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Politik

Buchmarkt: Junge Menschen kaufen weniger Bücher

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.07.2026 • 10:50 Uhr

Immer weniger Jugendliche greifen zum Buch – zumindest legen das die Zahlen nahe: Bei den 10 bis 15-jährigen gibt es knapp ein Drittel weniger Buchkäufer. Doch auch insgesamt geht der Branchenumsatz 2025 zurück.

Alex Jakubowski, HR

Ferienzeit ist Lesezeit – zumindest bei manchen. Wenn es nach den Daten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geht, dann stimmt das zumindest für die 10- bis 15-Jährigen derzeit nicht. „Junge Menschen kaufen weniger Bücher“, so die Titelzeile ihres aktuellen Buchmarktberichts.

„Jahrzehntelange Versäumnisse der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt“, meint Sebastian Guggolz, der Vorsteher des Börsenvereins. „Das Ergebnis lässt sich nun unmittelbar in Marktzahlen ablesen.“

Jahrelange Versäumnisse

Demnach lag der Branchenumsatz insgesamt mit 9,62 Milliarden Euro um 2,7 Prozent unter dem des Vorjahres – und dieser Trend hat sich im ersten Halbjahr 2026 sogar nochmal verschärft: Der Umsatz liegt um 4,1 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Zusätzlich zur rückläufigen Lesekompetenz seien die schwache Konjunktur und die Unsicherheit der Verbraucher Gründe für den Rückgang, der besonders bei den 10- bis 15-Jährigen deutlich sei. Insgesamt um 30,6 Prozent sei der Umsatz in diesem Segment gesunken, so der Bericht.

Erleben vor Ort

Dass die Zahl der Buchkäufer vor allem in dieser Gruppe zurück gegangen sei, stellt man im Buchladen „Land in Sicht“ im Frankfurter Stadtteil Nordend nicht fest. Lyda Petzel vom dortigen Buchladenkollektiv sagt: „Es hat sich nicht sehr verändert bei uns. 10- bis 15-Jährige sind noch nie in den Buchladen gegangen. Sie waren schon immer eine eher von den Erwachsenen beschenkte Gruppe.“

„Land in Sicht“ ist eine Institution im Viertel. Als 2024 der Umzug anstand, weil die Miete erhöht wurde, zog man nur ein paar Meter weiter an den neuen Standort, und die Bewohner des Stadtteils halfen mit. Per Menschenkette wurden die Bücher vom alten in den neuen Laden gebracht. Die Bindung an die Leser ist eng – man kennt sich eben.

Kummer bereite hier eher die Lage der Buchlandschaft insgesamt: „Das macht uns deutlich mehr Sorgen, als die Lesegewohnheiten von Kindern und Jugendlichen, die ohnehin eher wellenförmig sind“, meint Lyda Petzel. Ihr Blick geht auf das Sterben der unabhängigen Buchhandlungen – bedingt durch verödete Innenstädte, zu hohe Mieten oder die Tatsache, dass Nachfolger nur schwer oder gar nicht zu finden seien.

Hoher Kostendruck

Auch der Börsenverein stellt einen hohen Kostendruck beim Buchhandel fest. Und meint in Richtung Politik: „Eine vielfältige Buchhandels- und Verlagsgesellschaft öffnet Debattenräume“, so Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. „Räume, die es gerade in Zeiten der Polarisierung und Spaltung zu schützen gilt, auch durch entsprechende Förderungen“.

Auch wenn die Zahl der Buchkäufer insgesamt um 4,9 Prozent zurückging im Vergleich zum Vorjahr: Positiv sei die Lage dennoch bei den 16- bis 19-Jährigen, so der Börsenverein. Von dieser Gruppe seien 7,7 Prozent mehr Bücher gekauft worden, und es wurde dort auch mehr Geld ausgegeben. In den Genres Young Adult und New Adult seien die Umsätze weiter nach oben gegangen – um 4,8 beziehungsweise 9,6 Prozent.

Optimistisch bleiben

Das deckt sich übrigens auch mit dem Eindruck im Buchladen. Auch wenn die Gruppe der 15- bis 20-Jährigen im Moment nicht so viel lese, bleibt Petzer daher optimistisch. „Wir haben viele vergleichsweise junge Kunden, die sehr begeistert lesen und zu uns kommen, um zu stöbern. Da haben wir sogar das Gefühl, dass wir da Zuwachs haben.“

Grundsätzlich mache sie sich keine Sorgen um den Lesenachwuchs, so Petzer. „Es gibt immer wieder Strömungen, manche Altersgruppen lesen weniger Bücher, dafür lesen sie mehr im Netz – englischsprachige Titel zum Beispiel. Schon die Generationen vor uns haben die Jugend verloren gegeben. Ich finde das schwierig, das ist mir zu viel Kulturpessimismus.“

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