Bahn-Verkehr stand stillWas ist GSM-R? Und warum ist es schlimm, wenn es ausfällt?
Der Zugverkehr in Deutschland steht am Abend teilweise still – weil das Zugfunk-System der Deutschen Bahn ausfällt. Techniker arbeiten mit Hochdruck daran, es wieder zum Laufen zu bekommen. Wieso ist der Funk so wichtig für den Betrieb?
In ganz Deutschland standen am späten Montagabend die Züge still, Tausende Reisende saßen fest: Wegen einer Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R war der Bahnverkehr zwischenzeitlich komplett eingestellt. Betroffen waren Fernzüge genauso wie Regionalzüge und S-Bahnen. Auch der Güterverkehr kam zum kompletten Erliegen. Die Züge wurden bis auf Weiteres an den Bahnhöfen zurückgehalten, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte. „Unsere Techniker sind mit Hochdruck daran, die Störung zu beheben“, sagte der Sprecher.
Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert – ohne allerdings zu erklären, worin sie bestand. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. „Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden“, hieß es in einer Erklärung der Bahn. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen Schritt für Schritt weiter an. Die Auswirkungen der Panne werden jedoch auch im frühen Berufsverkehr noch spürbar sein, hieß es.
Was ist GSM-R?
GSM-R (Global System for Mobile Communication-Railway) ist der digitale Funkstandard europäischer Bahnen. Über das Funksystem, das den analogen Zugfunk abgelöst hatte, ist das zentrale Kommunikationsmittel zwischen dem Lokpersonal und der Fahrdienstleitung auf den Stellwerken des Netzbetreibers DB Infrago AG. Nach Angaben des Netzbetreibers biete der GSM-R Zugfunk „viele Vorteile“: Darunter „hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, da von anderen Netzen nicht beeinflussbar“ und die „Möglichkeit spezieller Gruppenrufe, um gleichzeitig mehreren Teilnehmer:innen Informationen zukommen zu lassen“.
Wie die regionale Bahngesellschaft „Metropol“, die Bahnen in Niedersachsen, Hamburg und Bremen betreibt, erklärt, sei ein weiterer wichtiger Zweck des Zugfunks „die Information und Kommunikation bei Notfällen. So kann jede Lokführerin oder jeder Lokführer sofort an alle in der Umgebung befindlichen Fahrten einen Nothaltauftrag abgeben, wenn etwas Gefährliches passiert ist. Selbes kann auch die Fahrdienstleiterin oder der Fahrdienstleiter tun und so Schlimmeres verhindern. Ein klassischer Fall für einen Nothaltauftrag sind z. B. Personen auf der Strecke oder ein gestörter Bahnübergang.“
Der Ausfall des kompletten Zugfunks inklusive der Rückfallebene sei daher „nicht nur ein immenses Sicherheitsproblem für einen normalen Zugbetrieb, sondern auch eine derart starke Einschränkung für den ganz normalen Fahrbetrieb, dass dieser nicht ohne Zugfunk möglich ist.“
