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Startseite»Nachrichten»Kanzler Merz betritt bei Grenzbesuch die nordkoreanische Seite
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Kanzler Merz betritt bei Grenzbesuch die nordkoreanische Seite

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Besuch an der GrenzlinieMerz betritt die nordkoreanische Seite

Merz zu Besuch in der demilitarisierten Zone: In einer Baracke an der Tür zu Nordkorea zeigt der Kanzler, wie sich hier Grenzsoldaten gegenseitig gesichert haben. (Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland dauert die Teilung 41 Jahre an. In Korea sind es bereits 73 Jahre. Eine Wiedervereinigung ist nicht in Sicht. Bundeskanzler Merz versucht vor Ort Hoffnung zu verbreiten – und betritt kurz die nordkoreanische Seite.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei einem Besuch der innerkoreanischen Grenze an die deutsche Wiedervereinigung vor 36 Jahren erinnert. „Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, die staatliche Einheit zurückzugewinnen“, sagte er am Rande der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten.

„Man merkt es hier an diesem Platz auch, wie sehr so ein Land an einer Teilung leidet und wie sehr auch der Wunsch besteht, jedenfalls in diesem Teil der koreanischen Halbinsel, wiedervereinigt zu werden.“ Er sei auch bei seinen Gesprächen in Seoul mehrfach auf die deutschen Erfahrungen mit der Wiedervereinigung angesprochen worden, fügte Merz hinzu.

Die koreanische Halbinsel ist seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) geteilt. Der Nordteil des Landes wird vom autoritären Machthaber Kim Jong Un regiert, der Südteil ist eine Demokratie. Zwischen beiden Ländern teilt eine 248 Kilometer Grenzlinie die koreanische Halbinsel, die sich am 38. Breitengrad entlang zieht. Auf beiden Seiten der Grenze gibt es eine etwa zwei Kilometer breite entmilitarisierte Zone.

Für Touristen nicht möglich: Merz betritt Nordkorea

Merz besichtigte an der Grenzlinie eine der ikonischen blauen Baracken, durch deren Mitte die Grenze verläuft. Wann immer Nord- und Südkorea direkte Gespräche miteinander führen, tun sie dies dort. Genau hier haben sich 2018 auch der damalige südkoreanische Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim die Hand geschüttelt. Es war das erste Mal, dass ein nordkoreanischer Staatschef südkoreanischen Boden betreten hatte, wenn auch nur ein paar Schritte.

Auch Merz war innerhalb der Baracke für kurze Zeit auf der nordkoreanischen Seite. Nur an dieser Stelle ist eine Überquerung der innerkoreanischen Grenze möglich. Die blauen Baracken können von Touristen nicht betreten werden.

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Hier darf sonst kaum einer hin: Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) steht mit General Xavier T. Brunson auf der nordkoreanischen Seite. (Foto: picture alliance/dpa)

Erst drei Kanzlerbesuche an der Grenze seit 1990

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein deutscher Regierungschef bei einem Besuch Südkoreas an die Grenze fährt. 2023 war Olaf Scholz bei seinem Antrittsbesuch dort. Davor war Helmut Kohl 1993 der letzte Kanzler an der sogenannten Demarkationslinie. Der damalige CDU-Vorsitzende äußerte wenige Jahre nach dem Fall der Mauer die Hoffnung, dass es innerhalb eines Jahrzehnts auch in Korea zu einer Wiedervereinigung Koreas kommen könnte. Daraus wurde nichts.

Seit dem historischen Handschlag 2018 ist die Vision der Wiedervereinigung wieder deutlich unwahrscheinlicher geworden. Kim hat das jahrzehntealte Ziel der staatlichen Einheit auf friedlichem Weg offiziell aufgegeben. Seit 2024 ließ er sämtliche historischen Zug- und Straßenverbindungen zwischen den zwei Staaten sprengen und befestigt die ohnehin hochgerüstete Grenze mit Landminen und Barrikaden. Zuletzt wurden entlang der nordkoreanischen Grenze auch Panzerhaubitzen gesichtet.

Die Spannungen zwischen beiden Staaten sind nach wie vor groß. Kurz vor der Ankunft des Kanzlers feuerte Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Militärs rund zehn ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres. Während Merz in Seoul an einer Wirtschaftskonferenz teilnahm, kündigte Nordkoreas Machthaber Kim in Pjöngjang nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA an, eine „absolute Überlegenheit“ in der Drohnentechnologie anzustreben.

Nordkoreas Machthaber Kim lehnt Gespräche ab

Alle diplomatischen Bemühungen um Entspannung verlaufen derzeit dagegen im Sande. Erst vor einer Woche hatte die südkoreanische Regierung erneut vorgeschlagen, Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Kim hat dazu bisher aber keine Bereitschaft signalisiert.

Merz versucht den Koreanern trotzdem Mut zu machen. „Korea und Deutschland verbindet die leidvolle Erfahrung der Teilung“, schrieb er schon kurz nach seiner Ankunft in Südkorea in das Gästebuch des Präsidenten. „Ich wünsche auch den Menschen in Korea, was wir in Deutschland erleben dürfen: Einheit in Freiheit.“

Merz: Koreas Konflikt betrifft auch Deutschland

Der Kanzler machte bei seinem Besuch klar, warum der Konflikt auch Deutschland und Europa betrifft. Nordkorea hat seine militärische Zusammenarbeit mit Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erheblich ausgeweitet. Pjöngjang lieferte große Mengen an Artilleriemunition und Raketen und entsandte nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Moskaus. Im Gegenzug erhält Nordkorea – so wird vermutet – finanzielle Unterstützung, Militärtechnik und Sicherheitsgarantien aus Russland.

„Koreas Sicherheit berührt Europas Sicherheit. Und Europas Sicherheit berührt auch die Sicherheit Koreas“, sagte Merz dazu. „Die Welt ist eben klein – auch im Krieg.“

Weil die Sicherheit Europas und Koreas miteinander verknüpft ist, beteiligen sich inzwischen auch zwei deutsche Offiziere an dem US-geführten United Nations Command (UNC), das den Waffenstillstand auf der koreanischen Halbinsel überwacht. Auch dies zeige, „dass Sicherheit auf der Welt nicht mehr teilbar ist, sondern dass wir sie überall gewährleisten müssen“, sagte Merz. Am Abend wollte er nach vier Tagen in Asien und Stationen in drei Ländern nach Berlin zurückfliegen.

Quelle: ntv.de, sts/dpa

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