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Politik

Verhandlungen im Libanon-Konflikt: „Waffenruhe heißt, dass weniger geschossen wird“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.06.2026 • 19:01 Uhr

Vor neuen Verhandlungen mit Israel herrscht im Libanon ein fragiler Waffenstillstand. US-Präsident Trump setzt darauf, dass es ruhig bleibt – damit seine Vereinbarung mit Iran nicht gefährdet wird.

Moritz Behrendt

In den vergangenen Tagen war es vergleichsweise ruhig im Libanon. Es herrscht Waffenruhe – mal wieder. Ob sie dieses Mal hält? „Ja, so Gott will“, sagt eine Frau, die mit ihrer Familie über eine notdürftig reparierte Brücke in Richtung Süden fährt. Sie wollen schauen, ob ihr Haus in ihrem Heimatort noch steht.

Mit Blick auf Israel sagt die Frau: „Denen trauen wir nicht. Aber wir setzen auf unsere jungen Männer und danken Iran. Dessen Wort hat Gewicht.“

Hunderte Familien sind wieder unterwegs in Richtung Süden, auf den Dächern der Autos stapeln sich Matratzen. Es sind wiederkehrende Bilder – seit Ende 2024 gab es zwischen Israel und dem Libanon immer wieder vereinbarte Waffenruhen. Doch eingehalten wurden sie selten.

„Waffenruhe heißt, dass weniger geschossen wird“

Davon, was als Verstoß gegen die Waffenruhe zu werten ist, haben die Kriegsparteien unterschiedliche Vorstellungen. „In diesem Teil der Welt heißt Waffenruhe, dass weniger geschossen wird als sonst“, sagt US-Präsident Donald Trump. Er setzt darauf, dass seine Vereinbarung mit Iran nicht durch Kämpfe im Libanon gefährdet wird.

Zu der aktuellen Waffenruhe hat sich auch die proiranische Hisbollah bekannt. Ihr Generalsekretär Naim Kassem betont jedoch, dass die Miliz die andauernde Präsenz israelischer Soldaten nicht akzeptieren werde.

Hisbollah will sich gegen jeden Verstoß wehren

„Israel wird nicht im Libanon bleiben, selbst wenn es noch mehr Verbrechen begeht“, sagt Kassem. Die Hisbollah werde sich verteidigen. „Wir stehen zu einem Waffenstillstand, der einen umfassenden Stopp der Aggression vorsieht. Aber wir werden keinerlei Verstöße akzeptieren. Gegen jeden Verstoß werden wir uns wehren.“

Zahlreiche Dörfer direkt an der Grenze hat die israelische Armee vollständig zerstört. Ihre Soldaten kontrollieren einen Streifen, der weit in den Süden und den Osten Libanons hineinreicht. Eine dauerhafte Besatzung sei nicht geplant, behauptet die israelische Regierung – ein Rückzug aber ebenso wenig.

Premierminister Benjamin Netanjahu betonte am Wochenende: „Wir werden so lange in der Sicherheitszone im Südlibanon bleiben, wie es nötig ist, um die Bewohner des Nordens, die uns am Herzen liegen, und alle Bürger des Staates zu schützen.“

Offenbar mehr als 4.000 Tote im Libanon

Seit Anfang März sind 36 israelische Soldaten durch Angriffe der Hisbollah getötet worden, sowie ein israelischer Zivilist. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums sind im gleichen Zeitraum mehr als 4.100 Libanesinnen und Libanesen durch israelische Angriffe getötet worden.

Ob die aktuelle Waffenruhe hält, ist ungewiss. Die iranische Regierung hat dies zur Bedingung für eine Öffnung der Straße von Hormus gemacht. Die Hisbollah will weiter gegen die Präsenz israelischer Soldaten im Libanon vorgehen, Israel lehnt einen Rückzug ab.

Libanons Regierung hofft auf längerfristige Lösung

Einen Rückzug fordert auch die libanesische Regierung. Sie sieht sich nicht offiziell als Teil des Konflikts und hofft, über Verhandlungen mit Israel zu einer längerfristigen Lösung zu kommen. Eine neue Gesprächsrunde ist nun in Washington geplant.

Ein Knackpunkt: Die libanesische Armee gilt als schwach, zu schwach, um Israel oder der Hisbollah Einhalt zu gebieten. Die Frustration im Land sei groß, davon abhängig zu sein, was in Jerusalem oder Teheran entschieden wird, sagt der Politikwissenschaftler Salim Zakhour: „Für die libanesischen Behörden, insbesondere für den Präsidenten, ist Iran verantwortlich für Krieg und Zerstörung. Genau das meint er, wenn er sagt: Das ist ein Krieg anderer auf unserem Boden.“

US-Präsident Trump verstärkte zuletzt den Eindruck der Machtlosigkeit in Beirut noch. Mehrfach regte er zuletzt an, wer sich um eine Entwaffnung der Hisbollah kümmern solle: weder die israelische noch die libanesische Armee – sondern das neue Regime in Syrien.

Syrien will sich heraushalten

In einem Fernsehinterview wies Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa solche Pläne zurück: „Wir haben Krieg erlebt und diesen Schmerz durchlitten. Wir wünschen das niemandem, schon gar nicht dem Libanon. Eine Rolle Syriens, die zur Polarisierung beiträgt, wäre kontraproduktiv. Ich habe sowohl Syrien als auch den Libanon aus diesem Szenario herausgehalten – trotz zahlreicher Anfragen.“

Aussagen aus Damaskus, die im Libanon für eine gewisse Erleichterung sorgen. Denn dass gleichzeitig syrische und israelische Soldaten im Land sind, das gab es schon einmal – über Jahre hinweg während des libanesischen Bürgerkriegs.

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