In Brandenburg haben Unbekannte mit selbstgebauten Flugkörpern Kurzschlüsse an einer Hochspannungsleitung verursacht. Zu einem Stromausfall kam es nicht, aber Brandenburgs Innenminister warnt: „Das war kein Kinderstreich.“
In einem Umspannwerk nahe des Kohlekraftwerks Jänschwalde im Süden Brandenburgs hat es zwei Sabotageakte mit selbstgebauten Flugkörpern gegeben. Die Täter hätten versucht, „leitfähiges Material“ in Höchstspannungsleitungen zu bringen, um einen Kurzschluss zu verursachen, sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann nach einem Besuch vor Ort. Dies sei in zwei Fällen gelungen. „In einigen weiteren Fällen ist das glücklicherweise nicht gelungen.“
Redmann sprach von einer zweistelligen Anzahl weiterer Vorrichtungen, die gefunden wurden. Die Täter seien systematisch vorgegangen. „Das war kein Kinderstreich“, sagte der CDU-Politiker. Nach Angaben der Regierung war es das Ziel, einen großflächigen Stromausfall auszulösen.
Eine Sprecherin des Netzbetreibers 50hertz erklärte, nach bisherigen Erkenntnissen seien dabei selbstgebaute Flugkörper eingesetzt worden, die handelsüblichen Silvesterraketen ähnelten. Redmann sprach von einem „Treibsatz“.
Keine Folgen für Stromversorgung
Menschen kamen bei der Sabotage nicht zu Schaden. Auch möglicherweise beabsichtigte Folgen für die Stromversorgung in der Region hatte der Vorfall nicht. Laut 50hertz gab es keinen Stromausfall – dazu habe auch das Wetter mit Sonne und Wind beigetragen.
Kurzzeitig fiel aber eine Leitung aus. Der Chef des Kraftwerksbetreibers LEAG, Adolf Roesch, sagte, ein 500-Megawatt-Block des Kraftwerks Jänschwalde sei in der Folge ausgefallen. Er solle aber im Laufe des Abends wieder hochgefahren werden.
Tatmotiv bisher unbekannt
Brandenburgs Innenminister betonte: „Wir nehmen den Vorfall sehr, sehr ernst, weil die Art und Weise der Tatbegehung natürlich geeignet gewesen wäre, größere Schäden zu verursachen.“ Wer die Täter waren und was ihr Motiv war, ist bisher unbekannt. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg laufen. Noch immer werde von Entschärfern nach weiteren Flugkörpern gesucht, mit denen das Material abgeschossen wurde, so Redmann.
Bei einem Feuerball, der zwischenzeitlich zu sehen gewesen sein soll, handelte es sich laut Redmann vermutlich um einen Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung. „Es ist nicht so, dass wir bislang bestätigen können, dass hier ein Sprengsatz detoniert sei.“
„Besorgniserregend hohe Frequenz solcher Vorfälle“
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte zuvor ebenso betont, man nehme den Angriff auf die kritische Infrastruktur sehr ernst. „Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen“, sagte der SPD-Politiker.
Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war.
Ob es Zusammenhänge mit dem aktuellen Vorfall gibt, ist unklar. „Wir wissen natürlich, dass es in der Vergangenheit in der Region insbesondere aus dem linksextremen Spektrum Anschläge auf das Stromnetz gab“, sagte Innenminister Redmann. Genauso wenig könne man aber ausschließen, „dass fremde Mächte hinter diesem Anschlag stecken oder Dritte, die wir heute noch gar nicht kennen“.
