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Zum 60. der Box-Ikone: Als Mike Tyson Ohren zerfleischte und Umkleidewände zertrümmerte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 30, 2026Keine Kommentare9 Minuten Lesezeit
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Ende der Achtziger ist Mike Tyson ein Megastar, im folgenden Jahrzehnt folgt der Absturz. Doch bis heute ist er neben Muhammad Ali der berühmteste Boxer der Welt. Zum 60. Geburtstag erinnert ntv Sport an die zehn größten Kämpfe Tysons.

1. Die Krönung – Mike Tyson vs. Michael Spinks, 27. Juni 1988 in Atlantic City, USA

Seit seinem Sieg gegen Tony Tucker im Jahr 1987 trägt Mike Tyson zwar die drei Gürtel der anerkannten Weltverbände WBA, WBC und IBF. Viele Box-Puristen (wie etwa das „Ring Magazine“) erkennen allerdings noch immer Michael Spinks als rechtmäßigen Meister aller Klassen an. Der einstige Halbschwergewichts-Champion hatte 1985 den langjährigen Regenten Larry Holmes entthront und den „linearen“ Titel („The Man who beat the Man“) nie im Ring verloren. „Once and for All“, ein für alle Mal – so das Motto des Duells – sollen die ungeschlagenen Weltmeister daher im Juni 1988 klären, wer der wahre König des Schwergewichts ist.

Spinks zieht als 1:4-Außenseiter in das mit Spannung erwartete Gefecht und wirkt neben seinem bulligen Kontrahenten geradezu wie eine Bohnenstange. Um den als Nervenbündel bekannten Tyson zu verunsichern, moniert Spinks‘ Manager Butch Lewis unmittelbar vor dem Kampf dessen Bandagen. Der psychologische Kniff geht nach hinten los. Außer sich vor Wut schlägt „Iron Mike“ beim Aufwärmen ein Loch in die Gipswand der Umkleidekabine und „grüßt“ mit seiner gefürchteten Faust den völlig entsetzten Spinks im benachbarten Raum. Als der Gong ertönt, wirkt der Box-Veteran starr vor Angst. Statt seine gute Beinarbeit zu nutzen, um aus Tysons Treffer-Radar zu entweichen, stellt sich Spinks der K.o.-Maschine zum Kampf. Ein großer Fehler: Nach nur 91 Sekunden schlägt Tyson seinen überforderten Gegner mit einer knallharten Rechten k.o. und beantwortet drei Tage vor seinem 22. Geburtstag eindrucksvoll die Frage, wer im Schwergewicht das Sagen hat.

Mike Tyson machte mit Michael Spinks kurzen Prozess. (Foto: imago images/PCN Photography)

2. Der Rekord – Mike Tyson vs. Trevor Berbick, 22. November 1986 in Las Vegas, USA

1986 hat der TV-Sender HBO eine zündende Idee: Um das Verbandsgewirr mit drei konkurrierenden Schwergewichts-„Weltmeistern“ zu beenden, loben die Fernsehmacher ein Vereinigungsturnier aus. In der Vorrunde des Wettstreits trifft die erst 20-jährige K.o.-Sensation Tyson auf WBC-Titelträger Trevor Berbick, der 1981 Muhammad Alis Karriere beendet hatte. „Tret‘ ihm für mich in den Arsch“, flüstert der als Ehrengast geladene Ali dem Herausforderer vor dem ersten Gongschlag ins Ohr. Tyson gehorcht aufs Wort. Schon in der zweiten Runde schickt der Jungspund seinen erfahrenen Gegner mit einem ansatzlosen linken Haken auf die Bretter. Hilflos torkelt Berbick durch den Ring, versucht verzweifelt die Herrschaft über seine Beine zurückzugewinnen. Vergeblich. Mit 20 Jahren und 144 Tagen krönt sich Tyson zum jüngsten Schwergewichts-Champion aller Zeiten. „Mein Rekord wird bis zur Unsterblichkeit reichen. Er wird nie gebrochen werden“, ist sich der Sieger sicher. Zumindest 40 Jahre später ist die Bestmarke noch immer in Stein gemeißelt.

3. Das Multimillionen-Spektakel – Mike Tyson vs. Lennox Lewis, 8. Juni 2002 in Memphis, USA

Eigentlich ein paar Jahre zu spät treffen im Juni 2002 die vielleicht besten Schwergewichtler ihrer Generation aufeinander. Tyson ist schon 35, Weltmeister Lewis hat gar schon 36 Lenze auf dem Buckel. An den lang erwarteten Superkampf erinnert man sich denn auch weniger der sportlichen Klasse, sondern vor allem der finanziellen Schlagkraft wegen. Beide Boxer erhalten eine garantierte Börse von 17,5 Millionen Dollar, den TV-Sendern HBO und Showtime spült das Pay-per-View-Event fast 107 Millionen Dollar in die Kassen (bis heute Rekord im Schwergewicht).

