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Startseite»Politik»BTS auf der WM-Bühne: Warum die FIFA auf K-Pop setzt
Politik

BTS auf der WM-Bühne: Warum die FIFA auf K-Pop setzt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.07.2026 • 05:04 Uhr

Erstmals gibt es bei einem WM-Finale eine Halbzeitshow. Die FIFA setzt dabei unter anderem auf BTS. Warum holt der Verband eine K-Pop-Band auf die Fußballbühne? Die Antwort führt weit über Musik hinaus.

Von Laura Erbe-Rullang und Charlotte Schulze, SR

Hinter dem Auftritt von BTS steckt mehr als die Verpflichtung einer erfolgreichen Popband. Die Premiere der Halbzeitshow beim FIFA-WM-Finale orientiert sich am Vorbild des Super Bowl. Es ist deshalb kein Zufall, dass die FIFA ausgerechnet die südkoreanische K-Pop-Band für diese Premiere ausgewählt hat.

Vor allem als kommerzielle Musik-Weltmacht ist die Band BTS für die FIFA von Interesse. Hier bei der Verleihung der American Music Awards 2026 in Las Vegas.

BTS steht für den weltweiten Erfolg der „Korean Wave“, für die kulturelle Soft Power Südkoreas und für eine Fangemeinde, die Popkultur weltweit mitprägt. Verbunden ist damit eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.

Korea – eine Großmacht für Kulturexport

Die „Korean Wave“ habe Ende der 1990er-Jahre mit Fernsehserien begonnen, die zunächst in China und Japan erfolgreich wurden, erklärt die Koreanistin Eun-Jeung Lee. „Anfang der 2000er-Jahre folgte dann die K-Pop-Welle“, so die Leiterin des Instituts für Koreastudien an der Freien Universität Berlin im Podcast „Kennst du BTS? Eine Band aus Korea verändert die Welt„.

Dazu gehören nicht nur K-Pop, sondern auch Serien wie Squid Game, der Oscar-prämierte Film Parasite, Webtoons, K-Beauty oder koreanische Küche. Was Ende der 1990er-Jahre zunächst vor allem Ostasien erreichte, ist heute Teil des globalen Mainstreams.

Milliardenumsatz, auch mit Merchandise: BTS verkauft weltweit unter anderem T-Shirts, Coverbilder, Lesezeichen, Band-Figürchen und Leuchtstäbe.

Milliardenumsätze dank K-Pop

Das Hyundai Research Institute schätzte bereits 2018 den jährlichen Beitrag von BTS zur südkoreanischen Wirtschaft auf rund 4,1 Billionen Won (rund 2,3 Milliarden Euro). Rund 800.000 ausländische Touristinnen und Touristen reisten der Studie zufolge damals jedes Jahr auch wegen der Band nach Südkorea. Inzwischen profitieren vom weltweiten Erfolg koreanischer Popkultur unter anderem Tourismus, Kosmetik, Lebensmittel und Sprachschulen.

Auch die aktuelle Welttournee dürfte die Wirtschaft ankurbeln. Der Analyst Kim Yoo-hyuk von IBK Investment & Securities schätzt die Einnahmen aus Ticketverkäufen und Merchandise auf mindestens 2,9 Billionen Won (rund 1,65 Milliarden Euro). Nach Angaben der Buchungsplattform Hotels.com stiegen die internationalen Suchanfragen nach Unterkünften in Seoul innerhalb von 48 Stunden nach der Tourankündigung um 155 Prozent. Für Busan lag der Anstieg bei 2.375 Prozent.

Die „ARMY“-Fans von BTS füllen nicht nur weltweit die Konzerthallen und Stadien – oder die Straßen, wie hier in Mexiko-City. Sie unterstützen die Band zum Beispiel auch bei sozialen Projekten.

BTS-Fans helfen weltweit bei Kampagnen

Zugleich ist der weltweite Erfolg von BTS eng mit der Fangemeinde „ARMY“ verbunden. Auch das erklärt, warum die Band auf der Bühne eines WM-Finales stehen wird. Fans organisieren weltweit Streamingaktionen, koordinieren Kampagnen in sozialen Netzwerken und mobilisieren innerhalb kurzer Zeit große Spendensummen.

Die Forschung beschreibt „ARMY“ als eines der bekanntesten Beispiele digital organisierter Fandoms. Die Community bündelt Aufmerksamkeit und trägt maßgeblich dazu bei, dass neue Veröffentlichungen weltweit sichtbar werden.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Fangemeinde zeigt sich besonders bei Tourneen. Ticketverkäufe, Merchandise und Fanartikel gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen. Die Nachfrage endet dabei nicht an den Konzertorten, sondern wirkt sich auch auf Tourismus und Konsum aus.

Millionenspende für Black-Lives-Matter

Die Wirkung solcher Communities reicht weit über wirtschaftliche Effekte hinaus. 2020 sammelten BTS-Fans innerhalb von 24 Stunden mehr als eine Million US-Dollar für die Black-Lives-Matter-Bewegung, nachdem die Band selbst gespendet hatte. Am Beispiel von BTS zeigt sich, dass Fans Popkultur längst nicht mehr nur konsumieren, sondern deren Reichweite aktiv mitgestalten.

BTS zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Popgruppen weltweit. Die Band sprach bereits vor den Vereinten Nationen und war 2022 zu Gast im Weißen Haus, wo sie gemeinsam mit dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden auf Hass gegen Menschen asiatischer Herkunft aufmerksam machte. Längst wird BTS nicht mehr nur als Popband wahrgenommen, sondern auch als eines der wichtigsten kulturellen Aushängeschilder Südkoreas.

Der Erfolg von BTS ist damit auch Ausdruck der sogenannten Soft Power Südkoreas. Der Begriff beschreibt den Einfluss eines Landes durch seine Kultur. Musik, Filme oder Serien können das Bild eines Staates prägen und seine internationale Wahrnehmung stärken.

Dass die FIFA für die erste Halbzeitshow eines WM-Finales auf BTS setzt, lässt sich auch vor diesem Hintergrund einordnen: Mit der Band steht nicht nur eine weltweit erfolgreiche Popgruppe auf der Bühne, sondern auch ein kulturelles Aushängeschild Südkoreas.

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