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Politik

Papst beklagt Gleichgültigkeit gegenüber Schicksal von Migranten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 11.06.2026 • 16:48 Uhr

Auf Gran Canaria trifft Papst Leo XIV in einem Hafen mit Migranten zusammen. Er fordert, Europa dürfe nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu „Friedhöfen ohne Grabsteine“ würden.

Papst Leo XIV. hat davor gewarnt, sich an den Tod von Migranten auf den Fluchtrouten über das Meer zu gewöhnen. Bei einem Besuch auf Gran Canaria sagte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken, Europa dürfe nicht die Menschenwürde beschwören und zugleich hinnehmen, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu „Friedhöfen ohne Grabsteine“ würden.

Auf den bei Deutschen beliebten Kanarischen Inseln kommen jährlich Tausende Migranten auf dem gefährlichen Weg von Westafrika über das Meer an. Viele sterben dabei. Auf dem Höhepunkt der Krise 2024 kamen binnen eines Jahres fast 50.000 Menschen irregulär auf den Kanarischen Inseln an.

Symbol der humanitären Notlage wurde der Hafen von Arguineguín – der sogenannte „Muelle de la Vergüenza“, der „Kai der Schande“. Dort harrten im August 2020 zeitweise fast 3.000 Menschen unter prekären Bedingungen aus, obwohl der Bereich nur für etwa 500 Personen ausgelegt war.

Zum Gedenken an Tausende Todesopfer der gefährlichen Atlantikroute legte Leo im Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria einen Blumenkranz im Wasser nieder und segnete ein Kreuz, das aus Holzteilen von Migrantenbooten gefertigt wurde.

Der Papst forderte „sichere und legale Wege“ für Migration. Die Menschenwürde erfordere dies, sagte Leo. Er mahnte zudem Rettung und Hilfe für Menschen in Not sowie echte Zusammenarbeit gegen Menschenhändler an.

„Ihr seid keine Zahlen und keine Aktennummern“

Im Hafen von Arguineguín traf der Papst auch Migranten sowie Vertreter der Kirche und humanitärer Organisationen, die sie betreuen und die sie bei der Integration in die spanische Gesellschaft unterstützen. An die Migranten gerichtet sagte Leo: „Ihr seid keine Zahlen und keine Aktennummern. Ihr seid Menschen mit einer Familie und einem Zuhause, das ihr zurückgelassen habt; mit Träumen, die niemand das Recht hat, zu missachten.“

Ein besonderes Wort richtete der Papst an eine Frau, die Opfer von Menschenhandel wurde: „Auch wenn man dich wie einen Gegenstand behandelt hat, möchte die Kirche dir heute sagen: Du bist eine Tochter und eine Schwester, du bist ein Segen.“

Scharf geißelte er Schlepper als mafiöse Organisationen. „Überlasst eure Existenz nicht denen, die damit Handel treiben. Glaubt nicht denen, die euch ein leichtes Paradies im Tausch für euren Körper, euer Geld, euer Schweigen oder eure Freiheit versprechen“, sagte Leo an die Adresse der Migranten.

Der Besuch von Gran Canaria gehört zur letzten Etappe der mehrtägigen Spanien-Reise des Papstes. Zuvor besuchte Leo Madrid und Barcelona. Am Freitag fliegt er von Gran Canaria weiter auf die Nachbarinsel Teneriffa. Dort trifft er ebenfalls Migranten in der Aufnahmeeinrichtung Las Raíces.

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