Im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald brennt es auf mehr als 200 Hektar – es dürfte der größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes sein. Hunderte Menschen wurden evakuiert – andere Teile der Eifel könnten folgen.
Noch immer kämpfen Einsatzkräfte gegen die Flammen im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald. Nach Einschätzung von NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) könnte der Waldbrand der größte in der Geschichte des Bundeslandes sein. „Wir haben hier in Hürtgenwald mit einem Ausmaß zu tun, mit dem wir so in Jahrzehnten nichts zu tun hatten“, sagte sie bei einem Besuch der Einsatzkräfte.
Sie gehe von einer betroffenen Mindestfläche von 200 Hektar aus. Möglich seien auch bis zu 300 Hektar.
„Folgen des Klimawandels treffen uns mit voller Wucht“
Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2025 war laut Waldbrandstatistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen eine Gesamtfläche von rund 52 Hektar von Bränden betroffen. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) sprach von einem „erschreckenden“ Ausmaß. „Das zeigt eben, die Folgen des Klimawandels treffen uns hier mit voller Wucht.“
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) appellierte an die Bevölkerung, sich von dem Brand fernzuhalten, um die Löscharbeiten nicht zu behindern. „Die Einsatzkräfte kämpfen unermüdlich gegen die Flammen“, erklärte er. Nach WDR-Informationen hat Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) seinen Urlaub früher als geplant beendet und will morgen nach Hürtgenwald reisen.
Hürtgenwald liegt im Südwesten des Bundeslandes, nahe der Grenze zu Belgien. Insgesamt leben in der Gemeinde in der Eifel knapp 9.000 Menschen. In mehreren Kreisen im Umfeld wurde vor Geruchsbelästigung und Rauchniederschlag gewarnt.
Löscharbeiten könnten Tage dauern
Das Feuer war am Donnerstagabend ausgebrochen. Am frühen Morgen wurde der Ortsteil Hürtgenwald-Gey evakuiert. Dem WDR zufolge waren mehr als 2.000 Menschen von der Evakuierung betroffen. Wann sie wieder zurück in ihre Häuser könnten, sei ungewiss, sagte der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten (CDU).
Er beschrieb die aktuelle Brandsituation als „sehr beweglich“. Es gebe viele Einzelfeuer. Die „große Unbekannte“ sei der Wind. Wenn er aufkomme, könne sich die Lage „schnell drehen“ und weitere Feuer auslösen. Laut Feuerwehrsprecher Peter Berndgen könnte der Löscheinsatz noch Tage dauern.
Feuer rückt auf fast 150 Meter an Ortschaft
Nach Angaben einer Kreissprecherin ist das Feuer noch rund 150 bis 200 Meter von der Ortschaft entfernt. Solange das Feuer nicht in die Baumkronen schlage, seien die Meterangaben allerdings noch nicht entscheidend, sagte Nolten der Nachrichtenagentur dpa.
Neben Polizei und Feuerwehr sind auch die Bundeswehr sowie Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser im Einsatz. Mehr als 200 Einsatzkräfte sind laut Kreis Düren vor Ort, weitere zur Unterstützung angefordert. Hubschrauber löschen von oben, Wasserwerfer sind im Einsatz und Autobahnausfahrten gesperrt, um Rettungsfahrten zu ermöglichen. Zuvor war die Bundeswehr bereits mit zwei Panzern im Einsatz, um Schneisen in den Wald zu schlagen. Land- und Forstwirte unterstützen.
Zahlreiche Einsatzkräfte und -fahrzeuge sind im Hürtgenwald im Einsatz.
Weltkriegsmunition erschwert Löscharbeiten
Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. „Durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, sagte Landrat Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen.
Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei Köln ermittelt dazu und hat ein Hinweisportal für Zeugen eingerichtet.
Rheinland-Pfalz: Vorbereitungen auf Evakuierung
Auch in anderen Teilen der Eifel kämpften Einsatzkräfte gegen Waldbrände an. Im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz sind nach Angaben eines Landkreissprechers vier Menschen verletzt worden. Eine der Personen habe Brandverletzungen davongetragen.
In zwei Ortschaften – Langenfeld und Arft – wurden Einwohnerinnen und Einwohner aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich laut Landkreis um eine vorbereitende Maßnahme. In den betroffenen Ortschaften wohnen insgesamt etwa 900 Menschen.
Waldbrände wurden unter anderem auch aus Benneckenstein im Harz, am Möhnesee und in Sundern im Sauerland sowie im Landkreis Rotenburg gemeldet worden. Alle Brände waren aber nach Angaben der jeweiligen Feuerwehr unter Kontrolle.
