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Startseite»Nachrichten»Dramatische Szenen: Als ein WM-Neuling den Zorn des Despoten fürchtete
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Dramatische Szenen: Als ein WM-Neuling den Zorn des Despoten fürchtete

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 13, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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13.06.2026 | 09:09 Uhr

Die Demokratische Republik Kongo tritt am Mittwoch bei der WM gegen Portugal an. Die dramatischen Szenen 1974, damals unter dem Namen Zaire, zählen bis heute zu den tragischsten Momenten der WM-Historie.

„Denen fällt es schwer, aus zehn Metern Entfernung eine Pyramide zu treffen.“ Am Abend des 14. Juni 1974 gingen die Spieler von Zaire glücklich und zufrieden zu Bett. Ihr WM-Auftakt gegen Schottland war zwar nicht ganz nach Plan verlaufen, aber bei weitem nicht so schlimm ausgefallen, wie es Schottlands Altinternationaler Willie Ormond mit seinem bösen Satz vorausgesagt hatte. Der 2:0-Sieg hatte viel mehr die Schwächen der Schotten entlarvt. Wie wohl: Ormond lag mit seiner Einschätzung gar nicht einmal so falsch. Denn auch nach dem dritten Spieltag der Gruppe hatte Zaire immer noch kein eigenes Tor erzielt, dafür aber unglaubliche 14 Gegentreffer erhalten. Bis heute ist das WM-Rekord.

Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo, war im Jahr 1974 das erste Land aus Subsahara-Afrika, das sich für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert hatte. Mit viel Hoffnung im Gepäck reisten die Kicker nach Deutschland. Aber die Angst, die Erwartungen des Despoten Sese Seko Mobutu und des heimischen Volkes nicht erfüllen zu können, war schon bei der Ankunft im WM-Quartier in Ascheberg ein ständiger, unsichtbarer Begleiter. Im Erfolgsfall hatte Mobutu den Spielern von Zaire Reichtümer und ein sorgenfreies Leben versprochen, doch die Mannschaft befürchtete, dass es im umgekehrten Fall sehr ungemütlich werden könnte. Wie grausam der Zorn des Despoten tatsächlich sein würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt, nach der Partie gegen die Schotten, allerdings niemand. Vier Tage später jedoch entwickelte sich die Lage dramatisch.

Ein Tritt in den Hintern des Schiedsrichters

Mittlerweile hatte es im Team untereinander, aber vor allem mit dem mazedonischen Trainer Vidinic, Unstimmigkeiten gegeben. Und so spielte die Mannschaft von Zaire auch. Am Ende musste man sich Jugoslawien mit 9:0 geschlagen geben. „Die Hinrichtung war nahezu perfekt!“, schrieben die Zeitzeugen. Als es während der Begegnung eine Durchsage des Stadionsprechers gab, „Verirrte Personen sollen sich im Sanitätszelt sammeln!“, schauten nicht wenige Zuschauer mitleidig hinunter aufs Spielfeld zu den hilflos unterlegenen Afrikanern. Weil Zaires Nationalspieler Mulamba Ndaie der festen Überzeugung war, dass das 4:0 der Jugoslawen gegen sein Team aus einer klaren Abseitsposition erzielt wurde, protestierte er erst verbal beim Schiedsrichter, und als das alles nichts half, trat er Schiri Omar Delgado mit Karacho in den Allerwertesten. Eine irre Aktion! Wenigstens bedurfte die folgende Rote Karte keiner weiteren Diskussionen.

Die Spitznamen aller Teams der Fußball-WM

Die zwischenzeitlichen Tumulte auf dem Feld nutzte Zaire, um den Torwart zu wechseln. Für den frustrierten Stammkeeper Mwamba Kazadi stand fortan der nur 1,65 Meter kleine Dimbi Tubilandu im Kasten. Doch das Kuriose: Den Wechsel hatte nicht etwa Trainer Vidinic vollzogen, sondern Sampana, der Sportminister von Zaire.

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Üble Drohung des Despoten

Die Schande von Gelsenkirchen hatte tragische Folgen. Mobutu, der Despot in der Heimat, war außer sich. Er bezeichnet die Spieler seines Landes als den allerletzten Dreck und als Hurensöhne, die es nicht wert seien zu leben. Seine Drohung war eindeutig: Sollte die Mannschaft im dritten Gruppenspiel gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien mehr als drei Tore kassieren, würde kein Spieler sein Land und seine Familien je wiedersehen.

Insgeheim fürchtete die Mannschaft sogar um ihr Leben, als sie am 22. Juni wieder in Gelsenkirchen gegen Brasilien auf den Platz lief. Doch das Team von Zaire zeigte sich an diesem Tag von seiner tapferen Seite. Zur Pause stand es nur 1:0 für die Südamerikaner, die selbst mindestens mit drei Toren Unterschied gewinnen mussten, damit sie sicher für die nächste Runde qualifiziert waren. Nachdem Roberto Rivelino in der 66. Minute auf 2:0 erhöht hatte, kam es kurz darauf zu einer Szene, die bis heute zu den kuriosesten der WM-Geschichte zählt. Gerade als sich Jairzinho und Rivelino auf einen Freistoß am Sechzehner von Zaire vorbereiteten, stürzte plötzlich Ilunga Mwepu aus der Mauer – und drosch den Ball einfach in Richtung des Tors von Brasilien weg. Im nächsten Moment verbeugte sich Mwepu unter dem Gelächter der brasilianischen Spieler vor dem Publikum und kassierte von Schiri Nicolae Rainea aus Rumänien die Gelbe Karte.

Angst und Panik

Die Szene reizt bis heute jeden Betrachter zu Lachtränen – doch die Hintergründe für Mwepus irre Aktion waren traurig. Der Spieler von Zaire war in Panik geraten, als er Rivelino, einen Baum von einem Mann, vor sich stehen sah. Er fürchtete, dass sein Team das dritte Tor kassieren würde. Und das wäre das Ende gewesen. Zu viel Zeit wäre noch zu spielen gewesen. Und so lief Mwepu im Wissen, dass er sich lächerlich machen würde, getrieben von Angst und Panik, aus der eigenen Mauer und ballerte den Ball einfach weg. Sein Ziel: Verwirrung stiften und Zeit schinden.

Der Plan ging auf. Brasilien schoss zwar noch ein Tor, aber insgesamt hatte sich die Mannschaft von Zaire tapfer geschlagen. Direkt nach der Partie bestieg man den Mannschaftsbus und fuhr in Richtung Frankreich davon. Was das Team und seine Betreuer allerdings in all der Aufregung wohl vergessen hatten: Der Bus war nur geliehen. An der Grenze wurde die Mannschaft von der Polizei gestoppt. Die Heimreise wurde anschließend auf einem anderen Weg fortgesetzt.

Bis heute zählen die dramatischen Szenen der Nationalmannschaft von Zaire zu den tragischsten Momenten der WM-Geschichte. Am nächsten Mittwoch tritt die Demokratische Republik Kongo, seit 1997 der Name von Zaire, gegen Portugal bei der Weltmeisterschaft an. Es ist die erste Begegnung seit nun 52 Jahren für den damaligen WM-Neuling.

Verwendete Quelle: ntv.de

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