Er zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen für deutschsprachige Literatur: Die Schriftstellerin Christine Wunnicke wird mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Die Jury bezeichnet ihre Romane als „brillante Kunst“.
„Stets überraschend und souverän konzipiert“ – das sagt die Jury des Georg-Büchner-Preis über das Werk der diesjährigen Preisträgerin Christine Wunnicke.
Die 59-Jährige beeindrucke mit ihrer „unbeirrbaren Arbeit eines Vierteljahrhunderts“ die Leserinnen und Leser und mache mit ihrer „brillanten Kunst“ im „vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar“, teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Donnerstag zur Begründung mit.
Der Büchner-Preis zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Verleihung soll am 24. Oktober im Staatstheater Darmstadt stattfinden.
Gremmels: Unverwechselbare Stimme
Der hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels (SPD) lobte Wunnicke als bereichernd für die deutschsprachige Literatur. Dabei sei ihre Stimme unverwechselbar: „klug, lakonisch und voller Sprachwitz“.
Die in München geborene Schriftstellerin verwebe in ihren Romanen kunstvoll „die großen Fragen unserer Zeit“ mit geschichtlichen Stoffen, etwa Künstliche Intelligenz und Selbstoptimierung. „So zeigt sie, wie lebendig Literatur im Dialog mit der Geschichte sein kann“, so Gremmels.
Historische Figuren mit Eigenleben
Christine Wunnicke wurde 1966 in München geboren und studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Im Anschluss war sie in der Wissenschaftsverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft in München tätig. Ab den 1990er Jahren erstellte sie erste Hörspiele und Radiofeatures, 1998 erschien schließlich ihr erster Roman „Fortescues Fabrik“.
Ausgangspunkt von Wunnickes Romanen sind stets historisch verbürgte Figuren, die sie in fiktiven Rahmenhandlungen ansiedelt. Ihr 2020 erschienener Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ über die fiktive Begegnung des Forschungsreisenden Carsten Niebuhr mit einem persischen Astronomen etwa erreichte die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet.
Im vergangenen Jahr kam die Münchnerin mit „Wachs“ erneut auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis und wurde mit dem Jean-Paul-Preis für ihr Gesamtwerk gewürdigt.
Büchner-Preis seit 1951 vergeben
Die Akademie für Sprache und Dichtung mit Sitz in Darmstadt zeichnet mit dem Preis seit 1951 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus, die in deutscher Sprache schreiben. Sie müssen „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“ und „an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“, heißt es in der Satzung.
Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967). Im vergangenen Jahr wurde die in Trier geborene Ursula Krechel ausgezeichnet. Namensgeber des Preises ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner („Woyzeck“). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.
