Aktuell wird auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken ein Screenshot geteilt, der wie ein Artikel der „Bild“-Zeitung aussieht. Er soll den Eindruck vermitteln, Daniel Günther habe sich mit einer besonders zugespitzten Schlagzeile und einem kompromittierenden Foto selbst in Misskredit gebracht.
Das trifft jedoch nicht zu. Die überprüfbaren Merkmale sprechen dafür, dass ein echter Artikel nachträglich manipuliert wurde. Weder die gezeigte Überschrift noch das verwendete Bild entsprechen der veröffentlichten Originalfassung.
Die Überschrift wurde verändert
Eine Suche nach der angeblichen Überschrift liefert keinen Treffer. Stattdessen findet sich ein nahezu identischer „Bild“-Artikel mit der Überschrift:
„Vor wichtigen Landtagswahlen im Osten – Günther macht Tür zur Linken weit auf“.
Auch Bildunterschrift, Fotografenangabe und weitere Gestaltungselemente stimmen mit dem echten Artikel überein. Lediglich das Wort „Hintertür“ wurde eingefügt. Dieser Begriff findet sich weder in der Originalüberschrift noch wird er Daniel Günther im Artikel zugeschrieben.
Der Originalbeitrag bezieht sich auf Günthers Auftritt in der ARD-Talkshow „Maischberger“ vom 20. Mai 2026. Dort äußerte sich der CDU-Politiker zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der Linkspartei in Sachsen-Anhalt. Die Schlagzeile des Originalartikels interpretiert diese Aussagen, die im manipulierten Screenshot zusätzlich zugespitzt wurden.
Auch das Foto ist nicht echt
Noch deutlicher fällt die Manipulation beim Bild auf.
Eine Rückwärtssuche führt zu keinem veröffentlichten Foto, das den im Screenshot gezeigten Moment zeigt. Obwohl als Urheber ein dpa-Fotograf angegeben wird, existiert ein solches Bild weder in den Bildarchiven der Deutschen Presse-Agentur noch in anderen Mediendatenbanken.
Im dpa-Bestand findet sich allerdings ein Foto desselben Termins mit identischer Kleidung, gleichem Hintergrund und nahezu derselben Perspektive. Dieses Originalbild wurde auch im echten „Bild“-Artikel verwendet. Das spricht dafür, dass das im Screenshot gezeigte Bild auf Grundlage des Originals künstlich verändert wurde. Nach den vorliegenden Informationen wurde ein entsprechendes Foto von dpa nicht veröffentlicht.
Warum die Fälschung glaubwürdig wirkt
Der manipulierte Screenshot übernimmt nahezu alle Elemente des echten Artikels: Layout, Datumszeile, Bildunterschrift und Fotografenangabe. Dadurch wirkt die Darstellung auf den ersten Blick authentisch.

Erst der Vergleich mit dem Original zeigt die Veränderungen. Genau diese Mischung aus echten und manipulierten Bestandteilen macht solche Fälschungen besonders überzeugend.
Wer auf vermeintliche Screenshots von Nachrichtenmedien stößt, sollte daher möglichst den Originalartikel auf der Website des Mediums aufrufen. So lassen sich nachträglich veränderte Überschriften oder Bilder oft schnell erkennen.
Bewertung: Falsch. Der verbreitete Screenshot zeigt keinen echten „Bild“-Artikel. Sowohl die Überschrift als auch das Foto wurden nachträglich manipuliert.
FAQ: Daniel Günther und der manipulierte „Bild“-Screenshot
Gab es den gezeigten „Bild“-Artikel wirklich?
Ja, aber in anderer Form. Der Originalartikel existiert, seine Überschrift und das verwendete Foto wurden im verbreiteten Screenshot verändert.
Hat „Bild“ die Formulierung „Hintertür zur Linken“ verwendet?
Nein. Im Original lautet die Überschrift „Günther macht Tür zur Linken weit auf“. Die Formulierung „Hintertür“ stammt aus der Manipulation.
Ist das gezeigte Foto authentisch?
Dafür gibt es keine Hinweise. Das veröffentlichte dpa-Original zeigt dieselbe Situation, jedoch nicht die im Screenshot verbreitete Pose. Nach den vorliegenden Erkenntnissen wurde ein solches Bild nicht veröffentlicht.
dpa-Faktencheck
11. August 2026
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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