Anthropic will den Zugang zu seinen Modellen „Mythos 5“ und „Fable 5“ wiederherstellen. Zuvor hatte das Unternehmen beide KI-Modelle auf Druck der US-Regierung blockiert. Streitpunkt waren angebliche Sicherheitslücken.
Die US-Regierung hat ihre Exportsperren für die neuesten Modelle Künstlicher Intelligenz (KI) des Unternehmens Anthropic wieder aufgehoben. Man werde heute damit anfangen, den Zugang zu den Modellen „Mythos 5“ und „Fable 5“ wiederherzustellen, teilte Anthropic mit.
Bereits vergangene Woche hatte Anthropic „Mythos 5“ für ausgewählte Firmen wieder freigegeben, nachdem das US-Handelsministerium die Weitergabe an „vertrauenswürdigen Partnern“ ohne Exportlizenz wieder erlaubt hatte.
Zuvor hatte die Regierung Mitte Juni verfügt, dass nur Amerikaner Zugriff auf die KI-Modelle haben durften – was auch für Mitarbeiter der Firma galt. Anthropic blockierte daraufhin beide Modelle komplett, um die Forderung erfüllen zu können.
Sperren führen zu Sorgen in Europa
Die Künstliche Intelligenz hinter Anthropics KI-Modell „Mythos“ ist besonders gut darin, zum Teil auch über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Software-Schwachstellen aufzuspüren. Diese Fähigkeit wurde bisher von US-Behörden und ausgewählten Unternehmen eingesetzt, um die Sicherheitslücken zu stopfen. Eine Sorge war von Anfang an, dass eine solche KI in den falschen Händen zu einer gefährlichen Cyberwaffe werden könnte.
Das Mitte Juni veröffentlichte Modell „Fable 5“ basiert auf der „Mythos“-Technologie – bei ihm werden aber die Cybersicherheits- und Biotechnologie-Fähigkeiten blockiert.
Die Sperre der beiden KI-Modelle hatte auch Sorgen in Europa ausgelöst, wo man von der KI-Infrastruktur amerikanischer Firmen größtenteils abhängig ist. Vor ein paar Tagen hatte auch der ChatGPT-Entwickler OpenAI den Zugang zu seinem neuesten KI-Modell auf Forderung der US-Regierung eingeschränkt.
Gespräche über mögliche Sicherheitsrisiken
Auslöser für das Vorgehen der Regierung waren Warnungen, dass Sicherheitsvorkehrungen, die etwa den Einsatz von „Fable 5“ zur Suche nach Software-Schwachstellen verhindern sollen, ausgehebelt werden könnten. Anthropic bestritt, dass es eine Gefahr gebe. Regierung und Unternehmen führten in den vergangenen Wochen zähe Gespräche.
Handelsminister Howard Lutnick verwies in einem von Medien veröffentlichten Brief zur Aufhebung der Sperre darauf, dass die Firma sich unter anderem bereit erklärt habe, aktiv nach Sicherheitsrisiken in den Modellen zu suchen und sie zu schließen.
Spannungen mit US-Regierung
Anthropic geriet in den vergangenen Monaten immer wieder in die Schlagzeilen. Die Firma riskierte einen Konflikt mit der US-Regierung, da sie trotz Drucks darauf bestand, dass ihre KI-Modelle nicht in autonomen Waffensystemen und zur Massenüberwachung in den USA verwendet werden dürfen.
Das Pentagon erklärte Anthropic daraufhin zu einem Lieferketten-Risiko, was den Einsatz von Software des Unternehmens in Regierungsbehörden schwer beeinträchtigen kann. Die Firma klagt dagegen. Die Cybersicherheitsfähigkeiten von „Mythos“ machten Anthropic dann aber wieder wichtig für die US-Regierung.
