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Politik

Analyse zu AfD-Bundesparteitag in Erfurt: Professionelle Radikale

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 04.07.2026 • 20:11 Uhr

Die AfD versucht auf ihrem Parteitag in Erfurt, nicht allzu radikal aufzutreten. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Querelen und kritische Debatten will man vermeiden und sich als geordnete Volkspartei inszenieren.

Lissy Kaufmann

Der AfD-Parteitag beginnt überraschend. Nämlich pünktlich um 10 Uhr. Trotz Protesten und Blockaden von Gegnern in Erfurt. Man sei eben früher aufgestanden, sagt Co-Parteichef Tino Chrupalla. „Die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen. Wir können hier heute pünktlich starten.“

Pünktlichkeit bedeutet auch: Professionalität. Das ist eine Botschaft, die die in Teilen gesichert rechtsextremistische Partei ausstrahlen will. Sie hat viele Chaos-Parteitage hinter sich. Diesmal aber soll alles anders werden, geordneter. „Unsere Partei ist einig wie nie zuvor“, sagt Chrupalla.

Die zweite Botschaft, die die AfD ausstrahlen will, soll auch für alte, neue Doppelspitze gelten: Ein „Herz und eine Seele“ seien er, Chrupalla, und seine Co-Vorsitzende Alice Weidel.

Kleiner Denkzettel für Chrupalla

Herz und Seele werden dann auch im Amt bestätigt: Weidel mit 81 Prozent, Chrupalla allerdings nur mit 70 Prozent – rund zehn Prozentpunkte weniger als beim Parteitag in Essen vor zwei Jahren.

Chrupalla nimmt es sportlich, spricht im Interview mit der ARD davon, 2:1 gewonnen zu haben, nicht 2:0. Ein Denkzettel ist es aber schon, den die Delegierten Chrupalla mitgeben. Zumindest ein kleiner.

Umstrittener Antrag kommt von der Tagesordnung

Große Querelen, Aufstände und kritische Diskussionen will man hier vermeiden. Darum nimmt man auch gleich zu Beginn einen Antrag zur Unvereinbarkeitsliste von der Tagesordnung. Eine Liste, auf der bisher linksextreme, aber auch rechtsextreme Organisationen stehen. Die Liste soll aufgeweicht werden, wünschen sich manche Delegierte. Auch Björn Höcke, Landeschef in Thüringen, hatte den Antrag unterzeichnet.

Doch die Debatte darüber könnte der Partei ein weiteres Imageproblem bescheren. Darum soll die Liste nicht diskutiert werden, zumindest nicht jetzt, so kurz vor den Landtagswahlen im September. Die AfD steht so gut da wie nie. In Sachsen-Anhalt hat der 35-jährige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die Chance, erstmals Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Weidel stimmt die Delegierten auf Erfolg ein. 2026 nennt sie ein „Superwahljahr“ für die AfD: „Wir werden die ersten Meilensteine setzen.“

Höcke-Vertrauter Möller wird Bundesvize

Siegmund ist der heimliche Star des Parteitags. Höcke, der rechtsextreme Thüringer Landeschef, heimst dagegen nur mäßigen Applaus ein. Einen Erfolg kann er dennoch verbuchen: Sein Vertrauter Stefan Möller, Co-Landeschef und Bundestagsabgeordneter, ist künftig einer der Stellvertreter im Bundesvorstand. Ein Höcke-Mann, der sagt, er sei keine Marionette: „Wir sind zwar seit zwölf Jahren zusammen und seit zwölf Jahren verheiratet, aber eben nicht miteinander.“

Möller, der zum Rechtsaußen-Teil der Partei gehört, versucht, sich gemäßigt zu zeigen. 2015 bis 2017 habe man auf AfD-Demos noch gesagt, alle Migranten müssten raus. „Wir wissen mittlerweile, unser Wähler will gar nicht, dass jeder Migrant das Land verlassen muss“, sagt Möller.

Die neue radikale Volkspartei

Radikale Reden halten auf diesem Parteitag andere. Weidel zum Beispiel: Man werde rigoros abschieben, denn Deutschland habe Besseres verdient.

Auch Kay Gottschalk holt verbal aus. Der bisherige Stellvertreter, der sich nicht aus dem Amt drängen lassen will, der in die Kampfabstimmung geht und in seiner Rede die Niederlagen der Fußball-Nationalmannschaft auf die offenen Grenzen zurückführt: Ecuador und Paraguay – „die hätten wir vor der Grenzöffnung mit der alten deutschen Nationalmannschaft weggefegt“, behauptet er.

Gottschalk verliert die Abstimmung gegen Sven Tritschler. Der setzt in seiner Rede auf Mäßigung und Professionalität. „Lasst uns gemeinsam besser werden und die Partei modernisieren, wir brauchen endlich Strukturen, die zu einer Volkspartei passen.“

Ist die AfD die neue radikale Volkspartei? Die Umfragewerte widersprechen ihr zumindest nicht. Die AfD strotzt bei diesem Parteitag in Erfurt vor Selbstbewusstsein.

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Dr. Heinrich Krämer
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