Marktbericht
Nach den jüngsten Attacken auf Tanker in der Straße von Hormus hat das US-Militär Ziele in Iran angegriffen. Zudem wurden Sanktionen wieder in Kraft gesetzt. Die Reaktion an der Börse folgt prompt. Von Claudia Wehrle.
US-Präsident Donald Trump findet deutliche Worte. Nach der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg sei die Waffenruhe aus seiner Sicht beendet. „Ich denke, es ist vorbei“, so Trump.
Das US-Militär hatte in Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus Dutzende Ziele in Iran bombardiert. Zudem wurden Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Iran kritisiert das als „schwerwiegenden Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen und reagiert mit Luftangriffen. Eigentlich hatten die USA und Iran eine Feuerpause vereinbart
Ölpreise steigen – und die Folgen
Die Reaktion an der Börse folgt prompt. Die Ölpreise sind deutlich gestiegen. Anfang Juli kostete ein Fass Öl der Nordseesorte Brent noch rund 70 US-Dollar. Zwischenzeitlich wird die gleiche Menge Öl für fast 80 US-Dollar gehandelt.
Steigen die Ölpreise auf längere Sicht, könnte das die Inflation nach oben treiben. Notenbanker dürften hellhörig werden und bei einer der nächsten Sitzungen die Zinsen anheben. Denn es gehört zu ihren Aufgaben, für Preisstabilität zu sorgen. Das wäre jedoch zumindest ein Dämpfer für die wirtschaftliche Entwicklung.
Lieferketten in Gefahr
Die Eskalation im Iran-Krieg könnte noch ganz andere Folgen haben. Es geht um die Straße von Hormus. Diese Meerenge ist ein wichtiges Nadelöhr – nicht nur für die großen Tanker, sondern auch für Schiffe, die andere Rohstoffe oder Vorprodukte für die Industrie an Bord haben.
Damit verbunden ist die Frage, wie es um die Lieferketten bestellt ist, wenn in der Region wieder geschossen wird.
Große Abhängigkeiten
Der Krieg in Iran hat einmal mehr gezeigt, wie groß die Abhängigkeit vom Öl ist, aber auch von anderen Rohstoffen. Und wie sehr die Weltwirtschaft darauf angewiesen ist, dass Lieferketten reibungslos funktionieren. Eine Blockade oder kriegerische Auseinandersetzungen in der Golfregion haben unmittelbare Auswirkungen auf die Energieversorgung und auf die globalen Handelsbeziehungen.
„Rohöl ist und bleibt das Schmiermittel der Weltwirtschaft“, sagt Gabriele Widmann im Gespräch mit der ARD Finanzredaktion. Widmann ist Rohstoffexpertin bei der DekaBank. Denn Öl wird nicht nur für die Energieversorgung oder als wichtiger Treibstoff gebraucht, sondern auch für die Herstellung von Kunststoffen und Verpackungsmaterial. Es ist Grundlage für zahlreiche Medikamente und Salben, wird bei der Kosmetikproduktion eingesetzt oder bei der Herstellung von Kleidung. „Also es ist ganz vieles, wo Rohöl drinsteckt“, so Widmann.
Suche nach Alternativen
Die Suche nach Alternativen hat längst begonnen. Das betrifft sowohl Rohöl als wichtigen Rohstoff in der industriellen Verarbeitung als auch die Transportwege.
„Beispielsweise versuchen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über Pipelines ihre Abhängigkeit von Transporten durch die Straße von Hormus zu reduzieren“, so Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment vor kurzem im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Europa importiert immer noch große Mengen an fossilen Energierohstoffen „und da versuchen wir ja schon unsere Importbasis zu diversifizieren, also aus verschiedenen Ländern Öl und Gas zu beziehen. Und wir versuchen über Erneuerbare Energien alternative Energieträger zu nutzen.“
Öl ist ein strategisches Mittel
Wenn es Konflikte auf der Welt gibt, dann ist ganz schnell die Gefahr da, dass die Energieversorgung schlechter wird. „Das ist ein kritischer Punkt“, sagt Expertin Widmann. „Das heißt, ein Land, das es schafft, seine Energieversorgung, den Rohstoff selbst zu produzieren, ist natürlich viel unabhängiger gegenüber solchen Konflikten.“
DAX deutlich im Minus
Die Furcht vor einem Wiederaufflammen des Krieges im Nahen Osten hat Anlegerinnen und Anleger in die Flucht geschlagen. Der DAX gibt deutlich nach, rutscht unter die Marke von 25.000 Punkten. Zu Wochenbeginn hat der wichtigste deutsche Aktienindex noch ein Rekordhoch von über 25.900 Punkten erreicht.
