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Marschflugkörper schließen Lücke: Deutschlands Tomahawk-Kauf ist ein exzellenter Deal für Trump

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Marschflugkörper schließen LückeDeutschlands Tomahawk-Kauf ist ein exzellenter Deal für Trump

09.07.2026, 15:19 Uhr Von Markus Lippold
Auf-dem-Archivbild-von-1989-des-us-amerikanischen-Verteidigungsministeriums-fliegt-ein-von-einem-U-Boot-abgefeuerter-Marschflugkoerper-vom-Typ-Tomahawk-bei-einem-Test-ueber-den-US-Bundestaat-Maine-Ueber-zwei-Dutzend-Marschflugkoerper-wurden-von-den-USA-am-Dienstag-3-9-96-als-Vergeltung-fuer-das-irakische-Eindringen-in-die-kurdische-Schutzzone-im-Norden-des-Landes-auf-Flugabwehrstellungen-im-Sueden-abgeschossen
Die USA setzen Tomahawk-Marschflugkörper vor allem von Schiffen oder U-Booten aus ein. (Foto: picture-alliance / dpa)

Die Europäer sollen gefälligst für ihre eigene Sicherheit zahlen, lautet das Mantra von US-Präsident Trump. Was das konkret bedeutet, zeigt sich beim deutschen Tomahawk-Kauf. Die Marschflugkörper schließen eine Lücke – bis die Europäer endlich aus dem Knick kommen.

Ein Tomahawk ist eine leichte Streitaxt der indigenen Völker Nordamerikas. Schnell und präzise findet er sein Ziel. Vielleicht wurden die gleichnamigen Marschflugkörper, die Deutschland nun von den USA kauft, deshalb so genannt. Die BGM-109 Tomahawk ist eine schnelle, präzise und mit hoher Reichweite und Sprengkraft ausgestattete Cruise Missile. Ein Lenkkörper also, der – im Gegensatz zu ballistischen Raketen – mit geringer Flughöhe ins Ziel gesteuert werden kann.

„Wir haben am Rande des Nato-Treffens in Ankara mit der amerikanischen Regierung vereinbart, dass amerikanische Tomahawk-Raketen von uns erworben und in Deutschland stationiert werden“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Regierungserklärung im Bundestag. Eine „wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung“ werde damit geschlossen, fügte er an. Zudem würden gleichzeitig eigene europäische Systeme entwickelt. Geheim ist bisher die Zahl der Marschflugkörper, die Deutschland erwirbt. Aus Regierungskreisen hieß es lediglich, dass zur Bedienung keine US-Soldaten entsandt würden.

Der Kauf beendet eine Hängepartie – und erweist sich als sehr guter Deal für die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump. Ursprünglich hatten die USA 2024 unter Präsident Joe Biden in Aussicht gestellt, selbst Tomahawk in Deutschland zu stationieren, daneben auch Raketen vom Typ SM-6 und Hyperschallwaffen. Trump kassierte die Zusage im vergangenen Mai, verbunden mit der Ankündigung des Abzugs von 5000 US-Soldatinnen und -Soldaten aus Deutschland.

Europäer sollen zahlen

Statt also selbst Marschflugkörper samt Truppen in Deutschland stationieren und unterhalten zu müssen, werden sie nun verkauft – für bis zu 2,1 Millionen Euro pro Stück. Das passt perfekt in Trumps Strategie, die Europäer für ihre Sicherheit zahlen zu lassen. Für Deutschland ist das dennoch kein schlechtes Geschäft. Schließlich werden die Mittelstreckenraketen tatsächlich gebraucht. „Der Tomahawk und auch die Standard Missile SM-6 sind wichtiger Bestandteil einer Abschreckung Russlands durch die Nato“, sagte der österreichische Oberst Markus Reisner bereits im Mai ntv.de.

Tomahawks sind eigentlich eine Angriffswaffe. Sie werden mit konventionellem Sprengstoff bestückt, sind aber atomwaffenfähig. Die USA setzen sie seit 1983 ein, etwa in den Kriegen in Afghanistan und Irak oder jüngst gegen den Iran. Sie wurden dabei primär von Kriegsschiffen (als RGM-109) oder von U-Booten (als UGM-109) abgefeuert. Ein Abschuss vom Boden ist auch möglich – Deutschland kauft dafür mehrere mobile Raketenstartrampen vom Typ Typhon.

