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Startseite»Politik»Strukturwandel: Seenlandschaft statt Braunkohlewüste in der Lausitz
Politik

Strukturwandel: Seenlandschaft statt Braunkohlewüste in der Lausitz

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 18:41 Uhr

Fünf Seen, ein Revier, mitten in der Lausitz: Europas angeblich größte künstliche Seenlandschaft ist eröffnet. Wo einst Bergleute und Schaufelradbagger Braunkohle aus der Erde holten, sollen sich nun Urlauber erholen.

Markus Reher

Sie können es offenbar nicht lassen: „Glück auf, Glück auf“, schmettert eine Steiger-Blaskapelle zur offiziellen Eröffnung des Seenverbundes am Sedlitzer See. Tradition wird hier in der Lausitz zwischen Brandenburg und Sachsen groß geschrieben. Der Sedlitzer See ist der jüngste der fünf Seen – und der größte: Erst seit April ist er mit 1.400 Hektar Wasserfläche fürs Baden und die Schifffahrt freigegeben.

Natursanierung und Strukturwandel

Europas angeblich größte künstliche Seenlandschaft ist eine sogenannte Bergbaufolgelandschaft. Die alten Tagebaue mussten zunächst beräumt, Ufer hergestellt, Kippen verdichtet und geflutet werden, um sie für Naherholung und Wassersport nutzbar zu machen.

Die Lausitz – das war lange eine der Lebensadern der DDR: Energielieferant für die realsozialistische Volkswirtschaft, sichere Arbeit und Wohlstand für Tausende Bergleute und ihre Familien – über Generationen. Nun sollen hier Wassersportler, Freizeitkapitäne und Urlauber einziehen.

Erstmals sind Großräschener, Sedlitzer, Partwitzer, Geierswalder und Senftenberger See nun über schiffbare Wasserwege miteinander verbunden. Etwa 50 Kilometer ist eine komplette Runde lang. Gebadet werden darf in allen fünf Gewässern. Es gibt mehrere ausgeschilderte Badestrände. Und, so die zuständige Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV): Die neuen Gewässer wiesen „inzwischen allesamt ein stabiles, pH-neutrales Milieu auf“. Nur an wenigen Stellen sei das Baden verboten, weil noch Restarbeiten stattfänden oder sie Naturschutzgebiet seien.

941 Millionen Euro habe man seit Anfang der 1990er-Jahre für die Sanierung der einstigen Tagebaulöcher aufgewendet, so der LMBV. 5.100 Hektar Wasserfläche sind so entstanden.

Hoffnung Tourismus

„Seit 1973 mit der Eröffnung des Senftenberger Sees haben wir darauf zugearbeitet. Es sind nicht nur Tagesausflüge, sondern jetzt ist wirklich Bootswandern möglich,“ sagt Kathrin Winkler vom Tourismusverband Lausitzer Seenland. Der Verband hofft, dass sich die Zahl der Übernachtungen in den nächsten Jahren beinahe verdoppeln wird, Zielmarke: 1,5 Millionen pro Jahr.

Allein mit dem Sommergeschäft kann das aber nicht erreicht werden, so Winkler. „Wir brauchen größere Ferienhaussiedlungen und auch im Hotelbereich Angebote, die größer angelegt sind – wo ich einen großen Wellnessbereich und so weiter mit dabei habe.“ Denn: Nur wegen einer Übernachtung werde niemand im Winter ins Lausitzer Seenland kommen.

Seenlandschaft noch ausbaufähig

Auch für die Sommermonate ist noch etliches im Aufbau, obwohl schon Marinas, Strände und Radwege angelegt wurden. Am Partwitzer See zum Beispiel fehlt noch ein richtiger Hafen. Campingplatz-Betreiberin Karin Mietke findet: „Der See ist im Moment noch ein bisschen ein Durchfahrtssee.“ Und auch das kulinarische Angebot, Restaurants etwa, Imbisse oder auch einfach nur ein Supermarkt, ist offenbar noch ausbaufähig.

Volker Lieske aus Rheinland-Pfalz erzählt: „So ein Supermarkt würde uns jetzt mal fehlen für Brötchen. Im Urlaub brauchst du Brötchen. Hier musst du immer gucken, dass du dich versorgt hast mit Brot, sonst sieht’s schlecht aus.“

Ingrid Großmann aus Dresden hat vorgesorgt: „Wir haben zu Essen mit, weil wir wissen, dass nicht immer alles offen hat.“ Super gemacht seien die Radwege, lobt sie.

Wohlfühltermin für Landesväter

Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erinnert bei der offiziellen Eröffnung an die Bergbauvergangenheit der Lausitz zu DDR-Zeiten, an die berühmten Mondlandschaften – und macht dabei mit den Zeigefingern Anführungszeichen in die Luft.

Als er in den frühen 1990ern davon gehört habe, dass hier eine Tourismuslandschaft entstehen soll, habe er gedacht: „Das ist eine ziemliche Schnapsidee“ – diesmal ganz ohne Zeigefinger-Anführungszeichen. Die Seenlandschaft jetzt sei für die Region „ein deutliches Plus an Attraktivität“, betont Woidke – neben der Uni-Medizin in Cottbus etwa oder dem Bahnwerk dort.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU hebt die „gute länderübergreifende Zusammenarbeit“ beim Strukturwandel hervor: „Jetzt haben Generationen von Menschen die Chance, hier daraus etwas zu machen. Es wird eine große Auswirkung haben für die Zukunft dieser Region.“ Der Freistaat habe sich bisher mit mehr als 28 Millionen Euro Landesmitteln an der Herstellung der Seenlandschaft beteiligt.

Am Nachmittag dann noch symbolisches Anbaden an der neuen Fünf-Seen-Landschaft: Hunderte gehen gleichzeitig mit blauen Badekappen ins kühle Nass zwischen Großräschen in Brandenburg und Geierswalde in Sachsen, wo einst graubrauner Staub das Landschaftsbild prägte.

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Dr. Heinrich Krämer
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