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Moderne Technik, 30er-Jahre-Aura: Morgan Supersport – britischer Beau erregt Aufsehen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 5, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Moderne Technik, 30er-Jahre-AuraMorgan Supersport – britischer Beau erregt Aufsehen

Mit dem Morgan Supersport fällt man auf. (Foto: sp-x/Mario Hommen)

Britische Exzentrik ist im Autobau selten geworden. Doch es gibt sie noch: etwa in Gestalt des Morgan Supersport, der seine klassisch-skurrile Art mit moderner Technik zu einer ebenso faszinierenden wie eigenständigen Fahrmaschine verbindet.

Die Marke Morgan blickt auf eine Geschichte zurück, wie sie wohl nur im Vereinigten Königreich geschrieben werden kann. 1909 im pittoresken Malvern gegründet, entstehen dort bis heute in kleiner Stückzahl und mit viel Handarbeit Autos, die man in fast jeder Hinsicht als kurios bezeichnen darf. Genau daraus speist sich jedoch ihr besonderer Reiz. Denn die nach objektiven Maßstäben ziemlich unvernünftigen Fahrmaschinen lösen ein Begehren aus, das sich rational kaum erklären lässt.

Mit dem 2025 eingeführten Supersport haben die Engländer nun den vielleicht modernsten Morgan aller Zeiten geschaffen. Zum Glück allerdings ohne jene eigenwillige Seele zu verlieren, die den Reiz der Marke ausmacht. Im Gegenteil: Selten hat ein Auto derart viel Freude, Leidenschaft und Begeisterung im Umfeld ausgelöst. Wer sich diesen Traum erfüllen will, braucht allerdings nicht nur eine Garage, sondern auch ein wenig Leidensbereitschaft sowie ein gut gefülltes Konto.

Dass Geld in der Morgan-Welt keine Nebenrolle spielt, verrät bereits die Abholadresse. Eine Morgan-Boutique in der mit automobilen Preziosen übervollen Düsseldorfer Classic Remise stellt uns den Supersport bereit. Die Einweisung fällt erfreulich knapp aus. Nach einem Hinweis auf den Startknopf und die Bedienung des Stoffverdecks folgt trocken der Satz: „Fährt sich wie ein normales Auto.“ Nun ja.

Akrobatisches Einfädeln

Bereits das Einfädeln hinter das Steuer bei geschlossenem Dach verlangt ein gewisses Maß an Akrobatik. Tief in den Sitz gesunken, dreht man den Schlüssel, drückt den Startknopf und legt den Automatikhebel auf „D“. Mit sonorem Reihensechser-Grollen und vorsichtigem Gasfuß rollt man schließlich aus der Remise hinaus in die große Welt. Tief unten, dicht über dem Asphalt, wie in einem klassischen Roadster aus einer anderen Zeit.

Schon der Geruch des Supersport vermittelt etwas Besonderes. Feingegerbtes Leder, dicke Wollteppiche und massives Holz schaffen eine Genusswelt, die optisch, haptisch und olfaktorisch gleichermaßen wirkt. Dazu gesellt sich allerdings eine leicht klebstoffartige Note, die auf den ungewöhnlichen Fertigungsprozess verweist. Die Alu-Elemente der CXV-Plattform werden bei Morgan nicht geschweißt, sondern mit strukturellem Klebstoff verbunden und zusätzlich vernietet. Große Presswerkzeuge für klassische Stahlkarosserien braucht der Kleinserienhersteller deshalb nicht. Stattdessen entsteht mit viel Handarbeit ein leichter und erstaunlich steifer Unterbau. Man riecht ihn nicht nur, man spürt ihn auch.

Manufaktur statt Großserienhersteller

Überhaupt entdeckt das Auge viele Details, die auf eine Manufaktur statt auf einen Großserienhersteller hindeuten. Nicht jedes Bauteil fügt sich perfekt ineinander und nicht jede Lösung wirkt bis ins Letzte ausgefeilt. Die fummeligen Verdeck-Arretierungen etwa passen eher zur britischen Exzentrik als zur Perfektion moderner Premiumautos.

Stilbrüche mit Charme

Dazu kommen Stilbrüche, die dem Morgan gleichzeitig Charme verleihen. Der Automatikwählhebel stammt sichtbar aus dem BMW-Regal und besteht aus schnödem Kunststoff, direkt daneben sitzt jedoch ein aus dem Vollen gefräster Aluminiumgriff für die Feststellbremse. Vor dem Fahrer breitet sich eine analoge Anzeigewelt mit mehreren klassischen Rundinstrumenten aus, in deren Zentrum sich jedoch ein Mini-Farbdisplay befindet. Das wirkt eigenwillig, aber nie beliebig.

Vieles im Supersport zahlt auf das Klassik-Thema der Morgan-Welt ein. Etwa die plane Frontscheibe, die bei Regen von gleich drei winzigen Scheibenwischern bearbeitet wird. Dahinter erstreckt sich der Blick über eine Motorhaube von fast surrealer Länge. Während moderne Autos ihre Front dem Fahrer meist verbergen, liegt sie hier präsent vor einem wie eine frisch angezündete Havanna-Zigarre. Am Ende thronen zwei große Rundscheinwerfer. Dabei ist der Morgan mit 4,11 Metern Länge eigentlich gar kein großes Auto. Das kurze Heck hält ihn formal im Kleinwagenformat. Hinter dem Lenkrad fühlt er sich dennoch an wie ein ausgewachsener Grand Tourer aus längst vergangenen Zeiten.

