Das amerikanische KI-Unternehmen Anthropic gibt den Startschuss für einen Mega-Börsengang schon im November und reicht die nötigen Unterlagen ein. Es dürfte einer der größten Börsengänge aller Zeiten werden.
Der KI-Konzern Anthropic bereitet sein Börsendebüt für November vor. Das geht aus Unterlagen hervor, die das Unternehmen aus San Francisco bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht hat.
In seinem 333-seitigen Börsenprospekt macht Anthropic keine Angaben dazu, wie viele Aktien zu welchem Preis verkauft werden sollen. Die Einreichung der Unterlagen ebnet den Weg für den Börsengang, der schon in der Woche ab dem 16. November erfolgen könnte. Berichten zufolge könnte das Unternehmen dabei mit bis zu 2 Billionen Dollar bewertet werden. Aktien des Unternehmens sollten am Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol „ANT“ notiert werden.
Anthropic soll an der Nasdaq gehandelt werden
Die Firma, die vor allem für ihr KI-Modell Claude bekannt ist, wurde 2021 von CEO Dario Amodei mitgegründet. Amodei hatte zuvor das Unternehmen OpenAI verlassen. Heute ist Anthropic der größte Konkurrenz von OpenAI, das mit seinem Chatbot ChatGPT lange Vorreiter bei Sprachmodellen der Künstlichen Intelligenz war.
Begleitet wird die Emission an der Technologiebörse Nasdaq federführend von den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley. Neben neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung sollen auch Papiere bestehender Anteilseigner platziert werden.
Die genaue Anzahl der Anteile sowie das angestrebte Emissionsvolumen sollen in einem späteren Nachtrag beziffert werden. Das offizielle Werben um Investoren soll in der Woche vom 9. November beginnen. Aus Branchenkreisen verlautete, dass Anthropic das Volumen des bisherigen Rekordbörsengangs des Raumfahrtkonzerns SpaceX erreichen oder sogar übertreffen wolle.
Rasantes Wachstum, aber rote Zahlen
Mit dem Börsenprospekt legt das Unternehmen erstmals detaillierte Kennzahlen offen, die die enormen Kosten im Wettlauf um KI-Spitzenmodelle verdeutlichen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 kletterte der Erlös zwar sprunghaft von 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf 16,3 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust jedoch drastisch aus: Stand im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 13 Milliarden Dollar zu Buche, betrug der Fehlbetrag im ersten Halbjahr 2026 rund 80,7 Milliarden Dollar – bedingt durch die hohen Kosten für den Bau von Rechenzentren für die Recheninfrastruktur, die für den Fortschritt der KI-Technologien erforderlich sind..
Vier Arten von Risiken
In den Unterlagen benennt Anthropic vier Hauptkategorien von Risiken, die von KI ausgehen: Missbrauch, etwa bei der Entwicklung und Umsetzung von Biowaffen oder Cyberangriffen, Verlust der menschlichen Kontrolle, außerdem autoritärer Missbrauch, etwa durch die Schaffung von Überwachungsstaaten, sowie wirtschaftliche Verwerfungen.
Sollten die KI-Modelle von Anthropic extremen Schaden anrichten, könnte das Unternehmen mit Haftungsansprüchen konfrontiert werden. Diese könnten den Deckungsumfang seiner Versicherungen übersteigen, heißt es in den Unterlagen.
Hackerangriffe durch KI-Agenten
Der Gang an die Börse soll dem Unternehmen die nötige Liquidität sichern, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Die Entwicklung neuer KI-Generationen verschlingt branchenweit Hunderte Milliarden Dollar für Rechenleistung und Infrastruktur. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Branche.
Anthropic und Wettbewerber wie OpenAI sehen sich mit einer verschärften Debatte über die Sicherheit autonom agierender Systeme konfrontiert. Eine Serie von Hackerangriffen durch eigenständig handelnde KI-Agenten hatte zuletzt Bedenken geschürt, die auch das Debüt an den Finanzmärkten belasten könnten. Anthropic-Konkurrent OpenAI hatte seinen Börsengang deshalb zunächst verschoben.
Mit Informationen von Gabi Biesinger, ARD-Studio Los Angeles.
