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Jedes zweite Kind laut UNICEF-Studie von Klimarisiken betroffen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 16, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.06.2026 • 02:28 Uhr

Die Folgen des Klimawandels sind besonders heftig für schutzbedürftige Menschen – allen voran für Kinder. Das Kinderhilfswerk UNICEF warnt in seiner neusten Studie davor, dass jedes zweite Kind auf der Erde dadurch mehrfach gefährdet ist.

Von Katharina Wilhelm, hr

Rund 2,4 Milliarden Kinder leben auf der Welt. Die Hälfte von ihnen spürt gleich mehrere Gefahren des Klimawandels, wie Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Stürme oder Gefahren, die mit dem Klima zusammenhängen wie Luftverschmutzung und Malaria. Acht Klimarisiken hat das Kinderhilfswerk für den Bericht ausgewertet, Daten kommen aus fast allen Ländern und Regionen der Welt.

Besonders dramatisch sei die Lage in der Sahelzone, in Ländern wie dem Tschad, Mali, Sudan. „Über eine Milliarde Kinder ist sogar drei Klimagefahren gleichzeitig ausgesetzt“, so UNICEF-Sprecherin Katja Sodomann.

Hitze besondere Gefahr für kleine Körper

Extremwetter wie Hitzewellen etwa gehören zu den offensichtlichsten Gefahren, die Kinder belasten, denn ihre Körper können schlechter mit Hitze umgehen. „Sie schwitzen weniger und haben keine so gute Möglichkeit Wärme abzugeben, wie Erwachsene“, sagt Christof Wettach. Er ist Sprecher des Ausschusses Kindergesundheit und Klimawandel des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Die Belastung sei gerade für junge Kinder sehr hoch.

Kinder benötigten zudem mehr Essen und Wasser pro Kilogramm Körpergewicht, sie seien insgesamt vulnerabler bei Extremwetterereignissen wie bei Stürmen und Überschwemmungen. Je kleiner die Kinder, desto mehr sind sie auf den Schutz von Erwachsenen angewiesen.

Allein im Jahr 2025 gab es 157 Extremwetterereignisse, beispielsweise Überschwemmungen in Südostasien und Waldbrände in Südeuropa. Sie gefährden nicht nur unmittelbar das Leben von Kindern. Der Klimawandel verstärkt in einigen Regionen auch heißes und feuchtes Klima – dadurch breiten sich mehr Mücken aus, die die potenziell tödliche Krankheit Malaria übertragen können.

Klimawandel fördert soziale Ungerechtigkeit

Insgesamt sind viele Schwellen- und Entwicklungsländer stärker vom Klimawandel betroffen. Aber auch in Deutschland sei Resilienz gegen Klimawandel ein finanzielles Thema: Wer beispielsweise Geld für ein Klimaanlage zu Hause hat, komme besser durch die Hitzetage, erklärt Stephanie Boßerhoff, Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Marien-Hospital Wesel.

Sie beschäftigt sich dort ebenfalls mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. Kinder mit Vorerkrankungen und Behinderungen, Kinder die Medikamente einnehmen seien beispielsweise stärker von Hitzeereignissen beeinflusst, erklärt Boßerhoff: „Wenn ein Kind Medikamente für ADHS einnimmt, wird das Durstgefühl gedämpft, das kann schon auf dem Pausenhof zu Problemen führen, wenn es sehr heiß wird.“

Kinderarzt Wettach mahnt an, dass auch in Deutschland Kitas und Kindergärten baulich nicht auf immer heißere Tage eingestellt seien. Selbst Kitas, die neu gebaut würden, seien „einfach völlig kopflos geplant. Das verwundere immer wieder.

Klimapolitik soll Kinder in den Fokus nehmen

Der Bericht von UNICEF solle ein Warnsignal sein, verbunden mit der Dringlichkeit, klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, sagt UNICEF-Sprecherin Sodomann. Neben Klimaschutzmaßnahmen müssten zudem eine Reihe von Anpassungen geschehen. Dazu gehöre, Kindergärten, Schulen und auch Wohnungen klimasicher zu bauen – aber auch politisch sollten Kinder und Jugendliche in den Fokus gerückt werden, so Sodomann weiter. „Die Kinder brauchen eine eigene Stimme in der Klimapolitik. Sie sind am wenigsten Schuld, aber am allermeisten betroffen.“

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