht“ schildert die Wochenzeitung einen ungewöhnlichen Vorgang. Demnach führte die Redaktion Ende März auf Mallorca, wo Ulmen lebt, ein rund fünfstündiges Gespräch mit dem Schauspieler. Zusätzlich habe es ein zweieinhalbstündiges Gespräch mit seinem Anwalt Christian Schertz gegeben. Veröffentlicht werden konnte das Interview jedoch nicht.
Grund dafür sei eine zuvor vereinbarte Autorisierung gewesen. Laut der „Zeit“ mussten Zitate vor einer Veröffentlichung freigegeben werden. Eine solche Praxis ist bei Interviews grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Im vorliegenden Fall sei es jedoch letztlich zu keiner Freigabe gekommen.
In einem Instagram-Beitrag erklärt die Zeitung: „Wir haben ihn (Ulmen, Anm. d. Red.) besucht – aber seine Worte dürfen wir nicht dokumentieren. (…) Wir trafen ihn Ende März mit seinem Anwalt, dem Berliner Medienrechtler Christian Schertz, auf Mallorca, wo Ulmen lebt. Fünf Stunden lang sprachen wir mit dem Schauspieler, fragten ihn, was er da bloß getan habe. Er gab umfassende Antworten.“ Nach Angaben der Redaktion folgte darauf „eine wochenlange Auseinandersetzung über Formulierungen“. Weiter heißt es: „Und Ulmen und Schertz haben letztlich alle Zitate wieder kassiert.“
Vorwürfe sorgen seit Monaten für Diskussionen
Der Fall beschäftigt seit März die Öffentlichkeit. Damals machte Collien Fernandes Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner publik. Sie wirft ihm vor, mutmaßlich Fake-Profile im Internet erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben, die den Eindruck erwecken sollten, sie selbst sei darauf zu sehen.
Erstmals öffentlich wurden die Anschuldigungen in einem Bericht des „Spiegel“, der im März veröffentlicht wurde. In der Folge entwickelte sich eine breite Debatte über Identitätsdiebstahl im Internet, digitale Gewalt und mögliche gesetzliche Lücken beim Schutz von Betroffenen. Bundesweit gingen zudem zahlreiche Menschen auf die Straße, um Solidarität mit Fernandes und anderen Betroffenen zu zeigen.
Ende Mai bestätigte die Staatsanwaltschaft Potsdam gegenüber den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ zudem die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens nach einer Anzeige von Fernandes gegen Ulmen. Nach Prüfung der vorgelegten Informationen sei ein Anfangsverdacht wegen des Vorwurfs der Körperverletzung im Rahmen häuslicher Gewalt begründet worden. Dabei gehe es um mehrere mutmaßliche Vorfälle, die sich in den Jahren 2022 und 2023 in Spanien ereignet haben sollen. Die Vorwürfe im Zusammenhang mit möglicher digitaler Gewalt werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin geprüft. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