Das Bohei ist nicht zuletzt deshalb gewaltig, weil Tyson bei einem PR-Termin einen Tumult auslöst, Lewis ins Bein beißt und hinterher ankündigt, dessen „Gehirn im Ring zu verschmieren“. Als es endlich zur Sache geht, zeigt sich der „Bad Boy“ dann geradezu zahm. Lediglich in der ersten Runde blitzt Tysons alte Klasse auf. Danach verabreicht Lewis dem Ex-Champ eine fürchterliche Tracht Prügel. In der achten Runde geht Tyson, von Cuts schwer gezeichnet, nach einer lehrbuchreifen Rechten des Engländers k.o.

Bildnummer-01378043-Datum-08-06-2002-Copyright-imago-Icon-SMI-Lennox-Lewis-England-re
Gegen Lennox Lewis (r.) gab es für Mike Tyson nichts zu holen.

4. Der Biss – Mike Tyson vs. Evander Holyfield, 28. Juni 1997 in Las Vegas, USA

Gespannt warten 18.187 Zuschauer im pickepacke vollen MGM Grand Hotel in der Zockermetropole Las Vegas darauf, ob es Tyson gelingt, den 1996 an Evander Holyfield verlorenen WBA-Titel zurückzuerobern. Sie werden Zeugen eines der größten Skandale der Boxgeschichte. In der zweiten Runde verliert Tyson – wegen ständiger Kopfstöße Holyfields auf 180 – die Nerven und beißt seinem Kontrahenten ein Stück aus dessen rechten Ohr. Holyfield schreit vor Schmerz, kämpft aber zunächst weiter. Als Tyson in Runde drei trotz eines Punktabzugs erneut die Zähne fletscht, wird er disqualifiziert. Nach dem Urteilsspruch rastet der „Beißer“ völlig aus, will Holyfield an den Kragen. Die Security muss in voller Mannschaftsstärke ausrücken, um den wie von Sinnen um sich schlagenden Tyson zurückzuhalten. „Ich bin einfach ausgetickt, ich kann nicht sagen, warum ich mich so verhalten habe“, gibt sich der damals 30-Jährige hinterher kleinlaut. Für Tyson hat die Vampir-Einlage Konsequenzen: Die Nevada-Kommission entzieht ihm die Box-Lizenz, erst zwei Jahre darf er wieder in den Ring.

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Unfassbar bis heute: Mike Tyson beißt Evander Holyfield ein Stück aus dem rechten Ohr. (Foto: imago images/Icon SMI)

5. Die Bewährungsprobe – Mike Tyson vs. Tony Tucker, 1. August 1987 in Las Vegas, USA

Die Gürtel von WBC und WBA hat Tyson im Rahmen des HBO-Turniers schon eingesammelt, fehlt nur noch die IBF-Krone zur Heiligen Dreifaltigkeit. Deren Träger stellt für Tyson allerdings einen echten Härtetest dar: Tony Tucker hat nicht nur all seine 34 Kämpfe gewonnen (29 durch K.o.). Mit einer Größe von 1,96 Meter überragt er „Iron Mike“ (1,78 Meter) um fast eine Kopflänge. Der Kampf ist gerade einmal 20 Sekunden alt, da erwischt Tucker den wild anstürmenden Tyson mit einem schweren linken Aufwärtshaken. Der 21-Jährige wird vom TNT (so Tuckers Kampfname) seines Gegners zwar mächtig durchgerüttelt, übersteht die für ihn ungewohnte Situation aber unbeschadet. Im Anschluss diktiert Tyson das Gefecht, lässt sich auch von den Klammeraktionen seines Gegners nicht beirren. Nach taktisch disziplinierten, aber keineswegs langweiligen zwölf Runden gibt es am klaren Punktsieg Tyson nichts zu deuteln. Der Champ hat seine Bewährungsprobe mit Bravour bestanden.

6. Die Rückkehr des Königs – Mike Tyson vs. Frank Bruno, 16. März 1996 in Las Vegas, USA

Nach zwei kurzrundigen Siegen gegen Kanonenfutter kämpft Tyson im Frühjahr 1986 erstmals seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis (1992 war er schuldig gesprochen worden, ein Model vergewaltigt zu haben) wieder um einen WM-Titel. WBC-Champion Frank Bruno aus London ist zwar 13 Kilogramm schwerer als der Amerikaner, sieht aber – wie beim ersten Aufeinandertreffen der beiden 1989 – kein Land. In der dritten Runde feuert Tyson eine Serie von nicht weniger als 13 wuchtigen Schlägen auf den bemitleidenswerten Bruno ab. Referee Mills Lane bewahrt den Liebling der Briten vor größeren Schäden. Zehn Jahre nach seinem ersten Titelgewinn erklimmt Tyson zum zweiten Mal den Schwergewichts-Thron.   

