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Zugang zu 30 Börsen weltweit: Trade Republic baut nach EU-Verbot sein Angebot um

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Zugang zu 30 Börsen weltweitTrade Republic baut nach EU-Verbot sein Angebot um

04.07.2026, 20:13 Uhr

Von Timo Pache
Mainz-Deutschland-02
Der Neobroker aus Berlin zählt europaweit mehr als zehn Millionen Kunden und verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 150 Milliarden Euro an Vermögen. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Das umstrittene „Payment for order flow“-Verbot zwingt Neobroker zum Umdenken. Trade Republic kontert die neue Regulierung nun mit einer grundlegenden Systemumstellung. Alle Details zur neuen Strategie des Branchenprimus.

Mit dem in dieser Woche in Kraft getretenen „Payment for order flow“-Verbot der EU stellt der Onlinebroker Trade Republic sein Handelsangebot für seine Kunden grundlegend um. Statt den Aktienhandel nur noch über einen Handelsplatz abzuwickeln, bietet der Neobroker künftig die An- und Verkaufspreise von 30 Börsen weltweit. Ein neuer Algorithmus soll die Handelsorder zudem automatisch zum besten Preis ausführen, zur Kontrolle erhalten Kunden Einblick in das Orderbuch für eine Aktie. Alternativ sollen Kunden aber auch gegen eine höhere Gebühr eine Börse direkt auswählen können. 

Mit dem neuen Handelssystem kontert der größte deutsche Onlinebroker das umstrittene „Payment for order flow“-Verbot der EU, das seit dem 1. Juli gilt. Es sicherte den Onlinebrokern lange eine Beteiligung an den Gewinnen großer Marketmaker, die wiederum den Börsenhandel für Onlineplattformen abwickelten. Lange waren diese Rückvergütungen eine wichtige Erlösquelle für Startups wie Trade Republic oder Scalable Capital. Inzwischen sind die Onlinebroker aber so groß, dass sie ihre Einnahmen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Geschäfte und Angebote erzielen. 

Was allgemein als Lobby-Erfolg der etablierten Geldinstitute und Vermögensverwalter angesehen wurde, könnte sich mit dem neuen Angebot von Trade Republic noch als Bumerang erweisen. Trade Republic-Mitgründer Christian Hecker verspricht selbstbewusst ein Angebot, auf das bisher nur institutionelle Investoren, Banken und Hedgefonds zurückgreifen konnten. „Wir wollten das ewige Menetekel der Diskussion um die Handelsqualität hinter uns lassen“, sagte Hecker im Gespräch mit Capital. 

Schon heute zählt der Neobroker aus Berlin europaweit mehr als zehn Millionen Kunden und verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 150 Milliarden Euro an Vermögen. Bei einer letzten Finanzierungsrunde wurde das Startup mit mehr 12 Milliarden Euro bewertet und gilt damit als eines der wertvollsten Startups des Landes.

Kern des Angebots bleibt die Möglichkeit, Aktien und Fondsanteile für 1 Euro pro Order zu kaufen oder zu verkaufen (Best Preis Order). Wer künftig seinen Handelsplatz selbst aussuchen möchte, muss dafür 2 Euro pro Order bezahlen (Direkt Preis Order). Ein besonderes Angebot verspricht Hecker Anlegern, die besonders viel selbst handeln und ihre Geldanlage an der Grenze zum Profi-Investor betreiben: Ein neues Informationsterminal mit allen relevanten Zahlen, historischen Daten und Nachrichten in der App des Unternehmens.

„Mit diesem Angebot gehen wir in einen lukrativen Markt“, kündigte Hecker an, „und wir werden in den kommenden Jahren unser Angebot in diesem sehr attraktiven Kundensegment gezielt ausbauen.“ Bewusst sieht der Unternehmer das neue Terminal als Nischenprodukt, das anderen Neobrokern wie Scalable eine zahlungskräftige Kundschaft abjagen soll: „Es darf kein attraktiveres Angebot jenseits von Trade Republic geben.“

Nach Heckers Angaben arbeiteten etwa 100 Mitarbeiter mehr als drei Jahre in einem geheimen Büro in London an dem neuen Handelssystem. Das jetzige Angebot und System sei so aufgebaut, dass es auch in fünf oder zehn Jahren nicht durch die Regulierung wieder untermeniert werden könne. „Uns war wichtig, dass wir eine langfristige Lösung haben“, sagte Hecker. „Das ist die Erwachsenwerdung von Trade Republic.“

Dieser Text ist zuerst bei Capital.de erschienen.

Quelle: ntv.de

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