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Politik

Zahl der Firmenpleiten so hoch wie seit 21 Jahren nicht mehr

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 09.07.2026 • 14:33 Uhr

Die Zahl der Firmenpleiten ist im zweiten Quartal in Deutschland weiter gestiegen. Fast alle Branchen sind betroffen. Bei genauerem Hinsehen ist die Situation nicht ganz so dramatisch.

Claudia Wehrle

In Deutschland ist die Zahl der Firmenpleiten auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in Sachsen-Anhalt mitteilte, wurden von April bis Ende Juni 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet.

„Die Lage ist schwierig. Die Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite“, so Stefan Müller, Leiter der IHW-Insolvenzforschung.

Auch andere Daten deuten auf eine anhaltend schwierige Lage hin. Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6,5 Prozent im Jahresvergleich. Auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldete für das erste Halbjahr mit 12.900 Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit 2013.

Die Folgen der Corona-Pandemie

Bei genauerem Hinsehen ist die Situation aber nicht ganz so dramatisch, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Denn viel hängt mit den Folgen der Corona-Pandemie zusammen. In den Pandemie-Jahren konnten sich viele Firmen am Markt halten, die zum damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

Denn der Staat gewährte Finanzhilfen. Nach einer Studie vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) konnten auf diese Weise allein in den Jahren 2020 und 2021 rund 140.000 Unternehmen vor der Schließung bewahrt werden. Etwa 280.000 Arbeitsplätze wurden gerettet.

Herausforderungen für die Wirtschaft

Doch nachdem die staatlichen Hilfen ausgelaufen waren, mussten und müssen sich Unternehmen wieder aus eigener Kraft am Markt behaupten.

Derzeit haben viele Firmen mit strukturellen Herausforderungen zu kämpfen. Dazu gehören unter anderem der demografische Wandel und die hohen bürokratischen Hürden im Land.

Durch den Ukraine-Krieg wurden Lieferketten gestört. Im Frühjahr kam der Iran-Krieg als zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Energie ist deutlich teurer geworden. Auch für viele andere Rohstoffe musste mehr Geld bezahlt werden, und nicht immer gelingt es, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben.

Gute Konjunkturzahlen

Immerhin – es gibt Hoffnungsschimmer. Zuletzt haben Industriebetriebe wieder über steigende Produktionszahlen berichtet. Im Mai sind die Exporte deutscher Unternehmen den vierten Monat in Folge gestiegen.

Die Serie positiver Nachrichten dämpft Sorgen vor einer Rezession. „Für die deutsche Wirtschaft war der Mai ein guter Monat“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Die vielerorts befürchtete wirtschaftliche Delle im zweiten Quartal dürfte ausbleiben.“

DAX kann sich stabilisieren

Angesichts der ungewissen Lage in Nahost haben sich Anleger am Donnerstag kaum aus der Deckung getraut. „Die Kurse pendeln zwischen der Hoffnung auf diplomatische Fortschritte und der Sorge vor einer weiteren Zuspitzung im Iran-Krieg“, sagte Timo Emden von Emden Research.

Am Mittwoch hatte der wiederaufgeflammte militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Investoren in Alarmbereitschaft versetzt. Heute stabilisiert sich der DAX wieder.

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Dr. Heinrich Krämer
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