Alice Weidel und Tino Chrupalla sind als AfD-Chefs wiedergewählt worden. Beim Bundesparteitag in Erfurt konnte Weidel ihr Ergebnis von vor zwei Jahren leicht verbessern, Chrupalla hingegen büßte Stimmen ein.
Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt hat die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Amt bestätigt. Chrupalla erhielt 70,05 Prozent der Delegiertenstimmen – deutlich weniger als beim Parteitag vor zwei Jahren. Weidel erhielt 81,3 Prozent – vor zwei Jahren waren es 79,8 Prozent gewesen.
Chrupalla, 51-jähriger Malermeister, steht seit 2019 an der Spitze der in Teilen als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuften Partei, die 47-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel seit 2022. Weidel hat sich zur prominenten AfD-Führungsfigur entwickelt und war im Bundestagswahlkampf 2025 Kanzlerkandidatin der Partei.
Gegenkandidaten hatten die beiden bei der Wahl in diesem Jahr erneut nicht. Beide hatten sich auch gegenseitig vorgeschlagen. Die Delegierten hatten sich mit großer Mehrheit dafür entschieden, dass die Partei weiter von einer Doppelspitze geführt werden soll.
Lauter Jubel für Weidels Abschiebe-Ankündigung
Weidel griff in ihrer Rede auf dem Parteitag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf an. Dieser sei „der Vivaldi unter den Regierungschefs“ und mache „für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung“. Jedes Mal haue er „kräftig auf die Pauke und danach folgt ein Streichkonzert“, in dem Versprechen gestrichen würden. Lauten Jubel bekam Weidel von den Delegierten im Saal für den Ausruf: „Wir werden rigoros abschieben!“
Chrupalla betonte in seiner Bewerbungsrede den Machtanspruch der AfD: „Wir wollen regieren“, sagte er. Man sei zu einer Volkspartei gewachsen. Dass man Oppositionsarbeit beherrsche, habe man bewiesen. „Und wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund.“
Kampfabstimmungen bei Vorstandsposten
Der Parteitag in der thüringischen Landeshauptstadt geht noch bis morgen. Auch zwölf weitere Posten des Vorstands stehen zur Abstimmung. Auf mehreren Positionen, etwa bei den Stellvertretern, kommt es zu Kampfkandidaturen. Teilweise treten AfD-Politiker aus demselben Landesverband gegeneinander an.
Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen wurde zu einem von drei stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, er erhielt mit 50,7 Prozent knapp die notwendige Mehrheit. Tritschler war von Weidel vorgeschlagen worden.
Neu in die Führungsriege aufrücken soll auch der Thüringer Stefan Möller, Co-Chef und Vertrauter des einflussreichen thüringischen Landesgruppenchefs Björn Höcke. Beide stuft der Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremisten ein. Höcke hatte als Gastgeber des Parteitags gesagt: „Wir sind auf der Siegesstraße der Geschichte unterwegs.“ Die sogenannte Brandmauer – die Abgrenzung anderer Parteien zur AfD – habe diese groß gemacht.
Der Parteitag findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die AfD in bundesweiten Umfragen so stark ist wie nie zuvor. Mit den Landtagswahlen im Osten des Landes im September verbindet die Partei zudem Hoffnungen auf eine erste Regierungsbeteiligung. Alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD allerdings ausgeschlossen.
Weidel stoppt Höcke-Vorschlag
Womöglich um die Aussichten bei den Landtagswahlen nicht zu gefährden, erstickte Weidel eine von Höcke und einigen Mitstreitern vorgeschlagene Debatte im Keim. Dabei ging es um eine Lockerung der Regeln für die Nichtaufnahme von Menschen in die AfD, die vormals Mitglieder einer extremistischen Partei waren. Die Gruppe um Höcke zog den Antrag zurück.
Der Parteitag wird wie erwartet von umfangreichen Protesten begleitet. Zehntausende Demonstranten waren in Erfurt unterwegs. Trotz Blockaden von Zufahrtsstraßen begann das Treffen aber ohne Verzögerungen, da die meisten der rund 600 AfD-Mitglieder bereits in den frühen Morgenstunden angereist waren. Begleitet von der Polizei wurden sie in Bussen zur Messe Erfurt gebracht.