7. Die Jahrhundert-Sensation – Mike Tyson vs. Buster Douglas, 11. Februar 1990 in Tokio, Japan

James „Buster“ Douglas werden vor seinem Ring-Rendezvous mit Tyson in etwa so viele Chancen eingeräumt, wie einem verurteilten Römer, den man im Kolosseum den Löwen zum Fraß vorwirft. Die Wetten stehen 42:1, dass der Weltmeister seinen Titel verteidigt.

Was die Buchmacher nicht wissen: Tyson hat private Probleme und ist von seiner Bestform weiter entfernt, als in Tokio die Glocke läutet. Bis auf einen Niederschlag in der achten Runde bringt er nichts zustande. Stattdessen boxt ihn der technisch versierte Douglas mit seiner linken Führhand aus. In Runde zehn läuft Tyson geradewegs in einen Aufwärtshaken und geht nach einer folgenden Linken des Herausforderers erstmals in seiner Karriere zu Boden. Die 40.000 am Ring und die Millionen Zuschauer vor den Fernsehern dieser Welt trauen ihren Augen nicht. Verzweifelt greift der gefallene Mythos nach seinem Mundschutz, als sich der Nebel lichtet. Zu spät. Der Ringrichter zählt Tyson aus, die größte Box-Sensation des 20. Jahrhunderts ist perfekt.    

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Buster Douglas schickt Tyson auf die Matte. (Foto: imago images/Colorsport)

8. Die Wachablösung – Mike Tyson vs. Larry Holmes, 22. Januar 1988 in Atlantic City, USA

Larry Holmes ist von dem ganzen Hype, der Ende der 1980er-Jahre um die K.o.-Maschine Tyson entsteht, gänzlich unbeeindruckt. Schließlich hat der „Easton Assassin“ nach seinem Sieg über Muhammad Ali 1980 das Schwergewicht jahrelang beherrscht. Selbstbewusst verspricht der Altmeister, seinem jungen „Nachfahren“ eine kostenlose Box-Lektion zu erteilen. Dank seiner exzellenten Technik kann Holmes immerhin drei Runden mithalten, dann übermannt ihn die Power des 16 Jahre jüngeren Rivalen. Als der 38-Jährige in Runde vier nach einer krachenden Rechten Tysons zum dritten Mal zu Boden sackt, fängt Ringrichter Joe Cortez erst gar nicht mit dem Zählen an. Der alte Löwe muss sein Revier endgültig an das Alphatier der neuen Generation abtreten.

9. Big in Japan – Mike Tyson vs. Tony Tubbs, 21. März 1988 in Tokio, Japan

Seine brutalen Knockouts machen Tyson in Windeseile zu einem weltweiten Superstar. Vor allem im Land der aufgehenden Sonne ist man von dem lediglich 1,78 Meter großen Box-Samurai fasziniert, der seine meist weitaus größeren Gegner wie Bäume fällt. Mehr als 50.000 Japaner pilgern Anfang 1988 in den Tokyo Dome, um zu erleben, wie man Tyson auf Ex-WBA-Weltmeister Tony Tubbs loslässt. Und sie werden nicht enttäuscht. Mit seinem „Peek-a-boo-Stil“ fegt der Weltmeister wie ein Taifun über Tubbs hinweg und befördert den Herausforderer zum Ende der zweiten Runde mit einem linken Haken ins Märchenland. 

10. Der Blitz-Knockout – Mike Tyson vs. Marvin Frazier, 26. Juli 1986 in New York, USA

Auf dem Weg zum Titelkampf muss Tyson im Sommer 1986 den Sohn einer Boxlegende aus dem Weg räumen. Marvis Frazier sieht Vater Joe zwar zum Verwechseln ähnlich, an die boxerische Klasse seines alten Herrn reicht er aber bei Weitem nicht heran. Mit „Iron Mike“ im Ring wirkt er vielmehr wie ein Lamm auf der Schlachtbank. Das ungleiche Duell dauert gerade einmal 30 Sekunden. Nach einer brutalen Trefferserie geht Frazier schwer k.o., muss mehrere Minuten versorgt werden. Am Ende darf man froh sein, dass bei Tysons Blitz-K.o. – dem schnellsten seiner 22 Erstrunden-Knockouts – nichts Schlimmeres passiert.

Verwendete Quelle: ntv.de

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