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Kiews Angriffe zeigen Wirkung: Nur noch zwei Raffinerien aus Russlands Top 10 sind unversehrt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 30, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Kiews Angriffe zeigen WirkungNur noch zwei Raffinerien aus Russlands Top 10 sind unversehrt

30.06.2026, 20:13 Uhr Von Uladzimir Zhyhachou (Text) und Martin Morcinek (Daten)
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Riesige Rauchwolke über Moskau nach einem ukrainischen Drohnenangriff am 18. Juni. Die getroffene Raffinerie bleibt Experten zufolge nun monatelang außer Betrieb. (Foto: SOCIAL MEDIA via REUTERS)

Ukrainische Drohnenangriffe auf Ölraffinerien stürzen Russland in eine schwere Treibstoffkrise. Von den zehn größten Anlagen wurden fast alle mindestens einmal getroffen. Nur zwei – beide hinter dem Ural – blieben bislang verschont. Doch auch sie sind nicht sicher.

Während sich die Frontlinie in der Ukraine seit Langem kaum bewegt und keine der Kriegsparteien größere Geländegewinne erzielt, ist der Krieg zu einem Stellungskrieg geworden. Neue Ansätze sind gefragt. Die Ukraine setzt daher seit Wochen massenhaft auf Angriffe gegen Russlands Ölraffinerien – mit teils spektakulären Erfolgen. Getroffen werden nicht nur Anlagen im Südwesten Russlands nahe der ukrainischen Grenze, sondern auch Ziele tief im Hinterland.

Bei Wladimir Putins Prestige-Event, dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum, „begrüßte“ und „verabschiedete“ die Stadt Anfang Juni die Gäste mit gewaltigen Rauchwolken nach ukrainischen Angriffen zu Beginn und Ende der Veranstaltung. Ein paar Wochen später griff die Ukraine eine Ölraffinerie in Moskau an – Fotos von der in schwarze Rauchschwaden gehüllten Hauptstadtregion gingen um die Welt.

Nicht alle ukrainischen Treffer sorgen für so viel Aufmerksamkeit in den westlichen Medien, zumal die Meldungen über die Angriffe auf Russlands Energieanlagen inzwischen an der Tagesordnung sind. Bereits Ende Mai 2026 gab es laut einem Reuters-Bericht keine größere Ölraffinerie im europäischen Teil Russlands – also westlich des Urals –, die nicht mindestens einmal Ziel ukrainischer Drohnen geworden war.

Einige Anlagen wurden mehrfach angegriffen. So wurde etwa die Lukoil-Raffinerie in Wolgograd, die jährlich mehr als 14 Millionen Tonnen Öl verarbeitet und damit über fünf Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität ausmacht, inzwischen mindestens zehnmal attackiert.

Ein Drittel der Raffineriekapazitäten steht wohl still

Die Folgen sind erheblich. Mehrere Anlagen mussten ihre Produktion drosseln oder vollständig einstellen, was zu einer schweren Treibstoffkrise führte. In Russland, einer Rohstoffgroßmacht, wird Benzin knapp. Bereits Anfang Juni sank die tägliche Ölverarbeitung laut Analysten der Beratungsfirma Energy Intelligence auf unter vier Millionen Barrel – den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. Demnach steht etwa ein Drittel der Raffineriekapazitäten derzeit still. Branchenkreisen zufolge wird beispielsweise die Moskauer Raffinerie für mindestens ein halbes Jahr ausfallen.

Im ganzen Land bilden sich lange Schlangen an Tankstellen. Autofahrer warten teils stundenlang, in der Region Transbaikalien Berichten zufolge sogar bis zu 36 Stunden. Und selbst wer endlich tanken kann, muss bald wieder anstehen: In vielen Regionen ist die Abgabe begrenzt – in Transbaikalien etwa auf maximal 15 Liter pro Woche.

Auf der bereits 2014 annektierten Krim wird Benzin nur noch über digitale Bezugsscheine per QR-Code ausgegeben – und auf maximal 20 Liter pro Woche begrenzt. Und selbst in der Region Omsk, in der sich die größte Ölraffinerie des Landes befindet, gelten Verkaufsverbote für Kraftstoff in Kanistern sowie Begrenzungen auf 40 Liter pro Tankfüllung.

Und das, obwohl die Anlage in Omsk neben der in Angarsk am Baikalsee die einzige aus den Top 10 der größten Raffinerien des Landes ist – gemessen an der Verarbeitungskapazität – die noch nie von ukrainischen Drohnen angegriffen wurde. In der Raffinerie Omsk kam es zwar bereits im August 2024 zu einer Explosion mit anschließendem Großbrand, der zeitweise etwa die Hälfte der Kapazitäten lahmlegte – Hinweise auf eine ukrainische Beteiligung lagen aber nicht vor.

Beide Anlagen, die noch nie Ziel der ukrainischen Drohnenangriffe waren, liegen östlich des Ural-Gebirges, im asiatischen Teil Russlands, und somit weit weg von der Ukraine. Ganz sicher vor Angriffen sind sie dadurch allerdings nicht.

Einzelne Vorfälle zeigen, dass für die ukrainischen Drohnen auch weit entfernte Ziele potenziell erreichbar sind. So meldeten russische Behörden am 20. Juni einen Drohnenangriff auf eine Raffinerie in der westsibirischen Region Tjumen, rund 2000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Zwar seien die Drohnen abgefangen worden und es habe keine Schäden gegeben – dennoch verdeutlicht der Vorfall die wachsende Reichweite solcher Angriffe.

Angriffe aus dem Inneren Russlands heraus

Hinzu kommt, dass Drohnenoperationen nicht zwingend direkt von ukrainischem Territorium aus gestartet werden müssen. Bei der Operation „Spinnennetz“ des ukrainischen Geheimdienstes SBU im Juni 2025 wurden zahlreiche kleine Drohnen mit Sprengstoff in Containern versteckt. Die Container wurden von beauftragten, ahnungslosen russischen Fahrern auf Transportern in die Nähe der Ziele gefahren. Per Fernsteuerung stiegen dann die Drohnen durch die geöffneten Dächer der Container auf und griffen ihre Ziele – Militärflugplätze – an. Unter anderem auch im Fernen Osten Russlands. Auch wenn die Operation mehrere Monate im Voraus geplant werden musste, zeigt sie, dass selbst vermeintlich sichere Gebiete nicht mehr automatisch vor Angriffen geschützt sind.

Während es an der Front kaum Bewegung gibt, versucht die Ukraine also, Russland auf anderem Wege unter Druck zu setzen – mit zunehmendem Erfolg. Die Treibstoffknappheit, steigende Preise und das Gefühl, dass der Krieg inzwischen auch im eigenen Alltag sichtbar wird, setzen die russische Wirtschaft und Gesellschaft spürbar unter Druck.

Präsident Putin gab die Versorgungsprobleme öffentlich zu und berief eine Krisensitzung ein. Der Kreml prüft nun inzwischen sogar den Import von Benzin und erwägt ein Exportverbot für Diesel. Während der Krieg lange Zeit für viele Menschen abstrakt blieb, wird er nun im Alltag spürbar – an der Tankstelle, in steigenden Preisen und durch sichtbare Angriffe auf eigenem Territorium. Ob und wann sich dieser Druck politisch niederschlägt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Ukraine hat einen Weg gefunden, den Krieg nach Russland hineinzutragen.

Quelle: ntv.de

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