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Startseite»Nachrichten»Soll England doch kommen!: Bier fliegt durch die Luft: Mexiko zerrupft DFB-Schreck und brüllt Coup herbei
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Soll England doch kommen!: Bier fliegt durch die Luft: Mexiko zerrupft DFB-Schreck und brüllt Coup herbei

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 1, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Selbst Blitz und Donner können diese furiosen Mexikaner nicht aufhalten: Im frenetischen Azteken-Hexenkessel überrollt El Trí Ecuador derart dominant, dass der Bierdunst das Stadion nie wieder verlässt – und ein besonderes Lied angestimmt wird.

Anderthalb Stunden vor der Partie kracht es gewaltig. Blitze zucken am tiefschwarzen Himmel von Mexiko-City, Donner rumort durch das ehrwürdige Aztekenstadion. Weltuntergangsstimmung pur. Mythischer geht es nicht. Die Fans jubeln bei jedem Donnerschlag, der sogar die brutal laute Musik, die die Sitze zum Vibrieren bringt, übertönt. 80.824 Fußballverrückte sind heiß auf das erste K.o.-Spiel der El Tri.

Doch das Gewitter ist nichts gegen die seismische Eruption, die bald darauf durch das Stadion knallt. Denn das 1:0 kracht lauter als jeder Donner. Nachdem Mexiko furios ins Sechzehntelfinale startet, lupft Roberto Alvarado traumhaft in den Lauf von Julian Quinones, der unnachahmlich in den Sechzehner rast – und die Kugel völlig humorlos in den kurzen, oberen Winkel nagelt (22.).

Schuss wie ein Strich: Quiñones hämmert Mexiko in Führung

Von Jubel zu sprechen, ist anschließend komplett untertrieben. Es ist die pure Ekstase. Literweise Bier fliegen in die Höhe, Menschen springen auf und ab und fallen sich in die Arme und ein paar Reihen nach vorne. Der Lärm lässt Trommelfelle beinahe platzen. Und der Biergeruch wabert noch so lange durchs Rund, bis Mexiko mit einem hochverdienten 2:0 (2:0)-Sieg ins Achtelfinale einzieht, der weitaus dominanter daherkommt, als das Ergebnis den Anschein macht. Es ist der erste Sieg in einem K.o.-Spiel bei einer WM seit 1986.

Mexiko – Ecuador 2:0 (2:0)

Mexiko: Rangel – Sanchez, Montes, Vázquez, Gallardo – Mora (59. Gutierrez), Lira, Romo (73. Vargas) – Alvarado (80. Reyes), Jimenez (73. Gimenez), Quinones (80. Pineda). – Trainer: Aguirre

Ecuador: Galindez – Franco (46. Medina), Ordonez (46. Preciado), Pacho, Hincapié – M. Caicedo, Vite – Yeboah (79. J. Caicedo), Plata, Angulo (79. Paez) – E. Valencia (59. Rodriguez). – Trainer: Beccacece

Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)

Tore: 1:0 Julían Quinones (23.), 2:0 Raul Jimenez (31.)

Rote Karte: Hancapié (90.+5, grobe Unsportlichkeit)

Gelbe Karte: – Franco, Paez, M. Caicedo

Zuschauer: 80.824 in Mexiko-Stadt

Dabei beginnt alles mit einem Dämpfer. Das Gewitter und der heftige Regen lösen nicht nur in den USA, sondern auch in Mexiko einen FIFA-Alarm aus, woraufhin diese unverzüglich die für solche Wetterereignisse festgelegten Sicherheitsprotokolle aktiviert. „Bleiben Sie auf Ihren Plätzen“, warnen die Bildschirme, „das ist der sicherste Bereich.“ Die Partie beginnt mit 60 Minuten Verspätung – doch dafür gibt die FIFA bekannt: Aufgrund des späteren Anpfiffs gibt es diesmal keine Trinkpause. Der Schiedsrichter gibt sie dann aber doch.

Mexiko ist längst Weltmeister im Feiern

Vor den Toren und auf den Rängen im Stadion herrscht so oder so pure Heiterkeit. Denn dort ist Mexiko längst Weltmeister: im Feiern. Die Mexikaner tanzen und singen, bejubeln ihr ganz eigenes Sommermärchen. Tausende versammeln sich für riesige Partys an öffentlichen Plätzen, Tausende fahren zum Stadion, obwohl sie keine Tickets haben. Der Unterschied zu den Spielen in den USA ist eklatant.

Wie in Deutschland bei der WM 2006 lebt die Nationalelf enorm von der Stimmung und setzt auf den Mythos Aztekenstadion und das lautstarke Publikum auf 2240 Metern über dem Wasserspiegel. 99 Prozent der 80.000 tragen hier an diesem Abend das grüne Trikot, in einer Kurve gibt es ein paar gelbe Flecke. Dank des Heimvorteils gelangen schon in der Vorrunde drei Siege ohne Gegentor, obwohl das Spiel der Mexikaner hier und da einiges zu wünschen übrigließ.

