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Startseite»Nachrichten»Spiel für die Ewigkeit: Kap Verde vergießt nach Drama gegen Argentinien bittere Tränen des Stolzes
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Spiel für die Ewigkeit: Kap Verde vergießt nach Drama gegen Argentinien bittere Tränen des Stolzes

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Die Niederlage von Kap Verde im WM-Sechzehntelfinale gegen Weltmeister Argentinien ist ein Spiel, das ewig weiterleben wird. Für die Helden aus Westafrika erscheint das zu wenig, obwohl sie vor Stolz platzen müssten.

Sidny Lopes Cabral bricht zusammen. Er kann seine Tränen nicht zurückhalten. Er lässt sich nicht aufrichten. Nicht hier. Nicht nach diesem Spiel. Nicht nach diesem Abend. In den letzten Minuten hat er sich nur noch über das Feld geschleppt. Unter die vollkommene Erschöpfung mischt sich die riesige Enttäuschung. Es ist vorbei. Das darf doch nicht wahr sein.

„Wir haben Geschichte geschrieben“, wird Trainer Bubista später sagen. „Heute sind wir traurig, weil wir so unfassbar nahe gekommen sind. Die Spieler haben geweint. Sie haben eine Seele. Wir sind so unglaublich stolz auf unsere Mannschaft.“ Das kann Lopes Cabral in diesem Moment nicht trösten.

Der 23-Jährige hat Weltmeister Argentinien im Sechzehntelfinale der Fußball-WM 2026 an den Rand der Niederlage gebracht. Mit Lopes Cabral brechen auch andere Spieler zusammen. Erst spät raffen sie sich auf, gehen zu ihrer kleinen Fankolonie und lassen sich feiern. Aber Lopes Cabral lässt sich nicht trösten.

Kap Verde spielt ganz groß auf

Vor kaum 18 Monaten läuft er noch in den Niederungen des deutschen Ligensystems auf, erst für Rot-Weiß Erfurt, dann für Viktoria Köln. Am 3. Juli 2026 sorgt er für Fassungslosigkeit im Miami Stadium. Nur ganz knapp verpassen die Kapverdier die größte Sensation der Fußballgeschichte. So bleibt es „nur“ ein Spiel für die Ewigkeit für diese Inselgruppe, die aus dem Nichts die Weltbühne aufmischt.

Das 3:2 (1:0/1:1) n. V. der Mannschaft um Superstar Lionel Messi ist eine Partie, die auf den Rängen für Tränenausbrüche, Freudenschreie und nicht enden wollende Jubelarien sorgt. Für die heroisch kämpfenden Spieler Kap Verdes ist es ein Spiel, das sich in den kommenden Dekaden mit immer mehr Bedeutung aufladen wird. Das größte Spiel des Landes ist zugleich sein bestes.

Kap Verde schockt den Weltmeister mit sensationellem Traumtor

Für den argentinischen Weltmeistertrainer Lionel Scaloni ist es, so sagt er später, eines der schwersten Spiele seiner nun 100 Partien andauernden Nationaltrainerkarriere. Er ist tief beeindruckt von der Leistung des Gegners, und der Gegner platzt danach vor Stolz.

„Wir sind mit Würde und Mut aufgetreten“, sagt Bubista, der 56-jährige Trainer Kap Verdes. „Wir haben nie unsere Identität verloren. Die wollten wir bei diesem Turnier der ganzen Welt zeigen.“ Zwar bleiben die „Blauen Haie“ ohne Sieg – nach drei Unentschieden gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien folgt nun die bittere Niederlage gegen den Weltmeister. „Dass wir ein kleines Land sind, ist kein Grund dafür, dass wir nicht gegen die größten Mannschaften der Welt mithalten können. All das lässt sich auf unseren Stolz zurückführen“, sagt Bubista.

Traumtor-Alarm bei Kap Verde

Superstar Lionel Messi bleibt dem Turnier damit gerade so erhalten, die auf- und abspringenden Fans Argentiniens ebenso, doch mit Kap Verde verliert die WM ihre spektakulärste Außenseitergeschichte. Für die Südamerikaner treffen Lionel Messi (29.), Lisandro Martínez (93.) und Diney Borges per Eigentor (111.). Für Kap Verde schreiben Deroy Duparte (53.) und eben Lopes Cabral (103.) Geschichte. Allein Torhüter Emiliano Martínez verhindert den Doppelpack von Lopes Cabral, der in der 116. Minute mit einem unfassbaren Freistoß dem dritten Ausgleich des Abends ganz nahekommt.