Anders als in den Kriegen der USA kommen die Tomahawks in der Nato zur Abschreckung zum Einsatz. Die Cruise Missiles drohen einem möglichen Angreifer mit einem schnellen und präzisen Gegenschlag auf Infrastruktur oder Militäreinrichtungen – und sollen ihn so vom Erstschlag abhalten. Im Militärjargon spricht man von Deterrence by Punishment (Abschreckung durch Bestrafung). Diese Strategie ergänzt das Prinzip Deterrence by Denial (Abschreckung durch Abwehr).

Schon 2024, nach der Stationierungs-Zusage aus den USA, betonte das deutsche Verteidigungsministerium, wem die Abschreckung gilt: Russland. Verwiesen wurde etwa auf die Stationierung nuklearfähiger Iskander-Raketen und von Hyperschallraketen vom Typ Kinschal in der russischen Exklave Kaliningrad, die lediglich gut 500 Kilometer von Berlin entfernt ist. Schon davor hatte Russland seine Einheiten mit neu entwickelten Mittelstreckenraketen ausgestattet, woraufhin Nato und USA Moskau einen Bruch des INF-Vertrags aus den 1980er Jahren vorwarfen, der solche Entwicklungen verbietet.

Tomahawks schließen Fähigkeitslücke

Tomahawks haben eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern, würden also von Deutschland aus bis tief ins russische Hinterland reichen. Zum Vergleich: Berlin ist etwa 1600 Kilometer von Moskau entfernt. Die Tomahawks würden dabei die Marschflugkörper Taurus aus deutsch-schwedischer Produktion ergänzen. Diese haben eine Reichweite von 500 Kilometern, werden aber ausschließlich von Kampfjets abgeschossen.

Die Tomahawks wiegen 1,5 Tonnen und können Sprengkörper mit einem Gewicht von bis zu 450 Kilogramm transportieren – womit auch schwer befestigte Militäranlagen zerstört werden könnten. Der große Vorteil aber ist die Kombination aus Geschwindigkeit und geringer Flughöhe. Die Marschflugkörper erreichen bis zu 880 Kilometer pro Stunde. Weil sie nur wenige Dutzend Meter über dem Erdboden fliegen können, sind sie schwer zu orten und zu bekämpfen.

Doch warum will die Bundesregierung solche Waffen nun aus den USA beziehen? Ganz einfach: Weil weder Deutschland noch seine europäischen Nato-Partner über ein ähnliches System verfügen. Die Tomahawks schließen also eine Fähigkeitslücke der Bundeswehr. Dennoch sind sie nur als Übergangslösung gedacht. Denn Europa will eigene Mittelstreckenraketen entwickeln.

Schon 2024 wurde, als Ergänzung zur Tomahawk-Stationierung, das Projekt Elsa gegründet, das für „European Long-Range Strike Approach“ (Europäischer Ansatz für Langstreckenangriffe) steht. Beteiligt sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Polen, Italien und die Niederlande. Viel ist seitdem nicht passiert.

Europäische Entwicklungen

Doch es gibt Hoffnung: „Drei Entwicklungen in rascher Folge im Zusammenhang mit Marschflugkörpern geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus hinsichtlich der Zukunft der europäischen Fernkampfkapazitäten“, schrieb der Experte Fabian Hoffmann im Mai. Er nennt geplante Waffen des niederländischen Herstellers Destinus, des europäischen Herstellers MBDA sowie des norwegischen Rüstungsunternehmens Kongsberg. Das MBDA-Projekt kommt demnach den Tomahawk am nächsten.

Außerdem verweist Hoffmann auf den deutsch-britischen Plan, einen Hyperschall-Marchflugkörper mit 2000 Kilometern Reichweite zu entwickeln. Frankreich hat inzwischen Interesse an einer Beteiligung bekundet. Was jedoch alle Projekte eint: Bis zur Inbetriebnahme wird es noch etliche Jahre dauern. Da hilft es auch wenig, dass europäische Staaten auf dem Nato-Gipfel in Ankara versichert haben, mit Hochdruck entsprechende Fähigkeiten voranzutreiben. Bis dahin bleiben nur die Tomahawks. Und für die hat Deutschland mit Trump einen Deal abgeschlossen.

Quelle: ntv.de

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