Katastrophaler Fan-Irrsinn
Radprofi kracht mit dem Gesicht in Heckscheibe
Hunderttausende Fans säumen den Weg hinauf nach Alpe d’Huez, einer von ihnen sorgt offenbar für einen schlimmen Unfall: Der kolumbianische Profi Einer Rubio kollidiert mit einem Begleitfahrzeug.
Was für ein dramatischer Wahnsinn: Der kolumbianische Radprofi Einer Rubio hat das leichtsinnige Verhalten einiger der mehreren Hunderttausend Fans am Anstieg nach Alpe d’Huez mit Gesichtsverletzungen und dem Aus bei der Tour de France bezahlt. Der 28-Jährige vom Team Movistar prallte in einem flacheren Teilstück ungebremst mit dem Kopf in beziehungsweise durch die Heckscheibe eines Begleitfahrzeugs des Pogacar-Teams UAE, das direkt vor ihm in den Fanmassen aprupt bremsen musste.
Nach Informationen von „Domestique Cycling“ war ein Zuschauer auf die Straße gerannt und hatte die Vollbremsung des Fahrzeugs ausgelöst. Rubio ging nach dem Crash zu Boden und blutete stark. „Ich habe gesehen, wie Rubio von Movistar in das Auto von UAE gekracht ist. Das sah überhaupt nicht gut aus“, sagte Tobias Halland Johannessen, der gemeinsam mit Rubio auf dem Weg zur legendären Bergankunft war und zum Zeitpunkt des Unfalls etwas hinter dem Kolumbianer fuhr, im Gespräch mit TV 2. Er frage sich, „ob er mit dem Gesicht gegen die Scheibe geprallt ist. Ich hoffe, es geht ihm gut.“
„Es macht mir Angst“
Doch Rubio ging es nicht gut: Der Giro-Etappensieger von 2023 musste das Rennen aufgeben. Zur Schwere der Verletzungen machte Movistar bislang keine Angaben. Wie „Cyclingnews“ berichtet, war der Kolumbianer eine Stunde von den Medizinern der Tour behandelt worden. „Er tauchte mit mehreren Verbänden im Gesicht wieder auf und versuchte daraufhin, aus einer Wasserflasche zu trinken – angesichts der sportlichen Anstrengungen, die er früher am Tag auf sich genommen hatte, eine Notwendigkeit, angesichts seiner Verletzungen jedoch eine Qual.“
Rund eine halbe Million Fans verfolgte den Schlussanstieg der 19. Tour-Etappe an der Strecke. Mit Gittern abgesperrt waren nur die letzten Kilometer. Luke Rowe, Sportdirektor des Teams Decathlon CMA CGM schilderte seinen Eindruck dramatisch: „Da draußen ging es richtig zur Sache“, sagte er im Gespräch mit TNT Sports. „Remco Evenepoel wurde blockiert und kam an einer Stelle kaum noch voran, und ich sah einen Movistar-Fahrer am Straßenrand, der in einen Sturz verwickelt und blutüberströmt war. Es war also, ehrlich gesagt, wirklich eine Situation am Rande des Erträglichen.“
Die Favoriten um den Tagessieger Pogacar blieben von Zwischenfällen verschont, gleichwohl die Sorge vor dem Aufstieg gen Alpe d’Huez auch bei ihnen groß war: „Es macht mir auch etwas Angst. Mal sehen, wie extrem es wird“, sagte der Tour-Zweite Remco Evenepoel vor seiner Alpe-d’Huez-Premiere. „Das wird wieder ein Chaos geben“, prophezeite Pogacar und erinnerte sich mit Gruseln an die Berichte seiner Verlobten aus dem Jahr 2022. „Ich bin froh, dass Urska die Steigung nicht wie damals 2022 hochfahren wird. Da war sie total verdreckt, weil so viele Leute sie angefasst und geschüttelt hatten.“
Auf der 20. Etappe müssen die Radprofis wieder durch die Massen nach Alpe d’Huez klettern, diesmal mit einer noch zermürbenderen Anfahrt. Tour-Chef Christian Prudhomme kündigte die „härteste Bergetappe der Tour-Geschichte“ an. Einer Rubio wird die Etappe nicht mehr auf dem Rad erleben.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter/sid