Weil jedoch Martínez im Tor der Argentinier immer größer wird und einen Freistoß des Außenverteidigers gerade so über den Querbalken lenken kann, bricht Lopes Cabral wenige Minuten später zusammen. Erst in einigen Tagen wird ihm bewusst werden, was er vor 64.478 Zuschauern in Miami eigentlich erreicht hat. Erst in einigen Tagen wird er sich an seinen Schlenzer zum 2:2 erinnern, der alles sprengt, was in der kapverdischen Fußballgeschichte bisher passiert ist.

„Das war ein unglaubliches Tor zum Ausgleich. Das war nicht zu verteidigen“, schwärmt Argentiniens Trainer Lionel Scaloni. „Es ist nicht normal, wie er den Ball ganz oben in den Winkel platziert hat.“ Lopes Cabral rennt, als der Ball einschlägt, über den halben Platz, die Treppen hoch, der gesamte kapverdische Kader hetzt ihm hinterher. 103 Minuten sind gespielt, 13 davon in der Verlängerung. Er blickt sich um, sucht die Tribüne ab und rennt die Stufen wieder runter.

Messi macht Messi-Dinge

Das Spiel ist noch nicht vorbei. Leider aus kapverdischer Sicht. Denn in der zweiten Halbzeit der Verlängerung zerstört ein Eigentor nach einer Ecke von Messi die Hoffnungen. An der Seitenlinie erhellen sich die Gesichtszüge von Scaloni. „Ich wollte einfach nur, dass das Spiel vorbei ist“, sagt der Weltmeistertrainer später über seinen Jubel. „Es war ein dreckiges Spiel für uns. Wir sind Argentinier, nichts ist einfach in diesem Land.“

Weil Argentinien dieses dreckige Spiel gewinnt, bleibt der 39-jährige Messi der WM erhalten und schleicht weiter in Richtung neue Rekorde. In seiner aktuellen Heimat erzielt er bei seinem vierten Spiel bei diesem Turnier seinen siebten Treffer.

Es ist einer der absoluten Weltklasse. Unter Gegnerdruck pflückt er einen Traumpass von Lisandro Martínez mit dem linken Außenrist aus dem Himmel. Der Ball tickt zweimal auf, springt näher ans Tor, und dort trifft Messi ihn perfekt. Mit seinem Außenrist haut er den Ball unter das Lattenkreuz. „Ein sehr wichtiges Tor“, sagt er später. Bis zu diesem Zeitpunkt in der 29. Minute tritt Argentinien uninspiriert auf.

Vozinha spielt ganz auf

Mit seinen sieben Treffern führt Messi bei diesem Turnier der Tormonster weiter die Torschützenliste an. Er kann insgeheim davon träumen, den Ewigkeitsrekord von Just Fontaine zu brechen. Der erzielte bei der WM 1958 in Schweden insgesamt 13 Treffer, damals in nur sechs Spielen. Noch ist es ein weiter Weg für Messi, dem nach der Partie die Verblüffung ins Gesicht geschrieben steht.

Weil Argentinien sich immer wieder zurückzieht, weil der Instagram-Star des Turniers, Vozinha, der Kap-Verde-Keeper, Messi zur Verzweiflung treibt, erzielt der Superstar am Ende keinen weiteren Treffer. Es bleibt ihm eine Ecke in der 111. Minute, sie landet dank der Mithilfe von Kap Verde im Tor.

Diesmal nimmt Messi aber nicht die Hauptrolle ein, sondern sein Widersacher auf seiner rechten Angriffsseite: der kapverdische Außenverteidiger Lopes Cabral. „Wenn du nur daran denkst, dass du gegen Messi spielst, verlierst du deinen Kopf“, sagt er vor dem Spiel in der „Süddeutschen Zeitung“. Den Kopf hat er nicht verloren. Ganz Kap Verde platzt vor Stolz. Dieses Spiel wird für immer bleiben

Verwendete Quelle: ntv.de

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