Sie galten lange als Inbegriff von Luxus. Doch die Nachfrage nach echten Diamanten geht zurück, auch wegen Konkurrenz aus dem Labor. Südafrikas größte Mine wird nun stillgelegt – in einer ohnehin schon armen Region.
Für die Provinz Limpopo im Norden Südafrikas ist die Nachricht ein harter Schlag. Schließlich gehört die Region ohnehin schon zu den ärmsten des Landes. Jahrzehntelang galt die Venetia-Mine als Aushängeschild. Ein großer Teil der südafrikanischen Diamantenexporte wird hier gefördert. Aktuell sind rund 4.500 Menschen direkt in der Mine beschäftigt, Tausende weitere Jobs hängen indirekt von der Diamantenproduktion ab.
Der De Beers-Konzern hatte zuletzt noch rund zwei Milliarden Euro in den Standort investiert. Eine große, neue Schachtanlage untertage sollte die Mine eigentlich fit für die Zukunft machen. Jetzt aber zieht das Unternehmen die Reißleine. Die Produktion wird für zwei Jahre weitgehend gestoppt.
Diamanten-Branche steht unter Druck
Die Diamanten-Industrie steckt in einer tiefen Krise. Weltweit verkaufen sich die glitzernden Steine immer schlechter, die Preise sind im Keller. Gareth Penny hat vier Jahrzehnte in der Bergbauindustrie gearbeitet, 22 davon bei De Beers. Er sagte dem Nachrichtenkanal SABC: So unter Druck wie jetzt habe die Branche noch nie gestanden.
Grund dafür seien vor allem synthetische Diamanten. „Aber es gibt auch einen starken Nachfragerückgang in China und die Trump‑Zölle auf indische Importe von Diamantschmuck. Darüber hinaus gibt es Sanktionen gegen russische Diamanten, was zusätzliche Komplexität schafft. Das ist gewissermaßen der perfekte Sturm, in dem eine ganze Reihe Faktoren zusammenkommen“, sagt er. Das stelle das Diamantengeschäft vor enorme Herausforderungen.
Billigkonkurrenz aus dem Labor
Hohe Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Unsicherheit in den wichtigen Märkten USA, Europa und Asien sorgen für Zurückhaltung bei den Verbrauchern. Außerdem verändern sich die Traditionen. Für viele jüngere Leute sind echte Diamanten als Verlobungs- oder Hochzeitsgeschenke längst nicht mehr so wichtig.
Und: Billigkonkurrenz kommt aus dem Labor. Synthetische Diamanten kosten 50 bis 80 Prozent weniger. Ihre Produktion ist sehr energieintensiv, verursacht aber weniger Umweltzerstörung als der traditionelle Bergbau. Der Werbespruch „Diamonds are forever“, Diamanten sind für die Ewigkeit, zieht nicht mehr so wie früher.
Gwede Mantashe, Südafrikas Minister für Mineralien und Ressourcen, hat die Minenbetreiber gerade erst bei einem Branchentreffen dazu aufgefordert, mehr Geld in die Hand zu nehmen und ihre Produkte besser zu vermarkten. „Die natürlichen Diamanten stehen in vielerlei Hinsicht unter Beschuss. Die Branche ist deprimiert“, sagt er.
Der Preis für Diamanten ist gesunken und im Labor gezüchtete Diamanten fressen uns das Mittagessen weg.
„Wir kommen also mit einer Initiative, die global ist, für ein aggressives Marketing natürlicher Diamanten, um den Unterschied zwischen einem Naturstein und einem im Labor gezüchteten Diamanten deutlich zu machen“, so Mantashe.
Produktionsstopp mit spürbaren Konsequenzen
Für De Beers hat aber zunächst etwas anderes Priorität. Nämlich die Produktion herunterzufahren und Kosten zu senken. Anfang des Jahres wurde bereits der geplante Ausbau eines Standorts in Kanada auf Eis gelegt. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es, mit den Veränderungen wolle der Konzern auf kurze Sicht eine größere geschäftliche Widerstandsfähigkeit sicherstellen.
Langfristig gebe es hoffungsvolle Signale: „Wir sind ermutigt durch Anzeichen einer steigenden Verbrauchernachfrage in den USA und darüber hinaus. Insbesondere bei höherwertigen Diamanten. Das globale Angebot an Rohdiamanten geht zurück, was den Markt zusätzlich stützt.“
In Südafrika dürfte der Produktionsstopp in der größten Diamantenmine des Landes trotzdem spürbare Konsequenzen haben. Schon 2024 hatte De Beers am Venetia-Standort mehr als 300 Jobs gestrichen. Jetzt ist ein weiterer Arbeitsplatzabbau zu erwarten. Erste Gespräche des Konzerns mit der Regierung und den Gewerkschaften haben bereits begonnen. Dabei geht es um die Frage, wie die anstehenden Kürzungen mit Frühverrentungsprogrammen, Versetzungen oder Staatshilfen sozial abgefedert werden können.

