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Politik

Raketenabwehrsystem „Arrow“ wird in Kaufbeuren stationiert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.06.2026 • 18:40 Uhr

Mit dem Raketenabwehrsystem „Arrow“ will die Bundeswehr eine Lücke in der Luftverteidigung schließen. Kaufbeuren wird ein weiterer Standort werden. Warum setzt die Bundeswehr auf „Arrow“?

Das Raketenabwehrsystem „Arrow“ gehört zu den größten Investitionen der Bundeswehr in den kommenden Jahren. Für mehr als drei Milliarden Euro kauft die Bundesrepublik insgesamt drei der israelisch-amerikanischen Systeme, die feindliche Raketen in großer Höhe abfangen sollen. Seit Ende des vergangenen Jahres werden sie schrittweise stationiert und in Betrieb genommen.

Jetzt hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei einem Besuch vor Ort bestätigt, dass eines der Systeme in Kaufbeuren stationiert wird. Söder sprach von einem erheblichen Gewinn an Sicherheit für Bayern, Deutschland und Europa.

Für die Bundeswehr spielt die bayerische Landesregierung bei der Stationierung in Kaufbeuren eine entscheidende Rolle. Denn die hochsensible Radaranlage soll nicht auf dem bestehenden Kasernengelände gebaut werden, sondern auf einem höher gelegenen Stück Land, das bisher im Besitz des Freistaats Bayern ist.

Gelände der Luftwaffe am Fliegerhorst Kaufbeuren. Hier in der Nähe soll die Raketenabwehr stationiert werden.

Lücke in der Verteidigung schließen

Mit „Arrow“ will die Bundeswehr eine Lücke in der Luftverteidigung schließen. Das System soll nämlich sehr hoch anfliegende Mittel- und Langstreckenraketen frühzeitig erfassen, identifizieren und dann in einer Höhe von 100 Kilometern abfangen, also am Rand des Weltraums.

Damit ist die Reichweite der Abwehrraketen vom Typ „Arrow 3“ deutlich größer als bei anderen bodengestützten Systemen wie „Patriot“ oder „Iris-T SLM“ des bayerischen Herstellers Diehl. Ursprünglich hatte der Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) „Arrow“ gemeinsam mit Boeing entwickelt, um Israel vor iranischen Raketen zu schützen.

Reaktion auf russische Drohgebärden

Deutschland bestellte das System im September 2023 als Reaktion auf Drohgebärden Moskaus im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte damals, „Arrow“ werde „die deutsche Luftverteidigung zukunftsfähig aufstellen“.

Das System soll in den NATO-Schutzschirm über Europa integriert werden und könne auch Teil der sogenannten European Sky Shield Initiative (ESSI) werden. Diese soll in den kommenden Jahren die Luftverteidigung von inzwischen 18 europäischen Partnerländen modernisieren und vereinheitlichen.

Drei Standorte in Deutschland geplant

Bei einer Zeremonie am Fliegerhorst Holzdorf an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt nahm die Bundeswehr ihr erstes „Arrow“-System Ende des vergangenen Jahres symbolisch in Betrieb. Die offizielle Erklärung der sogenannten Anfangsbefähigung besagte damals, dass ein erstes komplettes System aus Radar, Feuerleitstand und Startanlagen samt Abfangraketen zur Verfügung steht.

Für die kommenden Jahre ist neben Holzdorf und Kaufbeuren noch ein Standort im Norden der Republik geplant. Damit soll der Luftraum über ganz Deutschland und Nachbarländern wie Polen, Dänemark, Österreich oder der Tschechischen Republik abgesichert werden.

In Kaufbeuren gibt es bereits bestehende Einrichtungen der Luftwaffe, die aber dringend modernisiert werden müssen. Als Problem galt lange, dass Teile der Kasernenbauten in Kaufbeuren unter Denkmalschutz stehen, was einer möglichen Modernisierung zunächst sehr enge Grenzen gesetzt hatte. Der Freistaat Bayern hat allerdings im Zuge mehrerer Gesetzesnovellen beschlossen, dass für Fragen der Landesverteidigung der Denkmal- und Umweltschutz zum Teil weniger streng gehandhabt werden als in der Vergangenheit.

Bundeswehr noch mit großen Lücken in der Luftverteidigung

Auch wenn die Bundeswehr zuletzt massiv in die Luftverteidigung investiert hat – bis die entsprechenden Systeme vollständig einsatzbereit sind, werden noch Jahre vergehen. Hintergrund ist, dass Deutschland nach dem Ende des Kalten Krieges seine sogenannte bodengestützte Luftverteidigung nahezu vollständig abgebaut hatte. Die Bundeswehr konzentrierte sich damals auf Auslandseinsätze wie in Afghanistan.

Die Landes- und Bündnisverteidigung gegen einen militärisch hochgerüsteten Gegner rückte seinerzeit in den Hintergrund. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Flugabwehrpanzer „Gepard“, den die Bundeswehr im Jahr 2010 ausmusterte, der aber heute in der Ukraine wieder gegen tief fliegende Hubschrauber und Flugzeuge sowie Drohnen eingesetzt wird. Er soll bei den deutschen Streitkräften in den kommenden Jahren durch den „Skyranger“-Panzer von Rheinmetall ersetzt werden. Allerdings gibt es hier bereits deutliche Verzögerungen.

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