Auf der Insel Lampedusa kommen viele Geflüchtete an, die von Nordafrika nach Europa gelangen wollen. Der Papst besucht hier das „Tor Europas“ und appelliert auch an Touristen.
Die Begeisterung ist groß unter den Menschen an den Straßen Lampedusas, als Papst Leo XIV ihnen zuwinkt, Kinder segnet. Zuvor hat der Papst schon am Inselfriedhof Blumen niedergelegt für die Migrantinnen und Migranten, die bei der gefährlichen Flucht übers Meer gestorben sind.
Er hat am sogenannten Tor Europas an der südlichsten Spitze der Insel Kinder getroffen, die übers Meer gekommen sind. Er hat am Hafen eine Gedenktafel gesegnet für seinen Vorgänger Papst Franziskus. Auch der hatte die Insel besucht – und nach ihm wird jetzt der Pier der Insel benannt, wo die meisten Migrantinnen und Migranten an Land gebracht werden.
Papst dankt den Menschen auf Lampedusa
Dann soll es aber um die Bevölkerung Lampedusas gehen. Der Papst bedankt sich noch vor der Messe ganz ausdrücklich bei ihnen für die Aufnahme der Migranten: „Heute bin ich hier, um euch zu sagen, dass der Papst euch weiterhin begleitet, euch unterstützt und ermutigt.“
Papst Leo XIV. begrüßt Gläubige auf Lampedusa.
Das Thema Migration prägt auch die Predigt des Papstes. Lampedusa und die Nachbarinsel Linosa seien an einem gefährlichen Weg gelegen, sagt Leo – und meint damit die Fluchtroute über das zentrale Mittelmeer.
Ängste, die Vorurteile und Verachtung schüren
Auch die Menschen, die im Mittelmeer ertrunken sind, spricht er in der Predigt an und listet die Probleme auf. „Die Toten in diesem Meer sind sowohl Opfer getroffener als auch ausgebliebener Entscheidungen.“ Es gebe ein Desinteresse am Gemeinwohl und Korruption in den Herkunftsländern, und das globales Wirtschaftssystem verursache Armut und Ausgrenzung, sagt der Papst. Hinzu kämen Ängste, die Vorurteile und Verachtung schürten und kriminelles Kalkül derer, die aus dem Leid anderer Profit schlagen würden.
Die Menschheit sei in ein Jahrtausend eingetreten, in dem sie der Zivilisation der Liebe geistlich kulturell, rechtlich, politisch und wirtschaftlich Gestalt geben müsse, sagt Leo. Und fügt hinzu: „Möge uns das große Ausmaß des Leids, das wir erleben, die Radikalität dieses Aufrufs bewusstmachen.“
Gerade hier vom äußersten Zipfel Europas lasse sich am besten erkennen, vor welche Herausforderungen die Migration die europäischen Gesellschaften stelle, sagt der Papst. Er sieht Europa in der Pflicht.
Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Rahmenbedingungen sei Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen. Es müsse Nothilfe mit einem langfristigen strategischen Plan verbinden, der in der Lage sei, Migranten aufzunehmen, zu schützen, zu fördern, zu integrieren und der zugleich die Entwicklung begünstige, damit niemand zur Auswanderung gezwungen sei.
Papst appelliert an Touristen
Wichtig ist ihm auch: Die Menschenwürde müsse gewahrt bleiben. Und in diesem Sinne ruft Leo dann doch auch noch die Menschen auf Lampedusa und die vielen Touristinnen und Touristen auf dieser Insel mit dem kristallklaren Meer zum Umdenken auf.
Migration werde als Bedrohung für den Tourismus gesehen, sagt der Papst. „Für viele bedeutet Urlaub nämlich nur Ablenkung, Unbeschwertheit und Sorglosigkeit. Da scheint es, als müsse man eine unsichtbare Mauer zwischen dem Meer der Schiffbrüchigen und jenem der Urlauber errichten. Habt den Mut, anders zu denken.“
Das kann man auch als Hinweis auf den Hotspot, das Erstaufnahmelager der Insel lesen. Das liegt nämlich ganz versteckt in einer Senke in der Inselmitte, umgeben von einem hohen Zaun – Touristen kommen dort nicht vorbei. Und auch Papst Leo besucht den Hotspot übrigens nicht.

