Kabinettsumbildung in LondonNeuer britischer Premier holt zurückgetretenen Verteidigungsminister zurück
Andy Burnham stellt am ersten Tag in der Downing Street das Kabinett neu auf. Vertraute von Ex-Premier Starmer spielen künftig keine große Rolle mehr. Für eine Überraschung sorgt vor allem die Ernennung des Finanzministers.
Wenige Stunden nach seiner Ernennung hat der britische Premierminister Andy Burnham das Kabinett neu geordnet. Der 56-Jährige, der am Vormittag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt worden war, machte überraschend unter anderem den früheren Verteidigungsminister John Healey zum Finanzminister. Healey hatte das Kabinett im Juni verlassen, aus Protest gegen den aus seiner Sicht zu niedrigen Etat für die Armee. Sein Rücktritt hatte den angeschlagenen Premier Keir Starmer zusätzlich geschwächt.
Die Berufung zum sogenannten „Chancellor of the Exchequer“ sei „die größte Ehre“, sagte der erfahrene Minister nun. „Gemeinsam werden wir eine neue Wirtschaft aufbauen, neue Hoffnung schaffen und die Interessen der arbeitenden Menschen in diesem Land voranbringen.“ Neuer Außenminister ist der bisherige Energieminister Ed Miliband, die bisherige Chefin im Foreign Office, Yvette Cooper, ist jetzt Gesundheitsministerin. Innenministerin bleibt Shabana Mahmood.
Später am Abend wurden weitere Personalien bekannt. Der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting ist neuer Verteidigungsminister, Alex Norris übernimmt das Justizministerium, Angela Eagle das Umweltministerium, Miatta Fahnbulleh ist neue Energieministerin. Streeting galt kurzzeitig als Rivale für Burnham um den Parteivorsitz, hatte sich aber nach dessen Einzug ins Parlament aus dem Rennen zurückgezogen.
Angela Rayner ist neue Wohnungsbauministerin, Jonathan Reynolds ist Wirtschaftsminister und Lucy Powell Bildungsministerin. Anneliese Midgley wurde zur Fraktionsvorsitzenden der Labour-Partei ernannt. Lisa Nandy bleibt als Kulturministerin.
Etliche Vertraute von Starmer spielen unter dem neuen Regierungschef dagegen künftig keine große Rolle mehr, darunter der frühere Vize-Regierungschef und Justizminister David Lammy und die bisherige Finanzministerin Rachel Reeves. „Ich wäre stolz gewesen, weiterhin im Kabinett zu dienen. Aber ein neuer Premierminister hat das Recht, sein eigenes Team zusammenzustellen“, sagte Lammy der Nachrichtenagentur PA zufolge.
„Zehn-Jahres-Plan“ soll Großbritannien voranbringen
Burnham war zuvor von König Charles III. zum neuen Premierminister ernannt worden. In seiner Antrittsrede kündigte der frühere Bürgermeister des Großraums Manchester einen „Zehn-Jahres-Plan“ für Großbritannien an. Dieser beinhaltet unter anderem eine Reform des Bildungssystems, eine Stärkung der Industrie und den Bau von Sozialwohnungen. Ein Programm mit Maßnahmen gegen die hohen Lebenshaltungskosten will Burnham am Dienstag vorstellen.
Das Land müsse der Welt zeigen, dass es „Stabilität zurückgewinnen“ könne, sagte er vor seinem neuen Amtssitz und versprach, „ein neues politisches Modell“ zu schaffen und „eine neue Wirtschaft aufzubauen“. Seine Rede wurde von Jubel begleitet.
Burnham will Trump Manchester zeigen
Eine der ersten offiziellen Amtshandlungen des neuen Premiers war ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Unter Starmer war das Verhältnis der Downing Street zum Weißen Haus merklich abgekühlt, was vor allem aber an Trump lag. Der Premierminister habe die Hoffnung geäußert, „dem Präsidenten bei einem künftigen Besuch zeigen zu können, was Manchester zu bieten hat“, teilte ein Sprecher mit Blick auf Burnhams vorheriges Amt als Bürgermeister von Greater Manchester mit. Trump war zuletzt im September 2025 von König Charles III. zum Staatsbesuch empfangen worden.
Bei der Darlegung seiner Vision als Premierminister des Vereinigten Königreichs habe Burnham erklärt, „dass sein Schwerpunkt auf der Reindustrialisierung des gesamten Landes liegen werde“, hieß es in der Mitteilung der Downing Street. Außerdem habe Burnham im Gespräch mit Trump sein Engagement für Verteidigung und Sicherheit bekräftigt. Die Gewährleistung der Sicherheit des Vereinigten Königreichs und seiner Verbündeten habe oberste Priorität auf seiner politischen Agenda, versicherte Burnham dem US-Präsidenten.
Auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefonierte Burnham und bekräftigte dabei Großbritanniens entschlossenes Engagement für Kiew . Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Burnham am Mittag gratuliert. „Das Vereinigte Königreich und Deutschland sind einander enge Verbündete und Partner“, schrieb der CDU-Politiker. „Gerade in diesen Zeiten beweist sich unsere tiefe Verbundenheit. Sehr gern möchte ich mich mit Ihnen zu den vor uns liegenden Herausforderungen austauschen und lade Sie daher gern zu einem baldigen Besuch nach Berlin ein.“
