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Startseite»Nachrichten»Rätsel der Alpenüberquerung: Deutsche Forscher ermitteln Hannibals Route
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Rätsel der Alpenüberquerung: Deutsche Forscher ermitteln Hannibals Route

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Rätsel der AlpenüberquerungDeutsche Forscher ermitteln Hannibals Route

Im Jahr 218 v. Chr. überschritt der karthagische General Hannibal mit einer Armee die Alpen, um Rom anzugreifen. (Foto: picture alliance/United Archives)

Hannibals Überquerung der Alpen mit 37 Kriegselefanten war ein legendäres Wagnis. Eine neue Untersuchung geht dem historischen Rätsel mit den Mitteln der Biologie auf den Grund. Die Ergebnisse erklären, warum fast alle der Dickhäuter den folgenden Winter nicht überlebten.

Es ist eine der großen Erzählungen der Antike: Zu Beginn des Zweiten Punischen Kriegs zwischen Karthago und Rom überschritt der Feldherr Hannibal im Herbst des Jahres 218 vor Christus von Spanien kommend die Alpen: mit 46.000 Soldaten, rund 8000 Pferden – und 37 Kriegselefanten. Seit Jahrhunderten beschäftigt dieses Unterfangen Historiker. Denn auf welcher Route der karthagische Feldherr zu Beginn des Zweiten Punischen Kriegs über die Alpen in die Po-Ebene gelangte, ist nach wie vor umstritten.

Ein deutsches Forscherduo untersucht diese Frage nun im Fachjournal „PNAS“ aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Emilio Berti vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und Fritz Vollrath von der Universität Jena berechneten den Energiebedarf für Männer, Pferde und Elefanten auf verschiedenen Routen, die vom heutigen Frankreich aus über die Alpen nach Italien führen.

„Viele Diskussionen über Hannibals Alpenüberquerung lassen die biologischen Bedürfnisse von Mensch und Tier außer Acht“, schreibt das Duo. „Zwar hätten die Männer – und vielleicht auch die Pferde – jeweils ihre eigenen Vorräte tragen können, doch für die bis zu drei Tonnen schweren Elefanten wäre dies unmöglich gewesen.“

Wahl der richtigen Route entscheidend

Pro Tag benötigt ein ausgewachsener Elefant bis zu 200 Kilo Nahrung. In der freien Wildbahn sind die Dickhäuter rund 14 Stunden täglich mit der Nahrungssuche beschäftigt – allein um ihr Körpergewicht zu halten. Angesichts der begrenzten Nachschubwege und des extrem schwierigen Geländes war die Wahl der richtigen Route also entscheidend, um Männer und Tiere lebend über die Alpen zu transportieren.

Auf Basis früherer Arbeiten rekonstruierte das Team vier mögliche Routen: Darunter ist die lange bei Historikern favorisierte Strecke über den knapp 2500 Meter hohen Col de Clapier und die in jüngeren Arbeiten häufig vermutete Route über den fast 3000 Meter hohen Col de la Traversette.

Für die Strecken berechneten die Forscher den Energieverbrauch für Soldaten, Pferde und Elefanten. „Unsere Analysen des Energiebedarfs legen nahe, dass der Col de la Traversette die kürzeste und energieeffizienteste Route gewesen wäre, mit einem Aufwand für die gesamte Armee von 5,42 Terajoule“, erklärt das Duo. Das sind 5,42 Billionen Joule. Über 15 Tage hinweg hätte das Heer auf dieser Strecke etwa 232 Tonnen an Nahrungsmitteln und Vorräten verbraucht.

Fettreserven mussten wohl herhalten

Für den lange favorisierten Col du Clapier errechneten die Forschenden einen Gesamtverbrauch von 6,28 Terajoule – rund 16 Prozent mehr als für den Col de la Traversette. Und selbst bei der günstigsten Route: Um ihr Körpergewicht zu halten und den Tagesbedarf zu decken, hätten die Elefanten täglich bis zu fünf oder sechs Stunden nahezu ununterbrochen fressen müssen – ein den Forschern zufolge unrealistisches Szenario.

Stattdessen gehen sie davon aus, dass Menschen und Tiere während des Marsches auf ihre Energiereserven zurückgriffen. Den Berechnungen zufolge verloren die Soldaten auf der Traversette-Route etwa 19 Prozent ihrer Körperfettreserven, Pferde rund 11 Prozent und Elefanten etwa 4 Prozent.

Zwar schafften viele Elefanten die Überquerung – an der Schlacht an der Trebia im Dezember 218 v.Chr. scheinen etwa 30 Elefanten mitgewirkt zu haben. Doch nach der Ankunft in Italien wurde die Versorgung der Tiere zu einer enormen Herausforderung.

Nur Hannibals persönlicher Elefant überlebte

Während die Soldaten ihre unterwegs aufgebrauchten Fettreserven schnell wieder aufbauten, benötigten die Elefanten deutlich mehr Zeit und enorme Futtermengen, um sich zu regenerieren und den Winter zu überstehen. Dieses logistisches Problem sei wohl nicht gelöst worden, so die Forschenden. Bis auf Surus, Hannibals persönlichen Elefanten, starben alle über den Winter.

Warum Hannibal sich überhaupt für einen Feldzug mit Kriegselefanten entschied, war ebenfalls lange umstritten: „Möglicherweise rechnete er damit, dass die Elefanten in den ersten Schlachten gegen die Römer einen wichtigen taktischen Überraschungseffekt bieten“, so das Duo. „Zudem könnte er erwartet haben, dass seine Kriegselefanten die als romfeindlich bekannten Kelten Norditaliens in Ehrfurcht versetzen und dazu beitragen würden, sie auf seine Seite zu ziehen.“

Nach der Alpenüberquerung verbrachte Hannibal 14 Jahre mit Kämpfen in Italien und besiegte die Römer in großen Feldschlachten. Trotz vieler Erfolge gelang es ihm nicht, Rom zur Kapitulation zu zwingen, und er wurde schließlich zurück in die Heimat beordert. Dort besiegte ein römisches Heer im Jahr 202 v. Chr. die mit 80 Kriegselefanten ausgestattete und von Hannibal befehligte Armee von Karthago in der Schlacht von Zama im heutigen Nordtunesien. Karthago kapitulierte, der Krieg endete kurz darauf.

Quelle: ntv.de, Franca Krull, dpa

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