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Mehr Aufträge: Hoffnungsschimmer für die gebeutelte Industrie

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.07.2026 • 14:27 Uhr

Im Mai haben deutsche Industrieunternehmen mehr Aufträge erhalten als Experten das im Vorfeld erwartet haben. Doch viele Ökonomen warnen vor allzu großem Optimismus. Und es bleiben viele Herausforderungen.

Es gibt einen Hoffnungsschimmer für die angeschlagene deutsche Industrie: Die Aufträge sind im Mai im Vergleich zum Vormonat um 1.9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es ein sattes Plus von 6,2 Prozent.

Viele Unternehmen konnten von Großaufträgen profitieren. Sie kamen vor allem aus dem Ausland und da vor allem aus Ländern, die zur Eurozone gehören. Die Aufträge aus dem Inland stiegen nur um 1,3 Prozent.

Mehr Flugzeuge und mehr Schiffe geordert

Der Anstieg ist den Angaben zufolge in erster Linie auf den Fahrzeugbau zurückzuführen. Hierzu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge. Auch der Auftragseingang im Maschinenbau und im Bereich Herstellung von elektrischer Ausrüstung entwickelte sich gut, während die Autoindustrie weniger Aufträge vermeldete.

„Nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ist es nachfrageseitig zunächst zu Vorzieheffekten und im Anschluss zu einem erwartbaren Rückprall gekommen“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Nun scheine der vorherige Aufwärtstrend wieder einzusetzen.

Vorsichtiger Optimismus

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) gab sich vorsichtig zuversichtlich. „Der Zuwachs bei den Auftragseingängen lässt hoffen, dass die Industrie die Folgen des Nahostkonflikt besser verkraften konnte als befürchtet“, erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen.

ING-Analyst Carsten Brzeski stimmte ähnliche Töne an. Die Auftragseingänge erholten sich zwar erst allmählich, erklärte er. „Trotz anfänglicher Befürchtungen, dass der Konflikt im Nahen Osten neue Störungen in den Lieferketten auslösen könnte, scheint die deutsche Industrie alles in allem mit kaum mehr als einem blauen Auge davongekommen zu sein.“

Keine einfachen Zeiten für die deutsche Wirtschaft

Allerdings rechnen viele Ökonomen in den kommenden Monaten nicht mit einer starken Erholung. „Zum einen stellt der Iran-Konflikt immer noch eine Quelle der Unsicherheit dar. Zum anderen leiden deutsche Unternehmen weiter unter einer Erosion der Standortqualität“, so Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Das Reformpaket der Bundesregierung habe zwar in einzelnen Punkten Fortschritte gebracht, aber keinen Durchbruch in der Breite.

Immer noch seien die Kosten zu hoch und das Regulierungsdickicht üppig, gibt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu bedenken. „Der Fachkräftemangel ist eine reale Herausforderung.“

Einzelne Branchen haben zu kämpfen

Auch mit Blick auf einzelne Branchen gibt es noch keine Entwarnung. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, schaut besorgt auf die Autobranche. „Der Automobilbau muss sich gesundschrumpfen, worunter viele nachgelagerte Industrien leiden.“

Sie sind von den Veränderungen betroffen, denn die Autoindustrie gehört nach wie vor zu den großen wichtigen Industriezweigen in Deutschland.

DAX steigt erstmals über 25.900 Punkte

Der deutsche Leitindex DAX erreicht im frühen Handel wieder ein Rekordhoch und klettert erstmals über die Marke von 25.900 Punkten.

Für die gute Stimmung an den Börsen sorgen neben den frischen Konjunkturdaten aus Deutschland auch Spekulationen auf vorerst ausbleibende Zinserhöhungen in den USA, genährt durch schwache Jobdaten am vergangenen Donnerstag.

Bilanzsaison steht vor der Tür

Mit Spannung warten Anlegerinnen und Anleger jetzt auf neue Geschäftszahlen. Zuletzt gab es eine wachsende Unsicherheit darüber, wann sich die hohen Investitionen in den Bereich Künstliche Intelligenz in einem Gewinnwachstum niederschlagen, das die rasant angestiegenen Aktienpreise rechtfertigt.

Anlegerinnen und Anleger dürften die Zahlen vor allem daraufhin untersuchen, ob es eine Schwäche bei der Nachfrage gibt, sagte Chefanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. „Die Anleger suchen mittlerweile das Haar in der Suppe, und wenn nicht alles perfekt ist, könnte es auf Ebene der Einzelaktien herbe Enttäuschungen geben.“

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