Aktuell verbreitet sich ein Video einer stark verformten Ampel in Berlin. Die Einblendung im Video behauptet sinngemäß, die Anlage sei bei 35 Grad im Schatten geschmolzen, geteilt wird das Video auch international.
Dafür spricht nach den vorliegenden Informationen nichts. Die gezeigte Ampel lässt sich sehr deutlich einem Brand am Club „Renate“ in Berlin-Friedrichshain zuordnen. Die sommerliche Einblendung nutzt offenbar echtes Bildmaterial, verschiebt aber die Ursache.
Die Spur führt zur „Renate“
Der Aufnahmeort passt zur Kreuzung Markgrafendamm / Alt-Stralau in Berlin-Friedrichshain. Im Video ist im Hintergrund ein weißes Gebäude mit abgerundeter Ecke zu sehen. Dieses Gebäude ist auch auf Google Street View an der gegenüberliegenden Straßenseite des Clubs „Wilde Renate“ erkennbar.
Genau dort kam es in der Nacht zum 19. Juni 2025 zu einem Feuer. rbb24 berichtete am 19. Juni 2025, dass im Außenbereich des Clubs ein Holzzaun und eine Baracke brannten. In dem Bericht heißt es zudem, bei dem Feuer seien unter anderem Fahrräder und eine Ampel vor dem Club beschädigt worden. Die beschädigte Ampelanlage an der Kreuzung Markgrafendamm Ecke Alt-Stralau habe repariert werden müssen.
Auch B.Z. berichtete nach dem Brand, dass die Kreuzung am Markgrafendamm zeitweise von der Polizei geregelt werden musste, während eine Firma beschädigte beziehungsweise geschmolzene Ampeln austauschte.
Der Kontext wurde verschoben
Die Bilder zeigen damit offenbar keine Ampel, die durch Sommerhitze verformt wurde. Sie zeigen eine Ampelanlage, die in unmittelbarer Nähe eines Brandorts beschädigt wurde.
Das erklärt auch einen Punkt, der im Video selbst auffällt: Andere Ampeln in der Umgebung sehen nicht geschmolzen aus. Wäre die Ursache tatsächlich die Lufttemperatur von 35 Grad, wäre nicht plausibel, warum ausgerechnet eine einzelne Ampel so stark deformiert ist, während andere Anlagen in direkter Nähe intakt bleiben.
Plausibel ist dagegen ein lokaler Hitzeschaden durch Feuer. Genau dazu passen die Medienberichte über den Brand am Clubgelände und die danach notwendigen Reparaturen an der Kreuzung.
35 Grad reichen nicht aus
Auch technisch ist die Behauptung nicht überzeugend. Nach Angaben des Tagesspiegels erklärte das zuständige Landesunternehmen infraSignal, Berlins Ampelanlagen bestünden aus massivem Kunststoff. Verformungen seien demnach erst bei Temperaturen um knapp 100 Grad Celsius möglich.
Lufttemperaturen von 35 bis knapp 40 Grad reichen dafür nicht aus. Straßen, Metallteile oder dunkle Oberflächen können sich in der Sonne zwar deutlich stärker aufheizen als die gemessene Lufttemperatur. Das erklärt aber keine so massive Verformung einer Ampel, während benachbarte Anlagen unbeschädigt bleiben.
Der entscheidende Unterschied ist hier nicht „Sommer in Berlin“, sondern ein konkreter Brand in unmittelbarer Nähe.
Echte Bilder, falsche Ursache
Der Fall ist ein klassischer Kontextbruch. Das Bildmaterial ist nicht frei erfunden. Es zeigt sehr wahrscheinlich eine echte beschädigte Ampel an einem realen Ort in Berlin. Falsch ist aber die Erklärung, die mit dem Video verbreitet wird.
Solche Beiträge wirken glaubwürdig, weil sie an eine reale Erfahrung anknüpfen: Es war heiß in den letzten Tagen, viele Menschen haben die Hitzewelle selbst erlebt, und das Bild sieht dramatisch aus. Genau dadurch entsteht der Eindruck, die Aufnahme belege eine extreme Folge der Sommerhitze.
Ein Beleg für diese Deutung fehlt jedoch. Die belegbare Spur führt zu einem Brand im Juni 2025 an der „Renate“ in Friedrichshain.
Nutzer sollten auf den Ort achten
Bei viralen Bildern von angeblich „geschmolzenen“ Ampeln, Straßenschildern oder Fahrzeugteilen lohnt sich ein einfacher Check: Gab es einen Brand, Unfall oder Vandalismus in der Nähe? Ist der Ort überprüfbar? Stimmen Gebäude, Straßenschilder oder Kreuzungen mit bekannten Aufnahmen überein?

In diesem Fall passt der Ort zur Kreuzung vor dem Club. Medienberichte dokumentieren dort einen Brand und beschädigte Ampeln. Die Behauptung, Berliner Ampeln würden bei 35 Grad im Schatten schmelzen, ist damit nicht haltbar.
FAQ zum Thema Berliner Ampel und Hitze
Ist die Ampel in Berlin wegen 35 Grad geschmolzen?
Nein. Die vorliegenden Hinweise sprechen gegen Sommerhitze als Ursache. Die Aufnahme passt zu einer Ampel, die nach einem Brand am Club „Renate“ beschädigt wurde.
Wo wurde die beschädigte Ampel gefilmt?
Die Bilder passen zur Kreuzung Markgrafendamm / Alt-Stralau in Berlin-Friedrichshain. Dort befindet sich der Club „Wilde Renate“, an dessen Außenbereich im Juni 2025 ein Brand gemeldet wurde.
Warum sind andere Ampeln im Video nicht geschmolzen?
Weil die Ursache offenbar kein allgemeines Hitzeereignis war. Ein lokaler Brand kann einzelne Objekte stark beschädigen, während benachbarte Ampeln unversehrt bleiben.
Können Ampeln durch Sommerhitze schmelzen?
Normale Lufttemperaturen von 35 bis 40 Grad reichen dafür nicht aus. Für deutliche Verformungen massiver Kunststoffteile wären wesentlich höhere Temperaturen nötig.
Warum wirkt die Behauptung trotzdem glaubwürdig?
Das Video zeigt einen echten Schaden und wird mit einer realen Hitzewelle verknüpft. Der Fehler liegt nicht im Bild, sondern in der falschen Erklärung.
Berlin Live
24. Juni 2025
Tagesspiegel
29. Juni 2026
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