Lebenslange Haft, besondere Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung: Im Prozess gegen einen Berliner Palliativarzt ist das Urteil gefallen. Nach Überzeugung des Gerichts hat er 15 schwer kranke Menschen getötet.
- Berliner Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes verurteilt worden
- 41-Jährigem wurde vorgeworfen, zwölf Frauen und drei Männer mit Medikamenten-Gemisch getötet zu haben
- Gericht stellte besondere Schwere der Schuld fest
Im Mordprozess gegen einen Berliner Palliativarzt hat das Landgericht Berlin am Mittwoch sein Urteil verkündet. Das Gericht hat den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an. Darüber hinaus wurde ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft und verhängte die Höchststrafe.
Urteil nach fast einjähriger Prozessdauer
In dem fast einjährigen Verfahren wurde dem Arzt eines ambulanten Pflegedienstes vorgeworfen, 15 schwerkranken Menschen ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente verabreicht zu haben. Der Arzt selbst hatte nach monatelangem Schweigen überraschend zwölf Tötungen eingeräumt. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen, hieß es in seiner Erklärung. Zum Abschluss des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen. Parallel zum Prozess ermittelt die Staatsanwaltschaft in 76 weiteren Verdachtsfällen. Sie geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem sogenannten letzten Wort vor Gericht an: „Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.“
Brände sollten Taten vertuschen
Der angeklagte Arzt war während seiner Taten bei einem auf Palliativversorgung spezialisierten Pflegedienst angestellt, der schließlich Verdacht schöpfte und so die Ermittlungen anstieß. Im Prozess traten mehrere Angehörige der Opfer als Nebenkläger auf. Deren Anwälten hatten das Geständnis als „oberflächlich“ und als „Schlag ins Gesicht der Angehörigen“ kritisiert.
Der 41-Jährige hat nach Ansicht des Gerichts zwischen September 2021 und Juli 2024 zwölf Frauen und drei Männer bei Hausbesuchen getötet und in einigen der Wohnungen Feuer gelegt, um seine Taten zu vertuschen. Als jüngstes Opfer führt die Anklage eine 25-Jährige auf, als ältestes eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor, wie es hieß.
Verteidiger rechneten mit lebenslanger Haft
Der Arzt, der verheiratet ist und einen Sohn im Grundschulalter hat, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Die Anwälte des 41-jährigen Arztes gingen im Vorfeld des Urteils davon aus, dass ihr Mandant zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird. Sie beantragten jedoch, weder die besondere Schwere der Schuld festzustellen, noch Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe anzuordnen. Der Mediziner habe nicht aus niederen Beweggründen gehandelt. Er habe in der Vorstellung gelebt, Leid zu lindern. Ein Hang zum Töten sei nicht belegt.
Ausmaß des Falls möglicherweise bundesweit einmalig
Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein. Bislang gilt eine Mordserie in Niedersachsen als die wohl größte der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ex-Pfleger Niels Högel wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv für die Taten blieb unklar. Es sei ihm um die „Gier nach Spannung“ gegangen, so das Gericht damals. Zuvor war Högel bereits wegen weiterer Morde verurteilt worden.
Sendung: rbb Inforadio, 08.07.2026, 13:40 Uhr Audio: rbb Inforadio, 08.07.2026, Jonas Ziegler