Mit der Partie gegen Ecuador, der zuvor noch die DFB-Elf in die Schranken gewiesen hatte, kennt der Jubel überhaupt keine Grenzen mehr. Vor allem, weil El Tri, angepeitscht von der elektrisierenden Atmosphäre, von Anfang an rasant anrennt. In der 7. Minute schlägt Luis Romo eine butterweiche Flanke von der rechten Seite und im Strafraum stiehlt sich Raul Jimenez davon. Sein Flugkopfball fliegt links am Kasten vorbei. Welch Chance, das muss fast schon das frühe 1:0 sein. Das Stadion ist bereit für die Explosion, das Publikum will die Pille notfalls auch reinschreien.

Nur neun Zeigerumdrehungen später erhält das erst 17-jährigen Supertalent Gilberto Mora das Spielgerät nach einer Ecke am Strafraumeck. Der Teenager versucht es mit einem traumhaften Schlenzer: nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei. 6:0 Torversuche werden auf den Anzeigen eingeblendet, das ist die beste Viertelstunde Fußball, die Mexiko bei diesem Turnier gezeigt hat.

Kurz darauf hat John Yeboah die erste Möglichkeit für den DFB-Schreck, spielt den Ball durch die Hosenträger seines Gegenspielers und tankt sich in den Strafraum vor. Der Abschluss per Pike landet am Außenpfosten. Viel mehr kommt dann aber nicht mehr von Ecuador.

Mexiko dominiert Ecuador gnadenlos

Denn das hervorragende Fußballspiel wird gnadenlos bestimmt von Mexiko, das dem Gegner null Raum zur Entfaltung lässt. Kaum ist der Bierdunst von Quinones‘ 1:0 verzogen, gibt es Nachschlag. Weil Mexiko nicht lang fackelt, sondern mit vollem Herz und Einsatz weitermacht und knallhart draufhält. So, lieber DFB, gewinnt man K.o.-Spiele.

Ecuador klärt den Ball stümperhaft aus dem eigenen Strafraum, Jimenez spritzt dazwischen und gibt ab auf Quinones. Dieser hat das perfekte Auge für seinen Stürmerkollegen, der das erste Tor kopieren will – und den Ball diesmal eiskalt in den rechten, oberen Winkel schweißt (31).

¡Dios mío! Erupción número dos, nur neun Minuten liegen zwischen den Treffern. Wann wird der Feiertag für die Nation ausgerufen? Was auch immer die nächste Stufe nach dem Traumland sein mag – Mexiko ist genau dort, genau jetzt. Und kurz nach dem 2:0 ertönt sogar ein Gesang, den man selbst im Aztekentempel, der mehr Fußballgeschichte als jedes andere Stadion erlebt hat, noch nie hörte.

„¿Y si sí?“, brüllen die Fans lautstark. „Was, wenn doch?“. Der Satz, der in den letzten Wochen in den sozialen Netzwerken die Runde machte, beschäftigt ganz Mexiko. Innerhalb weniger Tage sprang der Satz von den Bildschirmen auf die Straße. Adidas, die Marke, die die mexikanische Nationalmannschaft ausstattet, druckte ihn auf T-Shirts und Taschen, Supermärkte integrierten ihn in Kaufbelege. Er ist das Echo einer kollektiven Hoffnung, dass es diesmal vielleicht wirklich den ersten WM-Titel geben könnte. Es wird ausgesprochen, und nun auch im Stadion gesungen, was die Skepsis im Fußballland ohne einzigen Stern normalerweise verschweigt.

Der Traum vom großen Coup

In der zweiten Hälfte schaltet Mexiko einen Gang runter, lässt aber von Ecuador weiter nicht viel zu. Zwar kann El Trí auch vorne den Sack nicht ganz zumachen und lässt etwa eine Doppel-Kopfballchance nach zwei aufeinanderfolgenden Ecken sträflich aus (68.). Doch bis auf eine Möglichkeit, in der der eingewechselte Kevin Rodriguez vergeblich versucht, die Kugel nach einem langen Ball ins Netz zu spitzeln, bringt der erste DFB-Besieger keine weitere Gefahr mehr auf den Rasen. Piero Hincapié holt sich noch eine Rote Karte ab, weil er mit vorgehaltener Hand ein paar böse Worte in das Ohr von Santiago Gimenez flüstert.

Ex-Bundesliga-Star sieht Rot wegen Hand vor dem Mund

Video poster

Jetzt kann auch Thomas Tuchels England ruhig kommen, so die Three Lions denn gegen DR Kongo gewinnen. Schließlich findet das Achtelfinale wieder im frenetischen Azteken-Hexenkessel statt, wo El Trí seit 2013 kein Pflichtspiel mehr verloren hat – und Mexiko ist dazu bei der WM noch ohne Gegentor. Im gesamten Jahr 2026 hat El Trí sogar kein einziges Spiel verloren, gegen Portugal (0:0) und Belgien (1:1) gab es Unentschieden. Das stärkt den Teamgeist und versetzt die Mannschaft in eine traumhafte Lage bei dieser WM. Nun ist es am erfahrenen Trainer Aguirre, diese Hochphase zu managen. „War das ein perfektes Spiel? Vielleicht“, sagte der Coach später. „Die Beziehung zu den Menschen Mexikos gibt uns einen enormen Boost. Es war ein schwieriges Spiel, aber es hat sich in eine wunderschöne Nacht für alle Mexikaner verwandelt.“

Die Träume der Tausenden Fans kann er schon lange nicht mehr aufhalten. Sie halten sich in den Armen, genießen den Bierdunst – und singen aus voller Kehle: „¿Y si sí?“

Verwendete Quelle: ntv.de

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