Russell abgehängt
Die Formel-1-Verlierer im Schatten des Wunderkindes
Mercedes-Youngster Kimi Antonelli dominiert die Formel 1. Hinter dem Durchstarter gibt es auch einige Verlierer der jungen Saison. Nicht zuletzt Teamkollege George Russell.
Frust? Diese Phase hat George Russell längst hinter sich gelassen in diesem merkwürdigen Jahr. Vor ziemlich genau drei Monaten war er noch der große Favorit auf den WM-Titel in der Formel 1, doch irgendetwas läuft seither gewaltig schief. „Inzwischen bin ich jenseits von Frustration“, sagt der Engländer, „ich will einfach begreifen, wie zur Hölle diese Saison so verlaufen konnte, wie sie verlaufen ist.“
Denn es schien alles bereitet, 2026 sollte das Jahr sein, in dem das einstige Ausnahmetalent seine Karriere mit dem lang erwarteten Titel krönt: Russell ist mit 28 im besten Alter, der Mercedes endlich wieder ein Weltmeister-Auto – doch dann kam dieser 19-Jährige daher und hängte den Engländer einfach ab, im gleichen Boliden.
Wie Antonelli fährt, „nervt Gegner natürlich unglaublich“
Dauersieger Kimi Antonelli wirft einen Schatten, in dem Russell vor dem Grand Prix von Katalonien (Sonntag, 15.00 Uhr/Sky) nicht der einzige große Verlierer ist. Weltmeister Lando Norris im McLaren, der frühere Serienchampion Max Verstappen im Red Bull und auch Ferrari-Pilot Charles Leclerc gehören ebenfalls zur Reihe der tief enttäuschten Stars. Bei Russell allerdings sind Fallhöhe und Konstellation besonders.
Antonelli steht Russell im Weg
Denn eigentlich ging es für den eloquenten jungen Mann aus der Grafschaft Norfolk ja immer bergauf. Als 15-Jähriger stand er in Anzug und Krawatte vor Toto Wolff, erklärte dem Mercedes-Motorsportchef mithilfe einer Power-Point-Präsentation, warum er eine gute Wahl für die Silberpfeile wäre. Russell gewann Nachwuchstitel auf sämtlichen Ebenen, wurde von Mercedes gefördert und ließ dort später sogar Rekordweltmeister Lewis Hamilton verzichtbar wirken.
Nun, da es ernst wird, steht plötzlich Antonelli im Weg. Allerdings ist der junge Italiener nicht das einzige Problem für Russell. Denn er ist ja nicht einfach nur langsamer als sein Teamkollege: Der Engländer wartet schon seit vier Rennwochenenden auf einen Podestplatz, ist hinter Hamilton im Ferrari auf WM-Rang drei zurückgefallen, der Rückstand auf Antonelli beträgt bereits 68 Punkte.
Und so ist diese Saison wieder ein Beleg dafür, dass es in der Formel 1 nicht einfach nur um gute und weniger gute Autos geht. Jeder Fahrer bringt einen eigenen Stil mit, über Jahre entwickelt – wenn der nicht zum Boliden passt, dann funktioniert es nicht. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was es ist“, sagt Russell, „aber meine Art zu fahren hilft dem Auto offensichtlich nicht.“ Antonellis aggressiverer Stil, so wirkt es, tut den Reifen am Mercedes gut, Russells gleichmäßigere Fahrweise eben nicht. „Wir müssen in die Daten schauen“, sagt Russell, und Lösungen finden.
Ähnliches ist übrigens bei Ferrari zu beobachten, wo Hamilton 2025 ein ganz schwaches erstes Jahr erlebte. Er habe damals beim Team „gebettelt“ um bestimmte Veränderungen am Auto, diese „tragen jetzt Früchte“, sagt der 41-Jährige. Hamilton fühlt sich wohl im neuen Ferrari. Mit dem Ergebnis allerdings, dass Leclerc deutlich größere Probleme hat als im Vorjahr.
Der Monegasse ist ebenfalls ein ewiger „future world champion“, genau wie Russell, auch er hofft noch auf die Wende im eigentlich ja leistungsfähigen Auto. Gerade für Russell wäre dieses Wochenende übrigens ein passender Zeitpunkt für den Start der Aufholjagd: Es ist sein 100. Rennen im Mercedes.
Verwendete Quellen: ntv.de, msc/sid
