Aktuell häufen sich Hinweise auf gefälschte Tagesschau-Seiten, die per Link, Google-Shortlink oder Anzeige verbreitet werden. Der Aufmacher lautet sinngemäß: „Studio-Eskalation bei Maischberger: Chrupalla stellt Merz bloß – live und ohne Skript.“
Die Meldung ist nicht echt. Sie stammt nicht von der Seite tagesschau.de, sondern von nachgebauten Seiten wie tagesschau.financial, journalistischer-tagsblick.click, etc. Die dargestellten Artikel weisen auch unterschiedliche Datumsangaben auf: Einmal ist es der 5. Juni, dann der 21. Juni, jeweils um 00:04 Uhr.
Der angebliche Skandal zwischen Merz und Chrupalla dient als Köder, um Nutzer zu dubiosen Finanzplattformen zu führen.
Die Domains verraten den Fake
Die echte Tagesschau ist unter tagesschau.de erreichbar. Die gemeldeten Links führen dagegen auf andere Domains, die den Namen und die Optik der Tagesschau nachahmen. In den Screenshots sind Logo, Schriftbild, Breadcrumbs und der Begriff „Eilmeldung“ so gestaltet, dass sie Vertrauen erzeugen sollen.
Genau das ist typisch für Fake-Advertorials: Eine bekannte Medienmarke wird imitiert, während der eigentliche Zweck nicht Information, sondern Werbung oder Datenabgriff ist. Auffällig ist auch die URL-Struktur mit Tracking-Parameter, die auf Werbe- und Affiliate-Kampagnen hinweisen, und nicht auf eine normale Nachrichtenseite.
Der Maischberger-Auftritt ist konstruiert
Auch der behauptete Kern hält der Prüfung nicht stand. Für einen gemeinsamen Auftritt von Friedrich Merz und Tino Chrupalla in einer Maischberger-Sendung liegt nach öffentlich auffindbaren Sendungs- und Gästelisten kein Beleg vor. Beide waren bereits bei „maischberger“ zu Gast, aber nicht in der behaupteten gemeinsamen Studio-Szene.
Ein verwendetes Bild passt zudem nicht zur behaupteten Geschichte. Die Aufnahme von Chrupalla stammt nach dem vorliegenden Abgleich aus der „maischberger“-Ausgabe vom 23. Januar 2024.
In dieser Sendung sprach Chrupalla nicht mit Merz, sondern mit dem Rechtsextremismus-Experten Olaf Sundermeyer. Bei ca. Min. 23:40 erkennt man die Handbewegung Chrupallas, die im Artikel-Bild vorkommt. Auch seine Kleidung stimmt überein. Für den Fake-Artikel wurde offenbar ein Bild von Merz in die Szene montiert.
Das angebliche Interview ist erfunden
Der Text arbeitet mit einem bekannten Muster: Zwei prominente Politiker, ein angeblicher Live-Eklat, ein angeblich unterdrücktes Finanzgeheimnis und ein künstlicher Zeitdruck. Nutzer berichten von Formulierungen, wonach man das Finanzwerkzeug nur bis zu einem bestimmten Datum nutzen könne.
Für die angeblichen Aussagen gibt es keinen belastbaren Nachweis. Weder ist eine echte Tagesschau-Meldung dazu bekannt, noch passt die Darstellung zur Arbeitsweise seriöser Nachrichtenangebote. Auch die Namen der beworbenen Finanzprodukte wechseln: Mal ist von „Gratanurex“ die Rede, mal von „Semtovexo“, „Seloriva“ oder ähnlichen Bezeichnungen.
Das Ziel ist die Registrierung
Am Ende solcher Seiten sollen Nutzer sich häufig mit Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse registrieren. Das ist der gefährliche Teil der Masche. Wer dort Daten eingibt, kann anschließend von angeblichen Beratern, Trading-Plattformen oder weiteren Werbenetzwerken kontaktiert werden.
Verbraucherschützer, Polizei und auch wir warnen seit Jahren vor solchen Anlage- und Trading-Werbungen im Netz. Besonders verdächtig sind angeblich sichere Gewinne, Prominenten-Geschichten, künstlicher Zeitdruck und Seiten, die bekannte Medienmarken imitieren.
Nutzer sollten die Seite schließen
Wer eine solche „Eilmeldung“ sieht, sollte den Link nicht weiterverbreiten und keine Daten eingeben. Wichtig ist der Blick auf die Adresse im Browser: Steht dort nicht tagesschau.de, handelt es sich nicht um die echte Tagesschau. Auch verkürzte Links sollten misstrauisch machen, weil sie das eigentliche Ziel verschleiern.
Wer bereits Daten eingegeben hat, sollte keine weiteren Zahlungen leisten, keine Fernwartungssoftware installieren und Kontaktversuche dokumentieren. Bei finanziellen Verlusten ist eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll.

FAQ zum Thema: Fake-Tagesschau zu Merz und Chrupalla
Ist die Tagesschau-Meldung über Chrupalla und Merz echt?
Nein. Die Seiten laufen nicht über tagesschau.de und imitieren nur die Optik der Tagesschau.
Waren Chrupalla und Merz gemeinsam bei Maischberger?
Nein. Friedrich Merz und Tino Chrupalla waren nicht gemeinsam in der behaupteten Maischberger-Sendung zu Gast. Das verwendete Chrupalla-Bild stammt aus der Ausgabe vom 23. Januar 2024; dort sprach Chrupalla mit Olaf Sundermeyer, Merz war in dieser Sendung nicht dabei.
Was ist Gratanurex oder Semtovexo?
Diese Namen erscheinen in den Fake-Artikeln als angebliche Finanzwerkzeuge. Entscheidend ist: Diese Invest-Plattformen werden als Köder genutzt, um Nutzer zur Registrierung zu bewegen.
Warum wirkt die Seite wie die echte Tagesschau?
Weil Logo, Layout, „Eilmeldung“-Optik und Nachrichtensprache nachgebaut werden. Die Domain und der werbliche Inhalt zeigen jedoch, dass es keine echte Tagesschau-Seite ist.
Was soll ich tun, wenn ich meine Daten eingegeben habe?
Keine (weiteren) Zahlungen leisten und keine Software installieren. Kontaktversuche sichern, Bank oder Zahlungsdienstleister informieren und bei Schaden Anzeige erstatten.
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24. Januar 2024
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Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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