Der-Supersport-duerfte-das-einzige-Auto-am-deutschen-Neuwagenmarkt-mit-drei-Frontscheibenwischern-sein
Der Morgan Supersport dürfte das einzige Auto am deutschen Neuwagenmarkt mit drei Frontscheibenwischern sein. (Foto: sp-x/Mario Hommen)

Moderne LED-Lichttechnik und Aura der 1930er-Jahre

Und er wirkt. Gewaltig sogar. Der Supersport zieht Blicke magisch an. Einerseits, weil man ihm seine Exklusivität ansieht. Andererseits, weil er schlicht wunderschön ist. Trotz moderner LED-Lichttechnik umweht ihn die Aura der 1930er-Jahre: weit geschwungene Kotflügel, eine winzige Fahrgastzelle, das flach auslaufende Heck. Selbst der brauchbare Kofferraum verschwindet charmant unter dieser Skulptur auf Rädern. Die Reaktionen der Menschen sind bemerkenswert. Wo Ferrari oder Porsche oft Bewunderung mit Neid mischen, scheint der Morgan vor allem Sympathie auszulösen. Die Leute lächeln, winken, sprechen einen an. Dieses Auto besitzt eine seltene Gabe: Es wirkt extravagant, aber nicht protzig.

Für den Vortrieb setzt Morgan hingegen auf moderne Großserientechnik. Unter der zweiteiligen Haube arbeitet der bekannte BMW-Reihensechser B58. Im Morgan leistet er 250 kW/340 PS, die via Achtgangautomatik ausschließlich die Hinterräder bearbeiten. Zusammen mit lediglich rund 1,2 Tonnen Gewicht ergibt das ein Leistungsgewicht, das dem Supersport 3,9 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und theoretisch bis zu 267 km/h ermöglicht. Praktisch verliert man allerdings schon deutlich früher die Lust an Höchstgeschwindigkeit. Jenseits von 150 km/h werden Windgeräusche, flatternde Außenspiegel und die unmittelbare Nähe zur Außenwelt derart intensiv, dass sich das Potenzial eher erahnen als auskosten lässt.

Ein-tpyischer-Morgan-Stil-sind-der-hufeisenartige-Kuehlergrill-der-von-zwei-freistehenden-Rundleuchten-flankiert-wird
Typischer Morgan-Stil sind der hufeisenartige Kühlergrill, der von zwei freistehenden Rundleuchten flankiert wird. (Foto: sp-x/Mario Hommen)

Ohnehin versteht sich der Morgan weniger als Rennstreckenwerkzeug, denn als emotionales Erlebnisgerät. „Fahren Kunden damit auf den Track?“ „Selten“, sagt der Händler bei der Rückgabe des Testwagens. Verständlich. Wirklich genießen konnten auch wir den Supersport nur in kurzen Momenten. Die Eisheiligen brachten Regen und frostige Temperaturen, weshalb wir meist mit geschlossenem Verdeck unterwegs waren. Und genau dort offenbart der Morgan seine kompromisslose Seite. Das einlagige Stoffdach ist laut, umständlich und nie ganz dicht. Optional gibt es ein Hardtop, doch eigentlich will der Supersport offen gefahren werden. So fühlt er sich richtig an. So entfaltet er seine Magie.

Kein perfektes Auto, aber charakterstark

Bei kurzen Sonnenfenstern wird sofort klar, warum. Dann verschwinden sogar die Steckscheiben aus den winzigen Türen und man erlebt Wind, Geräusche und Umgebung intensiver als in fast jedem modernen Auto. Der kultivierte, aber niemals aufdringliche und von Turbopfeifen begleitete Reihensechser-Sound mischt sich mit dem direkten Fahrgefühl eines leichten Hecktrieblers, der Kurven ausgesprochen zugeneigt ist. Der zugegeben etwas harte Morgan wirkt dabei nie brutal oder einschüchternd. Vielmehr fährt er sich verspielt, lebendig und überraschend kommunikativ. Genau darin liegt seine große Stärke.

Wer-etwas-mehr-in-die-Innenausstattung-investiert-kann-sich-den-Supersport-sehr-fein-einrichten
Wer etwas mehr in die Innenausstattung investiert, kann sich den Supersport sehr fein einrichten. (Foto: sp-x/Mario Hommen)

Der Supersport ist kein perfektes Auto. Aber vielleicht eines der charakterstärksten. Und er ist sogar genügsam. Nur etwas mehr als sieben Liter hat sich der Sechsender bei Autobahntouren jede 100 Kilometer genehmigt.

Bleibt der Preis. Rund 128.000 Euro kostet der Supersport mindestens. Mit Extras wie Volllederausstattung, Sperrdifferenzial oder exklusiven Felgen lässt sich diese Summe problemlos auf mehr als 160.000 Euro treiben. Auch deshalb bleibt ein Morgan eine Ausnahmeerscheinung. Und auch das ist Teil seines Zaubers.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x

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