Die Idee klang vielversprechend: Deutschland und Frankreich bauen gemeinsam einen Kampfjet. Doch nach viel Hin und Her haben Merz und Macron das Prestigeprojekt der Rüstungskooperation gestoppt.
Noch im März hatte Emmanuel Macron am Rande eines EU-Gipfels versucht, wieder eine Portion Optimismus zu verstreuen. Angesprochen auf das Kampfjet-Projekt FCAS sagte der französische Präsident den Reportern, er habe mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) darüber gesprochen: „Wir haben zusammen entschieden, einen Versuch der Wiederannäherung zwischen Airbus und Dassault zu unternehmen in den kommenden Wochen.“ Es solle „ganz ruhig und respektvoll“ ein gemeinsamer Weg gefunden werden. „Das strategische Ziel ist klar und darüber sind alle Beteiligten im Konsens.“
Das klang damals schon wie der allerletzte Versuch, das drohende Scheitern des gemeinsamen Kampfflugzeug-Projekts noch irgendwie zu vermeiden. Zuvor war eine Schlichtung ohne Erfolg geblieben. Das Ziel jedes Mal: Die beiden Streithähne aus der Industrie mit politischem Druck wieder zusammenzubringen – die Militärsparte von Airbus auf der deutschen Seite und den Rafale-Bauer Dassault als französischen Kooperationspartner.
Nur eine Juniorrolle für deutsche Partner?
Denn schon seit rund einem Jahr knirschte es bei den Industriepartnern ganz gewaltig. Dassault-Chef Eric Trappier machte auf einmal überdeutlich, dass er alleiniger Chef im Ring sein wolle, so wie bei der Bilanz-Pressekonferenz von Dassault im Februar: „Ich habe es von Anfang an gesagt: Ich will eine klare Führung, nicht nur auf dem Papier.“ Wenn man zusammenarbeite, dann sei einer besser als der andere und der andere lerne dabei. „Aber wenn sie gerade am Lernen sind, müssen sie nicht gleich die Führung mit übernehmen.“
Also nur eine Art Juniorrolle für die deutschen und spanischen Airbus-Kooperationspartner? Der Verdacht kam auf, das hochverschuldete Frankreich wolle Knowhow und Auftragsvergabe an die Zulieferer schön in der Hand behalten, während die deutschen Kooperationspartner das 100-Milliarden-Euro-Projekt vor allem mitfinanzieren sollten.
Skepsis bei Merz ist gewachsen
In Deutschland hatte derweil schon die IG Metall mobilgemacht und offen eine Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Dassault gefordert. Bei der Bilanz-Pressekonferenz von Airbus im Februar deutete auch Konzernchef Guillaume Faury an, dass der gemeinsame Kampfflieger feststecke. „Wenn unsere Kunden uns entsprechend beauftragen, dann würden wir eine Lösung mit zwei Kampffliegern unterstützen und wären bereit, eine führende Rolle bei einem so umstrukturierten FCAS zu spielen“, so der ebenfalls französische Airbus-Chef.
Zuletzt schien es so, als wenn man vor allem auf deutscher Seite die Geduld verloren habe. Bundeskanzler Merz ließ immer mehr Skepsis erkennen, so wie im Februar im Podcast „Machtwechsel“:
Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Das brauchen wir in der deutschen Bundeswehr gegenwärtig nicht.
Die Anforderungsprofile seien zu verschieden, argumentierte Merz. Deswegen werde es am Ende wohl nur mit zwei unterschiedlichen Kampffliegern für Deutschland und Frankreich gehen.
So sollte der Kampfjet aussehen – jetzt bleibt es bei einem Modell.
Ankündigung aus Berlin, Paris reagiert später
Es ist deswegen auch nicht verwunderlich, dass die Ankündigung des Scheiterns zunächst aus Berlin und nicht aus Paris kam. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, der Bundeskanzler habe dem französischen Präsidenten „nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht weiterzuverfolgen“.
Aus dem Elysée-Palast in Paris wurde erst Stunden später bestätigt und hinzugefügt: „Die deutschen Behörden sind der Meinung, dass es nicht möglich war, noch mehr Druck auf die beteiligten Unternehmen auszuüben.“ Aus der Wortwahl spricht Dissens.
Die Art der Kommunikation setzt den unrühmlichen Schlusspunkt unter ein gescheitertes deutsch-französisches Vorzeigeprojekt. 2017 war die Rüstungskooperation zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem gerade ins Amt gekommenen französischen Präsidenten Macron aufgesetzt worden.
Deutschland braucht einen neuen Partner
Die Ankündigung, dass Airbus und Dassault nun zumindest bei der Entwicklung der künftigen „Combat Cloud“ mit Drohnen über FCAS ein gemeinsames Kommunikationssystem entwickeln, klingt wie der verzweifelte Versuch, irgendwie das Gesicht der deutsch-französischen Kooperation zu wahren.
Deutschland wird sich nun vor allem nach neuen Partnern für einen Kampfjet der künftigen Generation umschauen müssen. Welche Bedeutung hochgerüstete Kampfflugzeuge im Zeitalter der Drohnen-Kriege überhaupt noch haben werden, bleibt auch zu klären.

