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Startseite»Politik»10. Todestag Götz George: „Schimanski“ prägt das deutsche Fernsehen bis heute
Politik

10. Todestag Götz George: „Schimanski“ prägt das deutsche Fernsehen bis heute

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.06.2026 • 07:25 Uhr

Er fluchte, trank, prügelte – und wurde zur Kultfigur: Götz George sprengte als Horst Schimanski alle Konventionen des braven TV-Kommissars und schenkte dem Ruhrgebiet neues Selbstbewusstsein. Vor zehn Jahren starb er.

Götz George war weit mehr als der Mann in der Feldjacke. Karl-May-Held, Skandalreporter und nacheifernder Sohn eines umstrittenen „Jahrhundert-Schauspielers“ – doch messen lassen wollte er sich nur an einer Sache: seiner Arbeit.

„Ach, das ist doch Scheiße“, sagte George als Horst Schimanski bei der Ermittlung in einem seiner Mordfälle bei der Kripo Duisburg – und schrieb damit TV-Geschichte: Nie zuvor hatte ein Kommissar in einem ARD-Krimi „Scheiße“ gesagt. Überhaupt hatte Schimanski nichts mit den biederen Ermittlern in Krimiserien vor seiner Zeit zu tun.

George verkörperte mit Horst Schimanski in den 29 Tatortfolgen des WDR einen komplett neuen Kommissar-Typus im deutschen Fernsehen: Trinkend, prügelnd und fluchend ermittelte er sich durch die Duisburger Mordfälle der 1980er-Jahre. Heute haben viele Kommissare und Kommissarinnen im deutschen Fernsehen zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit Schimanski. Für deutsche Fernsehermittler gibt es eine Zeit vor und eine Zeit nach „Schimmi“.

„Schimmi“ – eine umstrittene Identifikationsfigur

Der Filmkommissar gab vielen Duisburgern und dem Ruhrgebiet in den 1980er Jahren Selbstbewusstsein und war eine Identifikationsfigur. Damals war das Bild vom Ruhrgebiet im Rest der Republik noch eher negativ. Mit dem populären Tatort-Kommissar änderte sich das. Ausgerechnet der Berliner Götz George brachte als Schimanski den Deutschen das Ruhrgebiet näher und vermittelte ihnen, wie die Ruhrpottler denken und fühlen.

Doch nicht alle Duisburger konnten mit dem ruppigen Kommissar in Feldjacke etwas anfangen. Stadt und Polizei fürchteten lange Zeit um ihren Ruf, und manchen Duisburgern war „Schimmi“ peinlich. Je länger Götz George jedoch als Tatort-Kommissar Schimanski ermittelte, umso gelassener gingen die Duisburger mit ihm um und umso beliebter wurde er. Bei vielen älteren Menschen im Ruhrgebiet ist er heute ein Klassiker oder Kult.

Zu Beginn wurde „Schimmi“ noch kritisch gesehen im Ruhrgebiet. Am Ende gab’s aber sogar ein Denkmal – zu sehen in der Horst-Schimanski-Gasse in Duisburg.

Auch die Stadt Duisburg hat mittlerweile erkannt, was sie an Schimanski hat. Im Duisburger Stadtteil Ruhrort gibt es eine „Horst-Schimanski-Gasse“ mit einer Bronzebüste des berühmten Ermittlers. 2021 kaufte die Stadt sogar den alten Citroën von „Schimmi“ auf und restaurierte ihn.

Schauspielerei in die Wiege gelegt

Doch Götz George war schon lange vor seiner Rolle als Horst Schimanski berühmt. Er stammte aus einer Berliner Schauspielerfamilie und stand schon mit zwölf Jahren das erste Mal auf einer Bühne. Bereits als 15-Jähriger bekam Götz neben Romy Schneider seine erste Filmrolle in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Mit seiner Rolle als Boxer Gustav im Film „Jacqueline“ von 1959 gelang ihm der Durchbruch. Für die Rolle wurde er mit dem Preis der deutschen Filmkritik und mit dem Deutschen Filmpreis als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

Als junger Mann spielte er in den 1960er-Jahren in drei Karl-May-Verfilmungen mit und wurde nach „Der Schatz im Silbersee“, „Unter Geiern“ und „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ zum Publikumsliebling. Die Erfahrung wolle er nicht missen, sagte er später in einem Interview. Es habe ihm großen Spaß gemacht und vor allem auch große Hilfestellungen gegeben für die späteren Actionszenen in anderen Filmen.

Wildleder-Fransen statt Feldjacke: Götz George und Uschi Glas im Karl-May-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“.

Vom Film zum Theater und zurück zu „Schtonk“

Mit dem Neuen Deutschen Film und Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder haderte Götz George und spielte deshalb in den 1970er Jahren vor allem Theater. Doch dann kehrte er zurück zum Film, spielte nicht nur Schimanski, sondern auch in Helmut Dietls Komödien „Schtonk“ und „Rossini“ mit. Er entdeckte anspruchsvolle und schwierige Filmfiguren für sich, wie den Serienmörder Fritz Haarmann in „Der Totmacher“ oder den Nazi-Arzt Josef Mengele.

Übervater Heinrich George

Götz George hatte einen hohen Anspruch an seine schauspielerische Arbeit. Dabei sah er sich zeitlebens im Schatten seines Vaters Heinrich George, der in der Weimarer Republik ebenfalls ein berühmter Schauspieler war. Götz George blickte bis ans Ende seines Lebens zu dem früh verstorbenen Vater auf. Heinrich George starb 1946 in dem sowjetischen „Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen“. Wegen seiner Vielseitigkeit bezeichnete ihn auch sein Sohn immer wieder als Jahrhundert-Schauspieler. Doch Heinrich George ist umstritten. Denn im sogenannten „Dritten Reich“ kollaborierte er mit den Nazis und spielte in Propagandafilmen mit.

Übervater mit schwieriger Vergangenheit: Heinrich George mit Söhnchen Götz.

Drei Jahre vor seinem Tod setzte sich Götz George in dem Doku-Drama „George“ mit seinem Vater auseinander und spielte ihn sogar selbst. Für den Regisseur Joachim Lang steht Götz George seinem Vater Heinrich als Schauspieler in nichts nach. Götz George habe den Film von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geprägt, er habe ein Lebenswerk hingelegt, das ganz außerordentlich sei – und er sei ein Vorbild für andere Schauspieler.

Privates bleibt bis zum Schluss privat

Vor zehn Jahren, am 19. Juni 2016, starb Götz George mit 77 Jahren. Seine Krebserkrankung hielt er bis zu seinem Tod vor der Öffentlichkeit geheim. Privates von sich wollte er ohnehin nicht in den Medien veröffentlicht sehen. Zeitlebens war es ihm wichtig, dass die Menschen ihn ausschließlich über seine schauspielerische Arbeit bewerten und nicht über sein Privatleben. Der empfindsame, bisweilen empfindliche Künstler haderte deshalb immer wieder mit Journalisten. Ganz privat war dann sein letzter Weg: Er wurde im engsten Familienkreis in seiner Geburtsstadt Berlin auf dem Friedhof Zehlendorf beigesetzt – wenige Meter neben der Grabstelle seines Vaters.

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Dr. Heinrich Krämer
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