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Politik

Wie die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammenhängt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.05.2026 • 06:01 Uhr

Die meisten neuen Krankheitserreger stammen von Tieren. Mit der One-Health-Forschung sollen Risiken frühzeitig erkannt und neue Pandemien verhindert werden.

Von Lukas Kohlenbach, WDR

Die Erfahrungen mit der Corona-Pandemie haben es deutlich gemacht: Neue Krankheitserreger können schnell zu einer Bedrohung für die Gesundheit vieler Menschen weltweit werden. Die meisten neu auftretenden Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung im Tierreich. Rund drei Viertel der bei Menschen neu entdeckten Keime der vergangenen Jahrzehnte waren solche sogenannten Zoonosen. Davon geht die Weltgesundheitsorganisation WHO aus.

Wenn ein Krankheitserreger von Tieren auf Menschen überspringt, sprechen Fachleute von einem Zoonotic-Spillover. Ein besonderes Risiko bestehe überall dort, wo der Mensch in den bislang unberührten Lebensraum von Wildtieren vordringe, erklärt Timo Falkenberg vom Institut für Hygiene und Public Health der Universität Bonn.

Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt zusammen denken

Seine Forschung zu solchen Risikoräumen orientiert sich am One-Health-Konzept. Das ist ein interdisziplinärer Forschungsansatz, bei dem die Gesundheit von Menschen, Tieren und ihrer Umwelt stärker zusammen gedacht wird. Verschiedenste Fachdisziplinen, wie Human- und Tiermediziner, aber auch zum Beispiel Umwelt- und Sozialwissenschaftler oder Mikrobiologen arbeiten dabei zusammen.

„Die menschliche und die tierische Gesundheit sind miteinander verwoben. Man kann die beiden eigentlich nicht separat voneinander betrachten“, ist Timo Falkenberg überzeugt. Und die gemeinsame Umwelt spiele als Bindeglied eine wichtige Rolle. Diese drei Bereiche müssten stärker zusammen erforscht werden, um das Risiko für künftige Pandemien zu mindern.

In Greifswald existiert seit 2021 ein Forschungsinstitut der Helmholtz-Gemeinschaft, das ausschließlich den One-Health-Ansatz verfolgt. Fabian Leendertz leitet die Einrichtung. Er möchte ein weltweites Netz aus sogenannten One-Health-Exploratorien aufbauen. Die sollen wie eine Art Wetterstation das Geschehen vor Ort beobachten.

„Dort werden die Menschen beprobt, da werden die Tiere beprobt und da werden auch die Leute im Krankenhaus über längere Zeiträume hinweg beobachtet“, sagt der Tiermediziner. Erste Schritte wurden mit Projektpartnern an der Elfenbeinküste gemacht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern soll so ein One-Health-Exploratorium entstehen

Infektionsketten unter Wildtieren nachverfolgen

Einen ersten Erfolg konnten die Greifswalder Forschenden und ihre Kollegen von der Elfenbeinküste im Februar dieses Jahres verkünden: Erstmals konnten sie recht zweifelsfrei nachzeichnen, wie ein Mpox-Virus von Feuerfußhörnchen auf Rußmangaben, einer westafrikanischen Affenart, übergesprungen ist. Das Mpox-Virus bedroht als Zoonose auch den Menschen. Feuerfußhörnchen stehen schon lange im Verdacht, ein potenzielles Reservoir für das Virus zu sein. Doch bislang fehlte ein direkter Nachweis, dass Feuerfußhörnchen tatsächlich einen Ausbruch bei einer anderen Tierart verursacht haben.

„Natürlich könnte auch in Deutschland ein neuer Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen überspringen“, meint Fabian Leendertz. Doch in Gebieten mit besonders hoher Artenvielfalt, wie dem tropischen Regenwald, sei das Risiko besonders hoch. Denn das seien auch die Gebiete, die durch Menschen gerade stark verändert werden – sei es durch Abholzung oder den Abbau von Mineralien.

„Was dann noch dazu kommt in diesen Gebieten, ist, dass es oft Gebiete sind, wo die Gesundheitsinfrastruktur relativ schlecht aufgestellt ist“, so Leendertz, „sodass die Ärztinnen und Ärzte vor Ort auch das Ungewöhnliche nicht erkennen können und erkennen würden.“

Datenaustausch bleibt ein Problem

Der One-Health-Ansatz erfährt zunehmend Aufmerksamkeit in der Politik. Anfang April haben Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker aus aller Welt auf Einladung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Lyon darüber beraten, wie sich künftig Pandemien durch engere Zusammenarbeit verhindern ließen. Das One-Health-Konzept soll dafür eine Grundlage sein. Ein Ergebnis der Konferenz: Der Austausch zwischen verschiedenen Forschungsgruppen soll durch weltweit einheitliche Datenstandards erleichtert werden.

Nicht nur für die Forschung seien miteinander inkompatible Datensätze ein Problem, berichtet der Gesundheitsforscher Timo Falkenberg. Auch Ämter könnten in vielen Ländern den One- Health-Ansatz nicht konsequent verfolgen, weil sie ihre Daten nicht effizient austauschen könnten. Daran werde aber gearbeitet, sagt Falkenberg.

Er beschreibt das Problem am Beispiel der Tollwut, einer schon lange bekannten Zoonose. Vor allem Hunde übertragen das Virus in weiten Teilen der Welt. Wird eine Infektion bei Menschen früh erkannt, kann ein Ausbruch der Tollwut mit einer sogenannten Post-Expositions-Prophylaxe verhindert werden.

Doch häufig bleibt die Info über eine Infektion bei einem Menschen nur bei den behandelnden Ärzten oder dem Gesundheitsamt. Dann werde nicht unbedingt der nächste Schritt gemacht und das Veterinäramt informiert, damit es sich die Hunde anschaut, sagt Falkenberg. Durch einen besseren Austausch könnten Infektionen aber besser kontrolliert werden – und Pandemien möglicherweise verhindert.

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